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| 0286 |
Southern Tibet : vol.8 |
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von der indisch-buddhistischen beeinflußt worden ist.¹ Wir können uns hier nur auf die
wesentlichsten Erscheinungen beschränken, die sich weiter in der chinesischen Kartographie
bemerkbar gemacht haben.
Was zunächst die Anschauung der älteren Zeit betrifft, wonach der Meru die Mitte
der Erde einnimmt, so ist eine Einwirkung dieser Idee in der chinesischen Literatur bisher
nicht nachzuweisen. Wenn im Jahre 105 v. Chr. durch das Machtwort des Kaisers Wu
der K'un-lun zum erstenmal in das Zentrum der chinesischen Erdkarte getreten ist, so
lagen hier Mißverständnisse vor, die mit buddhistischen Einflüssen nicht zusammengebracht
werden dürfen. Darüber ist bereits S. 176 und 213 f. die Rede gewesen.
Jedenfalls gibt sich in den ältesten uns bekannten Sutras des chinesischen Tripiṭaka
bereits die jüngere Anschauung kund, welche Meru und Jambūdvīpa gänzlich voneinander
losgelöst hat. Es handelt sich besonders um zwei Sutras aus dem 2. Jahrhundert und dem
Jahre 303 n. Chr.; sie kennen bereits den Anavatapta-See als den Ursprung der großen
Ströme und als Zentralberg den K'un-lun, ohne ihn jedoch zum altindischen Meru in
Beziehung zu setzen.²
Aber erst als im Jahre 347 n. Chr. der Priester TAO-AN 道安 für seine chinesischen
Landsleute den ersten buddhistischen Katalog herausgab, scheint die Möglichkeit bestanden
zu haben, buddhistische Ideen auf das altchinesische Erdbild zu übertragen. Wir dürfen
vermuten, daß hiermit TAO-AN selbst den Anfang gemacht hat; auf ihn werden nämlich
zwei geographische Werke zurückgeführt³: Beschreibung der Westländer (Hsi-yü-chih) in
einem Buch, sowie eine Beschreibung der Quellen aller Flußläufe 四海百川水源記.
Offenbar lehnt sich besonders das zweite Werk an buddhistische Vorstellungen an, indem es
den Anavatapta-See als die Quelle der Hauptströme betrachtet. In diesem Falle liegt die An-
nahme nahe, daß der Text in Verbindung mit einer schematischen Kartenskizze entstanden ist.
Ganz etwas Neues war für die Chinesen die Idee, die im Jahre 392 n. Chr. der Priester
KĀLODAKA in ihre Geographie einzuführen suchte. In seiner Einteilung von Jambūdvīpa unter-
scheidet er nicht die Begriffe Hsi-yü und Reich der Mitte, sondern vier auf gleicher Stufe
stehende Länder, die von je einem Himmelssohne beherrscht werden. So sagt er in einer Sūtra⁴:
Im Osten (von Jambūdvīpa) ist der Himmelssohn von Chin (der im Jahre 392 n. Chr. residie-
renden chinesischen Dynastie); sein Volk ist sehr glücklich. Im Süden ist der Himmelssohn des Reiches
T'ien-chu (Indien); sein Land bringt viele berühmte Elefanten hervor. Im Westen ist der Himmelssohn
von Ta Ch'in (Arabia felix); sein Land ist reich an Gold, Silber und Edelsteinen. Im Nordwesten ist
der Himmelssohn der Yüeh-chih (Tocharer in Baktrien); sein Land bringt viele ausgezeichnete Pferde hervor.
So sehr diese Einteilung mit der alten Vorstellung über die bevorzugte Stellung
Chinas im Widerspruch stand, nach ihrer geographischen Seite war sie doch ganz an den
chinesischen Gesichtskreis gebunden. Sonst lehnt sie sich offenbar an dieselbe Einteilung
an, die sich im Jahre 404 der Pilger CHIH-MENG von einem Arhat erklären ließ, der mit
andern Gesinnungsgenossen immer wieder zwischen Kashmir und dem Anavatapta-See hin
und her wanderte.⁵
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