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0278 Southern Tibet : vol.8
Southern Tibet : vol.8 / Page 278 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000263
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führt. Solche Angaben können niemals aus der unmittelbaren Beobachtung entnommen
sein. Ebenso können auch die detaillierten Beschreibungen über den Lauf des Ganges und
des Indus nur auf besonderen Konstruktionen beruhen.

Schon chinesische Gelehrte haben den Versuch gemacht, nach dem überlieferten
Text das ursprüngliche Kartenbild wiederherzustellen. So hat Hu Wei 胡 渭, einer der
größten Geographen unter den ersten Mandschu-Kaisern (1633—1714 n. Chr.), in seinen
»Studien über das Yü-kung«¹, eine besondere Karte über die »Quellen des Ho in den
Westländern« 西 域 河 源 圖² herausgegeben (1701 n. Chr.). Diese Karte, vielleicht nach
einer älteren Vorlage gezeichnet, ist in ein Quadratnetz mit Abständen von je 500 li ein-
geteilt; von einigen Ausnahmen abgesehen folgt die Darstellung des Tarim den Angaben,
wie sie durch das Shui-ching-chu vorgeschrieben sind. Da aber die Zeichnung des Ganges
und des Indus fehlt, gewinnen wir über das Ganze kein klares Bild.

Eine vollständige Darstellung gibt uns Wang Mei-ts'un 汪 梅 村 in seinem Shui-
ching-chu-t'u betitelten Atlas zum Wasserklassiker (1840). Dort vereinigt die »verkleinerte
Zeichnung des Ho im türkischen Grenzgebiet (Ostturkistan)« alle geographischen Angaben,
welche die Textvorlage bietet (vgl. Pl. VIa). Aber Wang Mei-ts'un geht darin insofern
wieder zu weit, als er sich nicht auf die von Li Tao-yüan bezeugten Namen beschränkt,
sondern in Verbindung mit ihnen auch Namen jüngerer Kommentare aufnimmt. Das kann
bei dem Leser falsche Vorstellungen erwecken.³

Der Hauptmangel in der Karte des Wang Mei-ts'un besteht aber darin, daß er sich
gerade an den kritischen Stellen von dem Kartenbild seines eigenen Zeitalters hat leiten
lassen, anstatt sich wörtlich an den alten Text zu halten. Die Zeichnung der Quellflüsse
des Tarim, des Oxus und seines Nebenflusses, sowie die Gleichstellung des Lei-chu-Meeres
mit dem Aralsee (Salzsee) und des Westmeeres mit dem Kaspischen Meer (Tengis omo)
erinnern so deutlich an eine ältere Mandschu-Karte⁴, daß es ohne weiteres fraglich wird,
ob sich derartige Darstellungen mit dem Wortlaut der Textvorlage vertragen. Denn es
kommt ja darauf an, nur die Ansichten des alten Kommentators Li Tao-yüan kartographisch
niederzulegen, ganz gleich, ob sie richtig sind oder nicht.