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0233 Southern Tibet : vol.8
Southern Tibet : vol.8 / Page 233 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000263
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3. DIE JÜNGERE REICHSKARTE.

a) Allgemeines. Unter der zweiten Han-Dynastie (25—220 n. Chr.) gelangte die chinesische Kartographie infolge der Erfindung des Papiers zu ungeahnter Blüte (105 n. Chr.); im Hinblick darauf, daß die Holztafeln wegen ihres Gewichts und kleinen Formats, die Seidengewebe wegen ihres hohen Preises zur Aufnahme der Schrift nicht geeignet seien, stellte der Eunuch Ts'ai Lun 蔡 倫 aus Baumrinde, Hanf, alten Lumpen und Fischnetzen einen ebenso billigen wie handlichen Stoff her, der auch die Herstellung von Landkarten in großartiger Weise fördern mußte. Nunmehr war man in den Stand gesetzt, nach Belieben zahlreiche Kartenblätter über das Gesamtreich oder seine Teile in größeren Mengen anzufertigen.¹

So konnte denn das auf der Ch'in-Karte basierende Yü-ti-t'u der älteren Han weiter verbessert und ergänzt werden. Bisher wissen wir nur, daß sich dieser Aufgabe wie bisher das Ministerium der öffentlichen Arbeiten unterzogen hat; das ist aber auch alles, was uns hierüber direkt überliefert ist.²

b) Rekonstruktion aus dem Shui-ching-chu. Trotzdem sind wir in der glücklichen Lage, diese Reichskarte in ihren Hauptzügen zu rekonstruieren. Es ist noch ganz unbemerkt geblieben, daß uns der Inhalt dieser Reichskarte in veränderter Form durch eins der großartigsten geographischen Sammelwerke des Altertums überliefert ist, nämlich durch das wiederholt erwähnte Shui-ching-chu, d. h. den Wasserklassiker und seinen Kommentar. Bisher hat man sich mit der literarischen Angabe begnügt, daß dieses aus 40 Büchern bestehende Werk in der Zeit der Drei Reiche (221—265 n. Chr.) entstanden, um 500 n. Chr. durch den Kommentar des Li Tao Yüan ergänzt und später durch einen zweiten Kommentar erweitert worden ist.³ Aber die Frage, woher das ungeheure geographische Material des Urtextes und seines ersten Kommentars herrührt, ist noch unerörtert geblieben. Wenn wir bei einer Durchsicht des Textes — abgesehen von den eingestreuten Zitaten, die aus besonders genannten Berichten herrühren — überall die gleiche Beobachtung machen, daß mit dem größeren Fluß Chinas seine Nebenflüsse nach Quelle, Laufrichtung und Mündung, ferner die Berge und Ortschaften nach ihrer Lage, ja selbst deren Zugehörigkeit zu ihren Bezirken und Kreisen angegeben sind, so ist es ohne weiteres klar, daß die Grundlage hierzu eine physikalisch-politische Reichskarte gebildet haben muß, auf der alle überlieferten Angaben ordnungsgemäß zusammengetragen waren. Ja, die wiederholten Entfernungszahlen legen den Gedanken nahe, daß die gesamte Kartenfläche in ein quadratisches Netz von einigen hundert li Abstand eingeteilt war, wie wir es in späteren chinesischen Karten vorfinden.⁴

26. VIII.