National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0498 |
Southern Tibet : vol.8 |
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OCR Text
dazu ist er bedeutend in die Länge gezogen. Der größte Unterschied besteht jedoch darin,
daß seine nordwestlichen Zuflüsse in Ausflüsse verwandelt sind, so daß er jetzt zum Quellsee
mehrerer Flüsse wird, während der *Rang-köl*, der *Oxus* und seine Nebenflüsse ganz fort-
gelassen sind. Dadurch gewinnt der *Kleine Kara-köl* für das gesamte Pamirgebiet eine so
beherrschende Stellung, wie sie ihm tatsächlich gar nicht zukommt. Schuld daran ist die
irrtümliche Voraussetzung, daß der *Kara-köl* dem alten *Drachensee* entspreche, dem der
große Pilger Hsüan-chuang dieselbe hydrographische Stellung zugeschrieben hat.¹
Erst wenn wir diesen falschen Gesichtspunkt des chinesischen Verfassers in Betracht
ziehen, wird es uns verständlich, weshalb er gerade im *Kara-köl* die beiden Itinerare sich
vereinigen läßt. Für das erste Itinerar, das von *Kashgar* bis zum *Kara-köl* reicht, gewinnen
wir sowohl aus der Karte wie auch aus dem Text folgende Stationen:
Kashgar—Tashbalik—²Ilguchu—Kuruk²—Gez-jilgha³—Chakar-aghil—Kara-köl.
Die meisten Ortsnamen sind uns von europäischer Seite bekannt; sie beziehen sich
auf die Route durch das *Gez*-Tal bis zum *Kleinen Kara-köl*. Die im Text hinzugefügten
Distanzen sind für das Itinerar wertlos, da sie, wie es scheint, schematisch aus der Karte
abgelesen sind.
Was das zweite Itinerar betrifft, so beginnt es auf der chinesischen Karte bereits
am östlichen Ausfluß aus dem *Kara-köl*, zieht sich an seiner Nordseite bis zu den west-
lichen Ausflüssen hin und setzt sich in westlicher Richtung 250 *li* fort. Daß diese Dar-
stellung mit den wirklichen Verhältnissen im Widerspruch steht, haben wir bereits bei der
Betrachtung der entsprechenden Mandschu-Karte gesehen (S. 300). Denn aus einem
Vergleich mit europäischen Routenaufnahmen ergibt sich⁴, daß das Itinerar nicht am
*Kleinen Kara-köl*, sondern weiter südwestlich, und zwar jenseits des *Aksu*-Flusses zu
beginnen hat.⁵
Wenn auch die Namen einiger Stationen nicht festzustellen sind, dürfte doch daran
kein Zweifel bestehen, daß wir es mit der Route *Ak-su*—*Shor-bulak-Paß*—*Naïza-tash-Paß*—
*Gunt-dara*—*Oxus* zu tun haben; dies beweisen auch die im chinesischen Text hinzugefügten
Entfernungsangaben, die sicherlich direkt aus dem Itinerar entlehnt sein müssen, da sie
auf der entsprechenden Karte gar keinen Sinn haben.
So dürfen wir denn in dem zweiten Itinerar folgende Stationen mit ihren gegenseitigen
Entfernungen wiedererkennen:
1. Shor-bulak(-Paß)
2. Naïza-tash(-Paß) . . . . . . . 130 *li* W.
3. Chadir-tash . . . . . . . . 110 *li* W.
4. Su-bashi . . . . . . . . . 110 *li* W.
5. Gujer-Gumbaz . . . . . . . . 80 *li* W.
6. Yeshil-köl . . . . . . . . . 120 *li* W.
7. Marjanai . . . . . . . . . 60 *li* W.
8. Bugrumal . . . . . . . . . 100 *li* W.
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