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0251 Southern Tibet : vol.8
Southern Tibet : vol.8 / Page 251 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000263
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unsere Forscher meistens geglaubt, alle drei Namen bezögen sich wirklich auf ein und
dasselbe Land; so denkt Hirth in seinem »China and the Roman Orient« an Syrien,
indem er Li-chien auf den südlichsten Hafenplatz Rekem oder Petra, Ta Ch'in auf Syrien
oder Sur (für Tyrus)¹ und Fu-lin (alter Laut Pat-lim) auf Bethlehem² überträgt. Mögen
sich auch diese drei Verbindungen etymologisch begründen lassen, so sind sie doch metho-
disch verfehlt, weil hier ohne nähere Nachprüfung vorausgesetzt wird, daß Li-chien, Ta Ch'in
und Fu-lin nicht nur in der Vorstellung der Chinesen, sondern auch in der Wirklichkeit
zusammengehören. Eine solche unbegründete Annahme kann leicht zu Fehlschlüssen führen.
Positive Resultate dürfen wir nur erwarten, wenn wir jeden Namen allein für sich in seiner
Beziehung zur chinesischen Geographie untersuchen.
Was in diesem Falle Li-chien betrifft, so haben wir bereits gesehen, daß wir, je
nachdem wir uns an Chang Ch'ien oder an die älteren Han-Annalen halten, wahrscheinlich
zwischen Hyrkanien und Seleucia zu unterscheiden haben. Nur der Mangel an gesicherten
Angaben hat die Chinesen dazu verführt, beide Begriffe zusammenzuwerfen.
Ähnlich steht es mit den späteren Namen Ta Ch'in und Fu-lin, die wir an geeigneter
Stelle zu erörtern haben. Doch werden wir uns nur auf die Fragen beschränken, die für
die geographischen Vorstellungen der Chinesen von Bedeutung sind.³

c) Der Name Ta Ch'in und seine wirkliche Lage. Wie ein unglaubwürdiges
Märchen mag es den Chinesen zuerst geklungen haben, als sie am Ende des 1. Jahr-
hunderts unserer Zeitrechnung hörten, daß im fernsten Westen jenseits des Meeres ein
großes, mächtiges Volk wohne, das durch seine vollkommenen Staatseinrichtungen,
durch seinen glänzenden Reichtum an den wertvollsten und seltensten Produkten, vor
allem aber durch seinen ehrenhaften Charakter so hoch dastehe, daß es sich mit den
Bewohnern des Reiches der Mitte durchaus messen könne. Dies bedeutete den Bruch mit
der althergebrachten Auffassung, wonach China das einzige Kulturvolk sei, während rund-
herum wilde Barbarenstämme wohnten! Noch niemals zuvor haben die Chinesen fremden
Menschen ein solches Lob erteilt wie jenem fernen Westvolk:
Die Leute sind alle hochgewachsen und aufrichtig, gerade so wie die aus dem Reich der Mitte;
darum werden sie Ta Ch'in (Groß-Ts'in) genannt.
Dieser Satz, den wir aus späteren Han-Annalen wörtlich wiedergeben, ist nicht
nur psychologisch, sondern auch sprachlich von größtem Interesse. Wenn wir nämlich
beachten, daß das Ausland schon Jahrhunderte vorher die Chinesen als die Leute von Čin
oder Mahā-Cina (später Mācin, d. h. Groß-China) bezeichnet hat⁴, so will der Satz offenbar