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Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0185 |
Southern Tibet : vol.8 |
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OCR Text
153
daß Ssŭ-ma Ch'ien wiederholt dieselbe chronologische Tafel benutzt hat, welche auch den
Bambus-Annalen zugrunde liegt.
Ebenso wichtig ist für uns Chavannes' Hinweis, daß der 281 n. Chr. aufgefundene
Urtext in einigen wesentlichen Punkten von der Neuausgabe durch Shen Yo abweicht.
Der heutige Text beginnt mit den erdichteten Persönlichkeiten der Kaiser Huang-ti,
Chuan-hsü und K'u; sobald er sich den ebenso legendären Kaisern Yao und Shun zuwendet,
setzt er mit den für die chinesische Zeitrechnung maßgebenden zyklischen Zeichen ein, um
von da in derselben Ordnung zu der ältesten bekannten Dynastie, den Hsia, überzugehen.
Ganz anders lauten die Berichte von Tu Yü und Shu Hsi über den alten Text; hiernach
beginnt die Darstellung erst mit der Hsia-Dynastie. Diese Tatsache ist, was Chavannes
vielleicht noch nicht genügend betont hat, für die historische Kritik von der allergrößten
Bedeutung.
Schon eine flüchtige Durchsicht des Textes von Huang-ti bis Shun ergibt, daß diese
Teile erst durch einen späteren Gelehrten hinzugedichtet sein müssen, der mit der Lektüre
des Yü-kung und des noch viel jüngeren Shan-hai-ching vertraut war.¹ Offenbar hat er
sonst aus einer legendären Quelle des Ssŭ-ma Ch'ien, wenn nicht aus ihm selbst, geschöpft.
Was dagegen die mit der Hsia-Dynastie beginnende Urfassung der Bambus-Annalen
betrifft, so haben wir oben S. 131 ff. wiederholt Proben ihrer Glaubwürdigkeit kennengelernt,
besonders dort, wo wir überall Parallelen mit verstreuten Angaben der späteren Han-
Annalen feststellen konnten. Dadurch gewinnen die Bambus-Annalen in ihrer Bedeutung
als historische Quelle; hier liegt uns ein Dokument vor, das nicht wie die meisten anderen
durch die Hand des Konfuzius gegangen ist und daher umso eher seine Ursprünglichkeit
bewahrt hat.
Nun wird auch die Frage spruchreif, auf welche Weise die trockenen, streng chrono-
logisch angeordneten Aufzeichnungen der drei ältesten Dynastien entstanden sein mögen.
Wenn wir uns vergegenwärtigen, daß dort vorwiegend Ereignisse behandelt werden, die
nach chinesischer Anschauung von dem Prinzip (Tao) des Weltalls abweichen, wie Sonnen-
und Mondfinsternisse, Erscheinen von Kometen, Auftreten von ungewöhnlichem Regen, Über-
schwemmungen, Aufstände, besondere Schicksale der Herrscher und seiner nächsten Ratgeber,
so gewinnen wir unwillkürlich den Eindruck, daß wir es mit jährlichen Aufzeichnungen
von Hofchronisten zu tun haben; denn da die Aufgabe des Herrschers darin bestand, seine
Regierungsmaßnahmen den Ordnungen des Himmels und der Erde anzupassen, so mußte
es für ihn von der größten Bedeutung sein, etwaige ungewöhnliche Ereignisse schriftlich
festzulegen zu lassen. Infolgedessen bildete sich eine auf Bambustafeln geschriebene Hof-
chronik, die sich immer weiter forterbte, so daß sie schließlich ein zusammenhängendes Bild
über eine ganze Dynastie ergeben mußte. Im Grunde scheinen also die Bambus-Annalen
nichts anderes zu bedeuten als die Kalendertafeln des Pontifex maximus im alten Rom;
als historische Quelle sind sie darum bei weitem höher einzuschätzen als die späteren, in
konfuzianischem Geist befangenen Darstellungen.
Aber der neue Herausgeber Shen Yo hat den mit der Hsia-Dynastie beginnenden
Urtext nicht ganz unverändert gelassen; so gebot es die Rücksicht auf die konfuzianische
Geschichtsdarstellung, die Angaben über die ersten Hsia-Kaiser durch gewisse Änderungen
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