National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
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| 0253 |
Southern Tibet : vol.8 |
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219
*Euphrat* bestanden hat. Es läßt sich darum niemals rechtfertigen, daß *Syrien* auf dem
*Seewege* mit *Parthien* und *Indien* Beziehungen gepflegt habe, wie es von *Ta Ch'in* aus-
gesagt wird.
Sind dann die chinesischen Angaben vielleicht auf *Ägypten* anwendbar? Hiergegen
spricht aber vor allem die Beschreibung des Landes selbst. Denn wenn uns als Haupt-
produkte Gold, Silber, Edelsteine, Drogen und vor allem *Weihrauch*¹ genannt werden, dann
ist sowohl *Syrien* wie auch *Ägypten*, ja der *gesamte Römische Orient* ausgeschlossen. Nur
ein einziges Land erfüllt diese Anforderungen, nämlich das *Glückliche Arabien*, in dem
früher die *Sabäer*, in jener Zeit aber die *Homeriten* (Himyaren) die führende Macht waren.
Wenn wir beachten, daß sein Haupthafen *Muza*, das heutige *el-Mokha*, am *Roten Meere*
und somit westlich vom offenen *Indischen Ozean* lag, dann verstehen wir auch, weshalb
die Chinesen sagen konnten, *Ta Ch'in* befande sich im *Westen des Meeres*.²
Schon seit Jahrhunderten waren die Südaraber das erste Seevolk am Indischen
Ozean³; so unterhielten sie bereits unter der *älteren Han-Dynastie* einen Seeverkehr bis
nach *Südchina* und brachten im Jahre 2 n. Chr. dem Usurpator WANG MANG ein Rhinozeros
als Tribut.⁴ Die damals beginnende Konkurrenz der römisch-ägyptischen Kauffahrer hat
ihnen ihre Seeherrschaft nicht streitig machen können. Auch eine militärische Expedition,
die der Kaiser Augustus im Jahre 26 v. Chr. ausgesandt hat, ist ergebnislos verlaufen. So
blieben denn die Südaraber die erste Handelsmacht Vorderasiens.⁵
Was die historischen Quellen betrifft, so waren wir, da die *Sabäer* selbst uns nur
Inschriften hinterlassen haben, bisher auf die einseitigen Berichte der *Griechen* und *Römer*
angewiesen. Jetzt sehen wir, daß jenes Handels- und Seevolk vielleicht noch viel besser
von chinesischer Seite beleuchtet worden ist.
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