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0369 Southern Tibet : vol.8
南チベット : vol.8
Southern Tibet : vol.8 / 369 ページ(白黒高解像度画像)

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doi: 10.20676/00000263
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OCR読み取り結果

ergibt sich, daß nicht wie früher eine alle Bezirke umfassende Landesaufnahme statt-
gefunden hat; vielmehr hat jeder Bezirk zunächst seine eigne Karte erhalten, und erst
hinterher sind die Einzelkarten zu einer Einheit zusammengefaßt worden. Daher kommt
es, daß einige Bezirkskarten sorgfältiger, andere ungenauer ausgefallen sind; besonders
klar tritt diese Ungleichheit diesseits und jenseits der Bezirksgrenzen zutage, so daß hier
ein und derselbe Ort zuweilen zweimal auftritt.¹

Es wird nicht immer leicht gewesen sein, die verschiedenartigen Einzelheiten hinterher
richtig aneinanderzupassen: daher sah man sich wohl manchmal genötigt, Himmelsrichtungen
zu verlegen oder an einer Stelle Entfernungen zu strecken, an anderer sie zu kürzen, was
nicht immer der Wahrheitstreue dienen konnte.²

Vor allem beging man in der Kartenprojektion einen methodischen Fehler, durch
den das gesamte Kartenbild entstellt wurde: man fügte nämlich die Einzelkarten nicht in
das Gradnetz mit krummlinigen Parallelkreisen ein, das man, wie wir sahen (Pl. XVI), zur
Darstellung des gesamten Chinesischen Reichs gewählt hatte, sondern man hielt sich an die
bisher angewandte Sanson-Flamsteedsche Projektion, in der die Meridiane nach Westen zu
immer schräger fallen. Da auf den Teilkarten nur das altchinesische Quadratnetz aus-
gezogen ist, sieht es auf den ersten Blick so aus, als wenn die senkrechten Linien die
Nordsüdrichtung bezeichnen sollen; in Wirklichkeit aber haben sie eine mittlere Neigung
von Nordnordwest nach Südsüdost.³ Als Gradlinien kommen nur die wagerechten Linien
in Frage, die somit die Richtung von West nach Ost angeben. Solche Gesichtspunkte sind
wohl zu beachten, wenn wir unsern europäischen Maßstab an diese chinesische Karte legen.

Was das Alter des für Hsin-chiang vorliegenden Kartenmaterials betrifft, so dürfen
wir uns von dem Erscheinungsjahr 1899 nicht allzu weit entfernen. In der Zeit, in der die
Wutschang-Karte hergestellt wurde, war die Provinz in den Händen von türkischen Khojas,
die als Nachfolger des großen Propheten einen Religionskrieg entfacht hatten; 1864—1877
war Ostturkistan in den Händen des tatkräftigen Emporkömmlings Ya'kub Bek. Erst 1878
waren die Chinesen wieder Herren des Landes, jedoch ohne den Bezirk Ili, der ihnen vier
Jahre später von den Russen zurückgegeben wurde und 1885 seine Verwaltung erhielt.⁴
Da Ili im Kartenwerk besonders dargestellt wird, so erhalten wir als terminus post quem
das Jahr 1885. Anderseits muß das Ereignis vor dem Jahre 1891 liegen; denn das damals
gegründete Hsin-ch'eng (Neustadt), auch Dural genannt, am Konchi-darya im Bezirk Kara-
shahr⁵, ist dem sonst über diese Gegenden genau unterrichteten Kartenwerk noch unbekannt.
Auch weiß die Karte nichts von der Unterwerfung der westlichen Grenzlandschaft Kanjut,
die ebenfalls im Jahre 1891 erfolgt ist. Für den Fall, daß an alle Beamte gleichzeitig der
Befehl ergangen ist, für jeden Bezirk eine besondere Karte herzustellen, kann diese Auf-
gabe also nur zwischen den Jahren 1885 und 1891 erledigt worden sein. Aus der Betrach-
tung des Lop-nor wird sich S. 312 ergeben, daß das Jahr 1885 das wahrscheinlichste ist.