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0217 Southern Tibet : vol.8
Southern Tibet : vol.8 / Page 217 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000263
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185

nicht der Ort, auf Einzelheiten einzugehen; so viel sei jedoch hervorgehoben, daß wir nach
den Entfernungsangaben die Sitze der Ch'uan-Jung im Ordosland wiederfinden, also gerade
dort, wo wir sie zu erwarten haben. Von da mag sich der König vielleicht unter dem
Schutze des Grenzwalles in nordwestlicher Richtung bis Yang-yü gewandt haben, das wir
am Huang-ho südwestlich vom heutigen Ning-hsia zu suchen hätten. Jedenfalls lassen sich
genügende historische und geographische Gründe dafür angeben, daß im Mu-t'ien-tzü-chuan
viele glaubwürdige Nachrichten enthalten sind, die in Mu-wangs 12. bis 14. Jahr gehören
und wahrscheinlich auf Tageschroniken zurückgehen.

Einen ganz anderen Charakter trägt die Reisebeschreibung von Yang-yü bis Hsi-wang-
mu und zurück. Zunächst steht sie, da der Besuch des Hsi-wang-mu nicht in das 12., sondern
erst in das 17. Regierungsjahr gehört, im Widerspruch zu den Bambus-Annalen; vor allem
aber ist sie vom Standpunkt der Geschichte der Geographie ein vollständiger Anachronismus.
Denn die geographischen Anschauungen, die in diesem Teil vorliegen, sind mit Mu-wangs
Zeitalter gänzlich unvereinbar. Indem uns der Verfasser in das Reich der Phantasie
hinausführt, hat er unbewußt ein Kartenbild vor Augen, wie es erst 900 Jahre später seit
der Han-Dynastie möglich war. Dieser Anachronismus tritt bei der Lektüre besonders
an den folgenden sechs Stellen zutage:

1. Ho-tsung 河 宗, der Abkömmling des Huang-ho-Gottes, erklärt, er wolle Mu-wang als Dank
für die Opfer die Herrschaft über die Welt überlassen und ihm darum auch allerlei Schätze auf den
Höhen des K'un-lun zeigen (§ 15). Zu Mu-wangs Zeiten bestand aber noch nicht die Auffassung vom
K'un-lun als einem Gebirge (s. oben S. 171 f).

2. Einige Tagereisen westlich von Yang-yü am Huang-ho hatte Mu-wang ein Gelage auf einer
Insel und zwar dort, wo der Huang-ho südlich am Chi-shih, den berühmten »aufgehäuften Steinen« des
Yü-kung, vorbeifließt (§ 18). Dem gegenüber haben unsere Untersuchungen über den Huang-ho des Yü-kung
gezeigt, daß das Chi-shih der Katarakt nördlich vom Lung-men war, und daß man ihn erst seit K'ung
An-kuo (100 v. Chr.) an den Oberlauf westlich von Lan-chou versetzt hat. Diesen falschen Ansatz bringt
also auch jene Angabe über Mu-wang.

3. Vom Chi-shih schlug Mu-wang die südwestliche Richtung ein und erreichte erst nach 52 Tagen
den Fuß des K'un-lun, den er drei Tage darauf bestieg, um den Palast des Huang-ti zu besuchen
und ihm Opfer darzubringen (§ 19—21). Hierzu ist zunächst zu bemerken, daß Huang-ti als erster
legendarischer Kaiser von China in der chinesischen Annalistik nicht vor Ende der Chou-Dynastie auf-
tritt. Noch wichtiger ist, daß der K'un-lun seinen Platz weitab im Südwesten von Chi-shih erst seit
dem dritten vorchristlichen Jahrhundert erhalten hat (s. unten S. 193).

4. Nahezu zwei Monate beanspruchte die Weiterreise Mu-wangs nach Nordwesten und Westen,
bis er zu Hsi-wang-mu gelangte; von einem Ende der Welt am Westmeere ist nirgends die Rede, viel-
mehr wird als westlichster Punkt der Berg des Sonnenuntergangs genannt. Auch lernte man hier Riesen-
vögel (Strauße?) kennen, denen man die Federn raubte (§ 16—47).
Solche Vorstellungen sind mit der Chou- und Ch'in-Zeit gänzlich unvereinbar, wo man schon
bald jenseits der Reichsgrenze das Westmeer vermutete, ohne etwas von fremden Riesenvögeln zu
wissen. Erst seit Chang Ch'ien (136 v. Chr.) brach sich die Erkenntnis Bahn, daß man noch Zehn-
tausende von Meilen zurückzulegen habe, um bis ans Westmeer zu gelangen. Eine solche weite Länder-
ausdehnung setzt auch dieser Teil des Mu-t'ien-tzü-chuan voraus.

5. Zweimal kreuzte Mu-wang das vom Yü-kung her bekannte Schwarzwasser (Hei-shui); auf der
Hinreise 20 Tagereisen nordwestlich vom K'un-lun-Gebirge, auf der Rückreise etwa 100 Tagereisen
nordwestlich von dem Ausgangspunkt Yang-yü (§ 31—33. 70. 71). Besonders die letztere Position
des Schwarzwassers erinnert an die Identifikation mit dem Flusse von Tun-huang; diese haben erst
die Kommentatoren der Han-Dynastie eingeführt.

24. VIII.