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0500 Southern Tibet : vol.8
Southern Tibet : vol.8 / Page 500 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000263
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Karten des Mandschu-Zeitalters. Besonders das Hai-kuo-t'u-chih 海 國 圖 志, eine Be-
schreibung der fremden Länder, beweist, daß man jetzt den Namen Westländer nicht bloß
in dem bisher üblichen Sinne auffaßte, sondern ihn sogar weit darüber hinaus bis zum
Atlantischen Ozean ausdehnte.

Der Verfasser, namens Wei Yüan 魏 源 aus Shao-yang in Hunan († 1856), war nicht
nur ein gelehrter Historiker, sondern auch ein tüchtiger Ingenieur. Das von ihm 1849
herausgegebene Hai-kuo-t'u-chih enthält allein die Westländer vier historische Karten
mit Identifizierung der alten Namen¹; die Karten beziehen sich auf bestimmte Zeitalter:

1) Das Zeitalter der beiden Han-Dynastien (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.).
2) Das Zeitalter der Wei-Dynastie (386—550 n. Chr.).
3) Das Zeitalter der Yüan(Mongolen)-Dynastie (1280—1368 n. Chr.).
4) Dasselbe Zeitalter nach dem Ching-shih-ta-tien (Hsi-pei-pi-ti-li-t'u, s. oben S. 278).

b) Die Karte der Westländer unter der Han-Dynastie. In welcher Weise der
Verfasser die Westländer aufgefaßt hat, möge seine erste Karte zeigen, die dem Zeitalter
der Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) gewidmet ist (Pl. XXII).

Hierzu hat er als Unterlage eine zeitgenössische Karte benutzt; denn während im
Osten das Chia-yü-kuan, das gegenwärtige Tor der Großen Mauer, und das Sternenmeer
eingezeichnet sind, treten im fernen Westen zum erstenmal, wenn auch stark verzerrt, die
Umrisse von Arabien, Afrika und Europa auf. Ein bestimmter Maßstab wird nirgends
eingehalten; je mehr Einzelheiten von einem Lande bekannt sind, desto größer ist es
gezeichnet; keins erscheint so groß wie das Gebiet des Tarim und Lop-nor.

Sehr merkwürdig ist die Zeichnung des Kara-köl; in Wirklichkeit ein kleiner Bergsee
im östlichen Pamir, macht er auf der Karte den Eindruck, als sei er der größte Quellsee
der Erde, was an die gleiche Auffassung im Hsi-yü-shui-tao-chi erinnert (s. oben S. 390f.).
Hier hat vor allem die Gleichsetzung mit dem Anavatapta-See der buddhistischen Karten
beigetragen. Daher kommt es, daß aus diesem Zentralsee dieselben vier Ströme entquellen
sollen: nach Osten der K'un-lun-Fluß oder nördlicher Ts'ung-ling-Fluß (Tarim), nach
Westen der Wei-shui oder Fo-ts'u (Oxus), nach Südwesten der westliche Heng-ho (Indus),
nach Südosten der östliche Heng-ho (Ganges). Das Gebirge, in dem der mit dem Anavatapta
identifizierte Kara-köl liegt, ist richtig der Ts'ung-ling, der sich weithin von Norden nach
Süden erstreckt. Der K'un-lun ist als Gebirge nirgends genannt; doch die Bezeichnung
K'un-lun-Fluß für Kashgar-darya läßt darauf schließen, daß das gleichnamige Gebirge am
Kara-köl gedacht ist. Somit erhält mit dem Anavatapta der K'un-lun seine zentrale
Stellung wieder, die er in den ältesten buddhistischen Karten eingenommen hat (S. 247).

Was die sonstige Identifizierung der Namen aus der Han-Zeit betrifft, so nehmen
die Irrtümer zu, je weiter sich der Verfasser nach Westen bewegt. Annähernd richtig
ist die Ansetzung der meisten nach Ostturkistan gehörigen Namen; aber schon die am
Lop-nor gelegenen Oasenreiche Lou-lan, Shan-shan und Chü-mo sind viel zu weit nach
Norden bis in die Gegend von Turfan verschoben, ein Fehler, der auch von anderen
chinesischen Gelehrten, ja selbst von dem sonst so kritischen Chavannes gemacht worden ist.²