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Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0211 |
Southern Tibet : vol.8 |
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Ein noch größeres Rätsel ist die Heimat von Hsi-wang-mu. Alle möglichen Länder des
Westens hat man nachweisen wollen: Tibet¹ und Ostturkistan², Persien³ und Südarabien.⁴
Aus der neueren chinesischen Literatur ist besonders erwähnenswert, daß man unter dem
Kaiser Khanghi den Anavatapta, den heiligen See Südtibets (Manasarovar), für den Edel-
steinteich des Hsi-wang-mu erklärte.³
Trotz des philologischen Scharfsinns, den man dabei verwandte, mußten doch alle
Versuche problematisch bleiben, weil man nicht genügend beachtete, daß es sich hier in
erster Linie um eine Aufgabe der Geschichte der Geographie handelt. Bevor man daran
ging, den Reiseweg Mu-wangs bis Hsi-wang-mu zu lokalisieren, hätte man sich erst fragen
müssen, ob und wieweit hierdurch der geographische Gesichtskreis der Chinesen erweitert
worden ist. Umso überraschender wirkt es, wenn man dann bemerkt, daß in dieser Hin-
sicht das Hsi-wang-mu-Abenteuer keinerlei Spuren hinterlassen hat. Wie bisher hielten
die Chinesen der Chou-Zeit daran fest, daß bald im Westen ihrer Reichsgrenze die Welt
mit dem Westmeer ihr Ende habe. Hätte wirklich die chinesische König eine weite Reise
bis nach Zentral- oder Vorderasien unternommen, dann sollte man erwarten, daß seine Ent-
deckungen das Bild der Chou-Karte nach dieser Richtung hin bedeutend erweitert hätten.
Da dieser Fall aber nicht eingetreten ist, sind unsere Zweifel von vornherein berechtigt,
ob Mu-wang überhaupt weit über die westliche Reichsgrenze vorgedrungen ist. Dieser
Gesichtspunkt ist entscheidend, wenn wir die vorliegenden Quellen auf ihre historische
Glaubwürdigkeit prüfen wollen.
Was zunächst die Angabe aus dem »goldenen Zeitalter« des Kaisers Shun betrifft,
so ist sie schon oben S. 150 ff. als apokryph hingestellt, weil die ganze Periode der
»fünf Kaiser« spätere gelehrte Legende ist.⁶ Nur, was die Quellen aus dem Zeitalter
Mu-wangs uns aufweisen, stellt uns auf geschichtlichen Boden; es wird sich herausstellen, daß
die trockenen Notizen der Bambus-Annalen wiederum die größte Glaubwürdigkeit verdienen.
Dabei kommen uns in vortrefflicher Weise die Ergebnisse zu gute, die wir aus dem Yü-kung
gewonnen haben.
Überraschend einfach wird sich dann auch die Kritik des Mu-t'ien-tzŭ-chuan erledigen,
wo Mu-wangs Reiseziel, das Reich der »Königin-Mutter des Westens«, zum ersten Male in
den fernsten Westen hinausgeschoben wird. Auf historisch-geographischem Wege soll der
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