National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0245 |
Southern Tibet : vol.8 |
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OCR Text
*Thagara* dem heutigen *Kan-chou* entspricht, während die *Thaguri* in das Gebirge südlich
davon gehören.¹ Das ist aber genau dasselbe, was die Chinesen über die ältere Heimat
der *Yüeh-chih* oder der dort zurückgebliebenen Stämme berichten. Ptolemäus ist uns hier
deshalb so besonders wertvoll, weil er die Tocharer in ihrer späteren Heimat *Baktrien*
nicht als Thaguri, sondern als *großes Volk der Tocharer* (Τόχαροι μέγα ἔθνος) aufführt; er
hat also nicht gewußt, daß beide Namen eigentlich in engster Beziehung zu einander
stehen; sonst hätte er wohl auf einen dieser Namen verzichten können.
Fassen wir zusammen, so sehen wir, daß uns zur selben Zeit und an denselben beiden
Stellen, bei *Kan-chou* wie in *Baktrien*, von den Chinesen die *Yüeh-chih*, von Ptolemäus
die *Tocharer* genannt werden.² Nunmehr dürften auch die letzten Zweifel beseitigt sein,
daß Yüeh-chih und Tocharer ein und dasselbe Volk bezeichnen, während die *Ta-hsia* von
ihnen streng zu unterscheiden sind; und da es sich bei diesem letzten Namen nur um eine
falsche Übertragung handeln kann, so wäre es auch gänzlich sinnlos, hinter den alten
Lautform irgendeinen iranischen oder griechischen Namen zu suchen. Wir müssen uns
eben mit dem Ergebnis bescheiden, daß *Ta-hsia* nur als Bezeichnung eines alten, später
verschollenen Volkes irgendwo in der heutigen Provinz *Kansu* historisch gerecht-
fertigt ist.
**d) Die Verlegung der Quelle des Huang-ho nach dem Süden von Khotan.**
Wie sich Altes und Neues in Chang Ch'iens Karte vermischt, das zeigen besonders seine
Ansichten über die Hydrographie der Westländer. Wir haben darauf hingewiesen
(S. 8f.), daß er nicht, wie man erwarten sollte, das *Pamirgebirge*, den späteren *Tê'ung-ling*,
zur Hauptwasserscheide des *Tarim*, *Oxus* usw. erhoben hat, sondern das sogenannte
*Nephritgebirge* südlich von *Khotan*; nach Osten sollen von dort die Gewässer in den *Salz-
sumpf* (Lop-nor) fließen, nach Westen ins *Westmeer*, während im Süden die Quelle des
*Huang-ho* sei, der sich dann östlich nach *China* ergieße. Hier werden sicherlich ältere
Kartenbilder nachgewirkt haben; denn ähnliche Schilderungen bringt schon lange vor
Chang Ch'ien das *Shan-hai-ching*, ohne daß wir dabei an wirkliche Kenntnisse von Zentral-
asien denken dürfen (s. oben S. 175ff.).
Merkwürdig ist nur, daß nicht Chang Ch'ien, sondern erst nach seinem Tode der
Kaiser Wu den uralten Namen *K'un-lun* auf jenes Quellgebirge südlich von Khotan über-
tragen hat, veranlaßt durch entsprechende Angaben auf alten Karten der *Ch'in-Dynastie*
(s. oben S. 193). Seitdem aber dieser verhängnisvolle Schritt vollzogen war — wir sahen,
daß der Name eigentlich einem alten Barbarenvolk des *Ordoslandes* zukam —, konnte es bald
auch nicht mehr an weiteren Nachahmungen der älteren Karten oder Texte fehlen. Es ist
darum nicht verwunderlich, wenn wir in späteren chinesischen Texten lesen, daß dem
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