National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books

> > > >
Color New!IIIF Color HighRes Gray HighRes PDF   Japanese English
0264 Southern Tibet : vol.8
Southern Tibet : vol.8 / Page 264 (Grayscale High Resolution Image)

New!Citation Information

doi: 10.20676/00000263
Citation Format: Chicago | APA | Harvard | IEEE

OCR Text

b) Die vier Regionen der Karte. Ein näheres Eingehen auf die einzelnen Regionen
der Westländer bestätigt, was wir über die Beschaffenheit dieser verschollenen Karte gesagt
haben. Es ist zunächst kein Zufall, daß die erste Region, die sich vom Ts'ung-ling (Pamir)
bis zum Fließenden Sand an der Nordwestgrenze Chinas ausdehnen soll, ausnahmslos die
ersten 18 Reiche des Pei-shih-Textes umfaßt, zumal dort über die beiden zuletzt genannten
Reiche Wu-sun und Su-lo ausdrücklich ihre Lage westlich zum Ts'ung-ling hervorgehoben
wird. Die meisten Namen sind lediglich Wiederholungen aus den Annalen der Han-
Dynastie, andere werden mit alten Namen desselben Annalenwerks identifiziert.² Unter
den Gebirgen ist der Tien-shan, der hier nur die Bogdo-ola-Gruppe zu bezeichnen scheint,
von den Han-Annalen her bekannt, während für die vergletscherten Ketten des Kwen-lun
südlich von Khotan zum erstenmal der Tung-li-shan (Eisgebirge) auftritt. Ob außerdem
das Nord- und das Südgebirge (Tien-shan und Kwen-lun) aus den Han-Annalen übernommen
sind, ist ungewiß. Aber der Tarim, der als angeblicher Oberlauf des Huang-ho im Pei-shih-
Text zum erstenmal diesen vollen Namen an Stelle der kurzen Bezeichnung Ho führt, wird
auf der Karte kaum gefehlt haben. Im großen und ganzen sehen wir also in der ersten
Region der Westländer die bekannten Teile Zentralasiens, vor allem Ostturkistans dargestellt.
Die zweite Region, die im Osten durch den Ts'ung-ling, im Westen durch einen
Meerbusen begrenzt sein soll, scheint sich nur an die Nordhälfte der ersten Region anzu-
schließen, um sich dafür um so weiter nach Westen auszudehnen. Im Pei-shih-Text umfaßt
sie die weiteren 18 Reiche; dazu kommen aber noch die hinter den Reichen der dritten
Region angeführten Länder An-hsi und T'iao-chih, da jenes ausdrücklich westlich vom
Ts'ung-ling, dieses noch weiter westlich an den erwähnten Meerbusen gesetzt wird. Beide
Reiche kennt unser Chronist anscheinend nur aus den Han-Annalen, andere glaubt er hier
unter ganz neuen Namen wiederzufinden; unter diesen gehören die Su-t'ê, die Nachkommen
der Yen-ts'ai (Aorsen)³, eigentlich in den äußersten Norden, selbst über das neue Volk der
Yüeh-pan hinaus; aber da ihr Nachbarland, das alte K'ang-chü, das spätere Chê-shê
(Tashkent), zu weit nach Süden in die dritte Region geschoben ist, darum werden zugleich
wohl auch die Su-t'ê auf der Karte nach Süden gewandert sein. Hierbei ist für die Auf-
fassung unseres Chronisten sehr bezeichnend, daß er aus der Han-Zeit bekannten
»großen See«, an dem die Yen-ts'ai = Su-t'ê wohnen sollen, jetzt nicht mehr wie seine
Vorgänger zu dem alten Nordmeer erweitern kann. Zahlreiche Ortsnamen nennen uns die
wichtigsten Städte Sogdianas⁴, der Name Po-chih führt uns nach Balkh, Hu-ssü-mi nach
Khwarizm, Po-ssü mit Su-li nach Persien mit Seleucia. Im wesentlichen stellt uns also
die zweite Region Westturkistan und Persien dar.
Für die dritte Region, die sich im Osten offenbar an die Südhälfte der ersten, im
Norden an die zweite Region anschließt, vermag der Chronist keine natürlichen Grenzen
anzugeben; darum bestimmt er ihre Ausdehnung durch die Reiche im äußersten Norden
und Süden, nämlich durch Chê-shê und die Ta Yüeh-chih. Im Text stellt er sie zusammen
mit den fünf Yabghu-Provinzen der Yüeh-chih, wie sie mit den in den Han-Annalen
aufgezählten fünf Yabghu-Provinzen einzeln identifiziert. Ob er dabei jedesmal das Richtige
trifft, ist zweifelhaft, wenn man in Betracht zieht, daß vier Jahrhunderte dazwischen liegen,