National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0506 |
Southern Tibet : vol.8 |
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XIV. KAPITEL.
DAS ENDE DER KARTOGRAPHIE DER WESTLÄNDER.
1. ALLGEMEINES.
Die soeben betrachteten historischen Karten des *Hai-kuo-t'u-chih* von 1849 gehören zu den letzten Versuchen, die älteren Beschreibungen der *Westländer* auf eine moderne Karte zu übertragen; und zwar hat hier, wie oben bemerkt, die Meinung vorgeherrscht, daß das alte, von vier Meeren umgebene Erdquadrat nicht nur die ehemals bekannten Teile *Asiens*, sondern darüber hinaus auch *Europa* und *Afrika* umfaßt habe. Einsichtigen Chinesen konnte es nicht mehr verborgen bleiben, welch schweren Irrtum man damit begangen hatte, und daß die Kartographie der *Westländer* in ihrem alten Sinne überhaupt nicht mehr lebensfähig war. Die Sonderstellung, die sie sich 1900 Jahre vorher innerhalb der chinesischen Kartographie erworben hatte, war nunmehr verloren, und der Name *Westländer* sank gänzlich zu einem historischen Begriff herab.
Nur unter anderen Namen und teilweise auf neuen Grundlagen errichtet, konnte dieser Teil der chinesischen Kartographie wieder aufleben. Es war schon ein wissenschaftlicher Fortschritt, daß sich die letzte *Mandschu*-Karte von 1899 im Gegensatz zu ihren Vorgängerinnen auf die Darstellung des *Chinesischen Reiches* beschränkte; sie ging also im Westen nirgends über die Grenzen von *Tibet* und *Ostturkistan* hinaus und verblieb somit auf dem sicheren Boden ihrer eignen, durch astronomische Positionen gestützten Landesaufnahmen.
Diese erwiesen sich aber immer mehr als ungenau und veraltet, seitdem man sie mit den exakteren Forschungen europäischer Reisenden verglich, die in steigendem Maße jene Länder wissenschaftlich zu erschließen begannen. Daher konnte nur die Verbindung mit der europäischen Kartographie neue Leistungen hervorbringen. Vorbereitet war sie schon dadurch, daß man seit Anfang des 18. Jahrhunderts in der Kegelprojektion und den astronomischen Ortsbestimmungen die mathematischen Vorbedingungen für eine moderne Karte besaß. Jetzt erkannte man, daß man auch in der Position der Gebirge, Flüsse, Ortschaften und anderer Teile des Karteninhalts europäische Karten zu Rate ziehen mußte, wenn man mit ihnen Schritt halten wollte.
Allerdings war es oft nicht leicht, die richtige Auswahl zu treffen. Darum haben es einige Kartographen vorgezogen, bloß eine Übersetzung einer europäischen Karte zu liefern. Erst seit Beginn unseres Jahrhunderts kommen Kartenwerke auf, in denen der Versuch gemacht wird, chinesische und europäische Arbeit kritisch miteinander zu vereinigen.
2. ÜBERSETZUNGEN EUROPÄISCHER KARTEN.
a) **Eine Karte vom Ts'ung-ling.** Chinesische Karten, die lediglich aus europäischen übertragen sind, hat es bereits im 16. und 17. Jahrhundert gegeben (S. 281 f.). Während diese unter der Mandschu-Dynastie längst wieder in Vergessenheit gerieten,
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