National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books

> > > >
Color New!IIIF Color HighRes Gray HighRes PDF   Japanese English
0337 Southern Tibet : vol.8
Southern Tibet : vol.8 / Page 337 (Grayscale High Resolution Image)

New!Citation Information

doi: 10.20676/00000263
Citation Format: Chicago | APA | Harvard | IEEE

OCR Text

285

gegeben worden ist, enthält eine merkwürdige »Karte der Westländer«, die in gewissem
Sinne als eine buddhistische Karte angesprochen werden darf (vgl. Pl. XIII).

Was von China selbst und den nächsten Grenzgebieten, besonders nach Tibet zu,
dargestellt ist, erinnert allerdings an Karten der Ming-Dynastie¹; ebenso gehören hierher
die Namen Wu-la (Oiraten), T'u-lu-fan (Turfan), I-li-pa-li (Ili-balik), Sa-ma-ěrh-han (Samar-
kand) und Ha-lieh (Hari, Herat), sowie die nördliche Begrenzung der Karte durch eine
Sandwüste. Aber in den eigentlichen Westländern erkennen wir sonst überall die ent-
sprechenden Angaben des Pilgers Hsüan-chuang wieder. Ältere buddhistische Karten wird
der Verfasser wohl kaum herangezogen haben; denn die Verteilung der einzelnen Ortsnamen
ist oft so willkürlich, daß sie nur aus einer direkten Benutzung des Urtextes zu erklären ist.

Indien wird auf der Karte nur nebensächlich behandelt; daher kommt es, daß die
vier Weltströme ganz fortgelassen sind und der Wu-jo-ch'ih (Anavatapta-See) seine zentrale
Stellung einbüßt und dadurch eine ganz isolierte Lage erhält. Um so deutlicher tritt der
Drachensee hervor als gemeinsamer Ursprung des Oxus und des Tarim; während dieser
in das P'u-ch'ang-Meer (Lop-nor) geführt wird, werden wir über die Ausmündung des
Oxus ganz im Zweifel gelassen, weil die begrenzenden Meere auf der Karte fehlen.

Über die orographischen Verhältnisse ist der Verfasser völlig im unklaren geblieben.
Er weiß nichts von der Umrahmung Ostturkistans durch hohe Gebirge, die Ebenen Indiens
füllt er ebenso mit Bergen an wie die Hochländer Tibets, den höchsten Punkt des Ts'ung-
ling setzt er nicht in die Gegend des Drachensees, sondern östlich vom Anavatapta-See.
Und wenn wir noch dazu beachten, wie willkürlich er oft die Ortsnamen verteilt hat, dann
kann unser Urteil nur dahin lauten, daß diese Zeichnung zu den schwächsten Leistungen
der chinesischen Kartographie gehört.

e) Eine Karte aus dem japanischen San-ts'ai-t'u-hui. Dem Zeitalter der Ming-
Dynastie gehört auch eine andere buddhistische Karte an, die uns erst seit 1710 durch
japanische Ausgaben bekannt ist.³ Am verbreitetsten ist die Darstellung, die uns in dem
japanischen San-ts'ai-t'u-hui vom Jahre 1714 vorliegt⁴; obgleich wir die Karte schon durch