National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books

> > > >
Color New!IIIF Color HighRes Gray HighRes PDF   Japanese English
0328 Southern Tibet : vol.8
Southern Tibet : vol.8 / Page 328 (Grayscale High Resolution Image)

New!Citation Information

doi: 10.20676/00000263
Citation Format: Chicago | APA | Harvard | IEEE

OCR Text

Trotz mancher großer Mängel im Inhalt offenbart sich hier eine bedeutende karto-
graphische Leistung; es ist dabei zu beachten, daß die Jesuiten in China zum erstenmal
Karten verbreiteten, welche die Erde als Kugel darstellten, während bisher stets die quadra-
tische Scheibe zugrunde gelegt war. Damit mußte sich in der chinesischen Kartographie
eine große Umwälzung vorbereiten.

Aber wir dürfen den Einfluß dieser Jesuitenkarten nicht überschätzen; er wird vor-
läufig nur ein vorübergehender gewesen sein, ohne sonderliche Wirkung auf die chinesische
Karte; Beispiele sind hierfür wenigstens nicht nachweisbar. Die Abneigung des Konfuzia-
nismus gegen alles Ausländische war damals so allgemein, daß auch europäische Karten
selbst in chinesischer Bearbeitung nicht festen Fuß fassen konnten.¹

4. BUDDHISTISCHE KARTEN.

a) Allgemeines. Während in amtlichen Kreisen die Geographie der Westländer
vernachlässigt wurde, versenkte man sich in buddhistischen Klöstern mit besonderer Liebe
in die Beschreibungen der alten Pilgerfahrten nach Indien. Namentlich die Verehrung für
die großen Reisenden Hsüan-chuang und I-ching führte dazu, nach ihren Darstellungen
Karten über die westlichen Länder oder sogar über die ganze Erde herzustellen, natürlich
ganz in der naiven Weise, wie sich ein chinesischer Buddhist in seiner einsamen Kloster-
zelle die Welt vorstellte. Unter diesem Gesichtspunkt lassen sich diese buddhistischen
Zeichnungen mit den Weltkarten des christlichen Mittelalters vergleichen.

b) Karten aus dem Tôkyôer Tripiṭaka. Von den beiden großen buddhistischen
Kanons der Japaner enthält das Tôkyôer Tripiṭaka innerhalb der Enzyklopädie Fo-tsu-t'ung-chi
佛 祖 統 紀 eine Reihe von chinesischen Karten und Diagrammen, die uns schon ein klares
Bild von dem beschränkten Gesichtskreis eines chinesischen Buddhisten geben.

Von diesen Darstellungen legen wir zunächst eine Übersetzung in Pl. IX vor. Hier
sehen wir das Schema des buddhistischen Weltsystems mit der Ansicht von oben.² Zugrunde
gelegt ist offenbar das Ta-T'ang-Hsi-yü-chi³, wonach die Mitte der Weltberg Sumeru (Meru)
einnimmt, während sich ringsherum neun besonders benannte Bergketten und neun Meere
ausdehnen, darüber hinaus die Salzflut mit den vier Dvīpas (Inseln), wovon die südliche
Insel Jambudvīpa unsere Erde darstellen soll.

Die nächsten Karten (Pl. X, XI) sind zwischen den Jahren 1269 und 1271 von dem
Priester Chih-p'an 志 磐 gezeichnet worden⁴ und gehören somit zu den ältesten erhaltenen
Denkmälern der chinesischen Kartographie. Im Han-Hsi-yü-chu-kuo-t'u versucht Chih-p'an