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0279 Southern Tibet : vol.8
Southern Tibet : vol.8 / Page 279 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000263
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243

In der Tat hat Wang Mei-ts'un durch die Übernahme des modernen Kartenbildes
das alte in seinen Grundzügen verzerrt. Wenn wir nämlich den Text des Li Tao-yüan ver-
folgen, so liegt nicht der geringste Anlaß vor, den Lauf des Oxus nach Norden herumzu-
führen und ihn in einem Binnensee münden zu lassen, mag es auch in Wirklichkeit der
Aralsee sein. Li Tao-yüan hat unter dem Lei-chu-Meer eher einen Teil des Westmeeres
verstanden, das Wang Mei-ts'un fälschlich auf das Kaspische Meer überträgt; vielleicht
dürfen wir an jenen Meerbusen denken, den man seinerzeit zwischen T'iao-chih und dem
fernsten Westlande Ta Ch'in konstruiert hat (s. oben S. 223f.).

Aber noch viel schwerer wiegt der Fehler, den Wang Mei-ts'un in der Verlegung
des K'un-lun begangen hat, der als Anavatapta-Gebirge zugleich das Zentrum der
buddhistischen Weltinsel darstellen soll. Auf seiner Karte setzt er ihn südlich vom Ts'ung-
ling, wobei er an die Berge Westtibets gedacht haben mag; nicht nur die Flüsse Indiens,
sondern auch ein besonderer Quellfluß des Tarim soll dort seine Quelle haben. Eine solche
Zeichnung entspricht wohl den Angaben einer Mandschu-Karte, dem Wortlaut des Shui-
ching-chu aber nicht. Denn hier ist nirgends davon die Rede, daß ein Quellfluß des Tarim
im K'un-lun seinen Ursprung habe. Dies gilt vielmehr, wie wir sahen, von einem seiner
Nebenflüsse, nämlich dem Chü-mo-Fluß (Cherchen-darya), der eben wegen seiner Herkunft
Anavatapta-Fluß genannt wird. Und da es von ihm heißt, er fließe dem Ho (Tarim) in
nordwestlicher Richtung zu, so kommt mit seiner Quelle der K'un-lun genau südlich vom
P'u-ch'ang-Meer, dem heutigen Lop-nor, zu liegen. Um den Fehler des Wang Mei-ts'un
zu berichtigen, haben wir also den K'un-lun eine weite Strecke nach Osten zu setzen und
mit ihm auch die Flüsse Indiens.

Damit wird zugleich ein anderer Fehler richtig gestellt. Wang Mei-ts'un verlegt
die Quelle des Ni-lo-ch'i-ti in die Gegenden nördlich des Ts'ung-ling, nach Li Tao-yüan
muß sie aber im K'un-lun liegen. Es ist dann auch ohne weiteres klar, wenn es im
Urtexte heißt, der Ni-lo-ch'i-ti fließe westlich an Yü-t'ien (Khotan) vorbei, um sich süd-
lich von An-hsi (Parthien) mit dem Wei (Oxus) zu verbinden.¹ Er hat also nicht, wie
Wang Mei-ts'un glaubt, als ein rechter, sondern als ein linker Nebenfluß des Wei zu gelten.
Ja, er ist eigentlich der Hauptfluß; denn während die Quelle des Wei nicht weit östlich
im Ts'ung-ling liegen soll, kommt der Ni-lo-ch'i-ti angeblich weit von Osten her, indem
er zunächst dieselbe lange Strecke durchmißt wie der in entgegengesetzter Richtung
fließende Ho (Tarim).²

Wenn wir den K'un-lun südlich vom Lop-nor ansetzen, dann werden wir auch den
letzten hierher gehörigen Angabe des Shui-ching-chu gerecht, wonach der Ho nach seinem
unterirdischen Lauf im Chi-shih am K'un-lun wieder hervorkomme. Jetzt erst erfüllt der
K'un-lun alle die Bedingungen, die wir nach dem Urtext S. 241 aufgezählt haben.

d) Wiederherstellung der alten Karte. Nach solchen Grundsätzen haben wir
zu verfahren, wenn wir die betreffende Karte des Shui-ching-chu rekonstruieren wollen,
wie es auf Pl. VI b versucht ist.³ Diese Karte hält sich auch in den Einzelheiten, auf die