National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0246 |
Southern Tibet : vol.8 |
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südlich von Khotan gelegenen K'un-lun nach Westen hin der uralte Jo-shui entströmen soll,
um etwa bei T'ao-chih (Ταξκε) ins Meer zu münden (Näheres unten). Dies ist vielleicht
der sprechendste Beweis, wie schwer es den Chinesen auch lange nach Chang Ch'iens Ent-
deckungen geworden ist, sich von dem älteren Kartenbilde loszureißen.
e) Die Umgestaltung der Erdkarte. Mag auch Chang Ch'iens Karte in gewissen
Punkten an ältere Vorbilder erinnern, ein entscheidendes Moment macht sie zu einem voll-
ständigen Novum, nämlich ihre unermeßliche Ausdehnung von Ost nach West.
Auf den älteren Erdkarten hatte man der westlichen Randzone nur einen verhältnis-
mäßig schmalen Streifen zugestanden, so daß der Schwerpunkt der ganzen Karte immer
noch mitten in China lag, wie es die kosmographischen Anschauungen der Chinesen er-
forderten. Nun war durch Chang Ch'iens Entdeckungen dieses Dogma über den Haufen
geworfen. Die Reise hatte ihm so ferne Länder erschlossen, daß er sie über einen Raum
von etwa 18000 li nach Westen hin verteilen mußte¹, während man bisher anscheinend
höchstens mit ein paar tausend li gerechnet hatte. Wenn wir beachten, daß man damals
die westöstliche Ausdehnung Chinas auf 9000 li festgesetzt hat, so ergab sich für die West-
länder ungefähr das Doppelte, so daß für die gesamte Erde die Länge von etwa 27—28000 li
herauskam. Dieses Zahlenergebnis erinnert an einen Satz im Shan-hai-ching, den wir schon
oben S. 174 als eine Interpolation der Han-Zeit ansprechen mußten:
Himmel und Erde messen von Osten nach Westen 28000 li, von Süden nach Norden 26000 li.
Hier sehen wir also die offenbar bei Chang Ch'ien gewonnenen Maße bestätigt.
Nicht nur nach Westen, sondern auch nach Norden und Süden ist das Erdbild gewachsen,
so daß die quadratische Urform so ziemlich gewahrt blieb.
Die plötzliche Vergrößerung des chinesischen Erdbildes um mehr als das Siebenfache
(von 100 Mill. li auf 728 Mill. li im Quadrat) war auch in anderer Beziehung von der größten
Tragweite. Vor allem rückte China aus seiner zentralen Lage heraus, und den Mittelpunkt
des neuen Erdvierecks mußte man jetzt irgendwo in den Westländern suchen. Es ist wohl
kaum ein Zufall, daß durch die Distanzen bei Chang Ch'ien der Mittelpunkt genau in das
erwähnte Nephritgebirge, das Quelland der großen Weltströme, trat. Während in alter
Zeit die kaiserliche Residenz als Mittelpunkt der Welt galt², so wurde es jetzt ein un-
bekanntes Gebirge südlich von Khotan. Aber seitdem es durch den Kaiser Wu den heiligen
Namen K'un-lun erhalten hatte, war seine zentrale Stellung gewissermaßen anerkannt.
Von nun an übernahm der K'un-lun die Rolle des altindischen Meru, ohne daß wir eine
direkte Entlehnung anzunehmen brauchen, wie es Conrady tut (s. oben S. 176).
Es ist sehr wahrscheinlich, daß diese Verschiebung des Erdbildes auch auf die Welt-
anschauung der Chinesen stark eingewirkt hat. Man mußte notgedrungen mit Ansichten
der alten Tradition brechen, wenn man sich den neuen Entdeckungen anpassen wollte.
Ebenso begreiflich ist es, daß sich von jetzt ab um den K'un-lun als Mittelpunkt der Welt
Legenden und Mythen bildeten. Erst in diesem Zusammenhange wird uns z. B. die Legende
klar, daß der Chou-König Mu auf seiner Reise zu Hsi-Wang-mu den K'un-lun bestiegen
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