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0362 Southern Tibet : vol.8
Southern Tibet : vol.8 / Page 362 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000263
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302

Aus diesen Werten läßt sich der Maßstab der Karte feststellen. Denn da in den
Provinzkarten die Seitenlänge eines Quadrats 100 li, in den Bezirkskarten die Seitenlänge
50 li entsprechen soll, so kommen auf den Breitengrad 200 li = 38 cm; und wenn wir dann
für einen Grad 111 km einsetzen, so ergeben sich folgende Maßstäbe:

Provinzkarten 1 : 2 920 000, also fast 1 : 3 000 000.
Bezirkskarten 1 : 1 460 000, also fast 1 : 1 500 000.

Demnach ist in den Spezialkarten der Maßstab nahezu um ¼ kleiner als in den
älteren Reichskarten. Aber besonders aus der äußerst kleinen, fast unleserlichen Schrift
können wir entnehmen, daß im Original, aus dem die einzelnen Spezialkarten gewisser-
maßen herausgeschnitten sind, der Maßstab erheblich größer gewesen sein muß. Zum
Glück sind uns zwei Parallelkarten bekannt, die, wie ihr Inhalt beweist, auf dieselbe Quelle
zurückgehen: eine chinesische Karte der Provinz Kansu¹ und eine osttürkische Karte des
Fürstentums Turfan-Lukchun (s. Pl. XXIII); beide sind im Maßstab 1 : 1 000 000 gezeichnet.
Es ist daher kein Zweifel, daß auch ihre gemeinsame Vorlage denselben Einheitsmaßstab
gehabt hat.

In der Zeichnung des Karteninhalts lehnt sich die vorliegende Ausgabe von 1899
an ihre Vorgängerinnen an. Jedoch läßt sie zweierlei vermissen, die Eintragung der Orts-
zeichen und der Wegelinien. So bedauerlich dieser Mangel vom wissenschaftlichen Stand-
punkte ist, läßt er sich doch gewissermaßen damit entschuldigen, daß im anderen Falle
die Karte kaum mehr zu lesen wäre; denn die Ortsnamen, die zugleich die ungefähre Lage
der betreffenden Orte angeben sollen, treten oft in einer solchen Fülle auf, daß für Orts-
zeichen und Wegelinien kaum ein Plätzchen mehr übrigbleibt. Nur die Provinz-, Bezirks-
oder Kreishauptstädte sowie die Wachstationen sind auf den Karten mit ihrer entsprechen-
den Signatur versehen. Daraus dürfen wir aber nicht etwa schließen, daß die anderen
Ortsnamen aufs Geratewohl willkürlich eingetragen sind; denn die beiden erwähnten Parallel-
karten bringen alle Wegelinien und Ortszeichen und liefern uns damit den Beweis, daß
diese Signaturen erst nachträglich bei der Verkleinerung des Maßstabes der Reichskarte
fortgelassen sind.

Der Text, der in einem jeden Buch auf die Kartenblätter folgt, beschränkt sich auf
Angaben über den Hauptort des betreffenden Landes und seine Entfernung von Peking, über
zugehörige Volksstämme, über die Hydrographie und die Grenzen des Landes; besonders
bei der Aufzählung und Beschreibung der einzelnen Flüsse zeigt es sich deutlich, daß alle
diese Angaben lediglich aus den zugehörigen Kartenblättern abgelesen sind; nur in ganz
wenigen Fällen bringt der Text ergänzende Notizen.

Darum haben wir unsere Aufmerksamkeit nunmehr den einzelnen Karten selbst zu-
zuwenden; sie vereinigen in der Tat im höchsten Grade die Vorzüge und Mängel, die
der chinesischen Kartographie eigen sind. Die historische Bedeutung dieser Ausgabe von
1899 beruht besonders darin, daß hier der Chinese zum letzten Male den Vesuch gemacht
hat, einzig und allein auf den Werken seiner Ahnen einen neuen Bau zu errichten. Aller-
dings kann er es nicht verheimlichen, daß die neue Kartenprojektion den Europäern zu
verdanken ist; um so zäher sucht er dafür an den herkömmlichen Formen des Karteninhalts
festzuhalten, indem er sich hier von jedem europäischen Einfluß fernhält.