National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0357 |
Southern Tibet : vol.8 |
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Tributgesandtschaft vom Jahre 1760 flüchtig unterrichtet. Als Nachbarland von Kundustān =
Hindustan war es zu weit nach Südwesten geraten; ihm folgte ganz Westtibet, so daß
beispielsweise Ladak um 3° zu weit nach Westen und Süden verschoben wurde und der
Oberlauf des Indus, der sogenannte Lachu, an Stelle der nordwestlichen eine westliche
Richtung erhielt. Alles dies führte schließlich dazu, daß sich auf der Karte Rudok, Ladak
und Balti nicht, wie man erwarten müßte, direkt an die Südgrenze von Khotan, Yarkand,
Sarigh-kol und Kanjut anschließen, sondern ein leeres Nichts von vier Breitengraden
dazwischen lassen.¹
Auf diese Weise hat der chinesische Kartograph den Raum, den in Wirklichkeit
das Kara-korum-Gebirge einnimmt, unbewußt um über 400 km auseinandergezogen und
seine Landsleute davon abgehalten, auf dem Wege über den Kara-korum-Paß eine poli-
tische Verbindung mit Westtibet herzustellen. Und in der Tat weiß die Geschichte niemals
zu berichten, daß die chinesischen Kaiser den Versuch gemacht hätten, diese westlichste
tibetische Provinz Ngari von Norden aus in Abhängigkeit zu halten.
4. DIE KARTE VON 1863.
a) Allgemeines. Erst über hundert Jahre später erschien eine Mandschu-Karte,
in der zur Darstellung der westlichen Gebiete neues Material verarbeitet war. Sie führt
den Titel Ta-Ching-i-t'ung-yü-t'u, ist aber nach dem Erscheinungsort besser als Wutschang-
Karte bekannt.² Auf der Titelseite steht, daß die Holzblöcke, von denen die Folioblätter
abgezogen, im 2. Jahr des Kaisers T'ung-chih, d. i. 1863, in Wutschang, der Hauptstadt
der Provinz Hupéi, geschnitten und im Besitz der Statthalterei seien; auf diese Weise ist
das umfangreiche Kartenwerk durch mehrere Exemplare weiteren Kreisen zugänglich ge-
macht worden.
Aus den drei Vorreden ergibt sich, daß wir in der Wutschang-Karte ein von den
Gouverneuren der Provinzen Hupéi und Hukwang veranstaltetes amtliches Kartenwerk vor
uns haben, als dessen Grundlage die Reichskarten von Khanghi und Khienlung anzusehen
sind; es werden dann sechs Gelehrte genannt, die hieran mitgearbeitet haben sollen. Auf
die Einleitung, deren Verfasser nicht genannt wird, folgen drei Karten, nämlich ein Über-
sichtsblatt über das ganze Kartenwerk und zwei ziemlich rohe Planigloben der östlichen
und westlichen Halbkugel. Während diese beiden Karten zweifellos nach europäischen
Quellen gearbeitet sind, beruht das Übersichtsblatt lediglich auf dem Material der chine-
sischen Reichskarte; daher beschränkt es sich hier nur auf Asien ohne den äußersten
Süden und auf den Osten und Südosten Europas bis zur Ostsee. Wie die älteren Vor-
bilder enthält es gar kein Gradnetz, sondern die seit P'ei Hsiu (267 n. Chr.) übliche
Quadrierung, wobei jedes Quadrat einen Raum von 400 li Seitenlänge bedeuten soll.
An die drei Karten schließt sich noch ein Nachwort an; es datiert vom Dezember 1863
und gibt unter anderm die ausführliche Erläuterung der zahlreichen Signaturen der Karte.
Das eigentliche Kartenwerk hat ebenso wie die älteren Ausgaben den Maßstab von
1 : 1 000 000. Es ist in einfarbigem schwarzen Holzschnitt gedruckt, und zwar in 32 ein-
zelnen Abteilungen von verschiedener Stärke, die im Format unseres Großoktav jedesmal
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