National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books

> > > >
Color New!IIIF Color HighRes Gray HighRes PDF   Japanese English
0183 Southern Tibet : vol.8
Southern Tibet : vol.8 / Page 183 (Grayscale High Resolution Image)

New!Citation Information

doi: 10.20676/00000263
Citation Format: Chicago | APA | Harvard | IEEE

OCR Text

151

auch mehr oder minder eine Kompilation älterer Quellen ist, so behält es doch seinen
dauernden Wert, weil es zum ersten Male das gesamte Wissen des chinesischen Altertums
von den Anfängen der Geschichtschreibung bis zu seiner Zeit in geordneter Folge zu-
sammenfaßt. Was die Dynastiegeschichten betrifft, so sind wir auf Grund des Yü-kung jetzt
noch besser imstande, ältere und jüngere Geschichtsauffassung, historische und legendäre
Darstellungen zu unterscheiden. Grundlegend ist, was Chavannes über die Kritik des ersten
chinesischen Geschichtsschreibers sagt¹:

La critique de Se-ma Ts'ien s'inspire d'un rationalisme terre à terre et trahit une inaptitude
complète à comprendre ce qui n'est pas rigoureusement conforme à ses habitudes de pensée: c'est
pourquoi elle fait fausse route, quand elle s'applique aux temps légendaires des cinq empereurs, des
Hia et des Yin; ce n'est pas Se-ma Ts'ien qui lèvera le voile derrière lequel sommeille l'enfance du
peuple chinois. Cette réserve faite, il est juste de reconnaître que, pour les ages plus récents, Se-ma
Ts'ien a su extraire de ses lectures la plus grande partie de la vérité historique qu'elles contenaient;
aussi son oeuvre pourra-t-elle être complétée, mais elle restera la base de toutes les études qu'on tentera
sur les règnes des Tcheou, des Ts'in et des premiers empereurs Han.

Zu diesem Gesamturteil dürfen wir jetzt hinzufügen, daß bei Ssü-ma Ch'ien das Zeit-
alter der Hsia und der Yin nicht denselben legendären Charakter trägt wie die vorher-
gehende Zeit der fünf Kaiser. Von diesen die beiden letzten, Yao und Shun, wie wir
sahen, das Produkt konfuzianischer Geschichtsauffassung; doch werden über Shun zugleich
jüngere Ansichten laut, die dem Reich der Mitte eine noch größere Ausdehnung geben,
als es die Kommentatoren des Yü-kung getan haben; während das angeblich im Yü-kung
beschriebene Reich unter Yao südlich bis zum Heng-shan reichte², soll Shun darüber hinaus
sogar Völker Annams unterworfen haben.³

Noch mehr Erzeugnisse gelehrter Phantasie sind die drei ersten Kaiser, und zwar
sind sie sicherlich erst am Ende der Chou-Dynastie geschaffen worden; neben ganz jungen
geographischen Namen treten wahllos ältere Namen selbst aus der Zeit der Yin-Dynastie
auf, ein Beweis, mit welcher Willkürlichkeit man Altes und Neues durcheinander gebracht
hat.⁴ Darin geht der gelehrte Phantast wenigstens konsequent vor, daß er innerhalb dieser
legendären Periode die Westgrenze schrittweise nach Zentralasien hinausschiebt. Während
er sie unter Huang-ti 黄帝, dem ersten dieser Idealkaiser, ins Quellgebiet des Wei-ho
setzt, schiebt er sie unter Kao-yang 高陽 bis zum Fliessenden Sand vor, unter Yao bis zu den
Jung und schließlich unter Shun selbst bis zu verwandten Barbarenvölkern. Hier sehen wir
also wiederum, auf was für neue Irrwege die falsche Kommentierung des Yü-kung geführt hat.