National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0206 |
Southern Tibet : vol.8 |
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OCR Text
somit dem Alter des *Yü-kung* entspreche (2200 v. Chr.)¹; gegen diese beiden Ansichten
haben sich erst in neuester Zeit europäische Gelehrte gewandt und aus dem Stil sowie aus
Parallelstellen mit Angaben des *Lü-shih-ch'un-ch'iu* geschlossen, daß die Abfassung ins
4. bis 3. vorchristliche Jahrhundert gehöre.² Wir werden sehen, daß von den älteren Ansichten
die erste viel zu weit geht; die zweite ist jetzt dadurch ganz hinfällig geworden, daß die
angeblich als Vorlage dienenden *Neun Dreifüße* nachweislich keine Karten enthielten und
die Geographie des *Yü-kung* nicht um 2200, sondern erst um 1125 v. Chr. entstanden ist.
Bevor wir zu der neuesten Ansicht Stellung nehmen, gehen wir von der wohl-
bekannten, aber in ihrer Bedeutung nicht genügend gewürdigten Tatsache aus, daß das
*Shan-hai-ching* aus zwei nach Sprache und Inhalt gänzlich verschiedenen Teilen besteht.³
Ein Werk für sich sind die ersten fünf Bücher; sie behandeln die Berge in folgender
systematischer Anordnung: 40 Berge im Süden, 77 im Westen, 87 im Norden, 46 im Osten
und 196 in der Mitte der Erde. Obgleich die Schilderung von legendenhaften und aber-
gläubischen Vorstellungen durchsetzt ist, so läßt sich doch eine genaue geographische
Gruppierung mit jedesmaliger Angabe der Entfernungen bis zu den vier Meeren hin fest-
stellen; dies berechtigt uns zu dem Schluß, daß als Unterlage eine viereckige Erdkarte gedient
hat, aus der die Angaben der Berge und der dort entspringenden Flüsse entnommen sind.
Aber es wäre ein Irrtum, zu glauben, daß uns über die Ausdehnung einer solchen
Erdkarte der Schlußsatz in Buch V die richtige Auskunft gibt: »Himmel und Erde messen
von Osten nach Westen 28000 *li*, von Süden nach Norden 26000 *li*.⁴ Denn diese Zahlen-
werte übersteigen die Dimensionen der fraglichen Karte um ein Vielfaches⁴; wir werden
später sehen, daß sie erst für die Zeit der Han-Dynastie passen, als Chang Ch'ien wider
alles Erwarten ungeheure Länderräume im Westen entdeckte (138—126 v. Chr.).⁵
Sonst tritt uns in den ersten fünf Büchern wiederum das altchinesische Erdbild vor Augen,
und es käme nur darauf an, festzustellen, welchem Zeitalter die betreffende Karte angehört.
Ganz anderen Charakter trägt der zweite Teil des *Shan-hai-ching*. Hier nimmt der
Text die »*vier Meere*« zum Ausgangspunkt, um von da die fabelhaften Bergen
und Völkern erfüllte Welt zu beschreiben. Zunächst kommen in Buch VI—IX an die
Reihe die Gegenden, die sich im Süden, Westen, Norden und Osten dieser Meere
befinden sollen, wobei einige Wandervölker an solche der hellenistischen Sage erinnern.⁶
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