National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books

> > > >
Color New!IIIF Color HighRes Gray HighRes PDF   Japanese English
0529 Southern Tibet : vol.8
Southern Tibet : vol.8 / Page 529 (Grayscale High Resolution Image)

New!Citation Information

doi: 10.20676/00000263
Citation Format: Chicago | APA | Harvard | IEEE

OCR Text

3. ENTSTEHUNG DER KARTE.

Mit keiner chinesischen Karte läßt sich diese osttürkische in Beziehung bringen.
In ihrer Gesamtheit erweist sie sich als rein osttürkisches Erzeugnis.¹

Wie aus dem Inhalt hervorgeht, sollte sie ursprünglich Verwaltungszwecken dienen;
und zwar ist sie wohl hauptsächlich zu dem Zweck angefertigt, um die Überwachung des
Bewässerungsnetzes und die Besteuerung der Oasenbewohner zu unterstützen. Ebenso sind
die Wachstationen und die einzelnen Bergwerke berücksichtigt. Aber die Pietät gegen
die Vorfahren erforderte es, auch verschiedene Ruinenstätten aufzunehmen, die nach dem
Volksglauben der Türken dem Heldenkönig AFRASIĀB zugeschrieben werden²; wir wissen,
daß es sich hier meistens um die alten buddhistischen Tempel oder Höhlenklöster handelt,
die ja ein so wichtiges Arbeitsfeld unserer Archäologen geworden sind.

4. GEOGRAPHISCHE ERGEBNISSE.

Wie besonders aus einem Vergleich mit der Mandschu-Karte von 1899 hervorgeht
(vgl. Pl. XXV), will die osttürkische Karte den gesamten Verwaltungsbezirk Kucha dar-
stellen.³ Im Norden erstreckt sie sich bis zum Kökünäk-daban⁴, jenem Paß, der aus dem
engen Tale des Kucha-darya über die Südkette des Tien-shan in das Yulduz-Tal hinüber-
führt; im Süden bildet der Tarim die ungefähre Grenze; im Osten sind es die Station Lai-su
und die Sommerweiden von Kucha und Bügür, im Westen der Bergpaß östlich vom Kizil-su,
das Wachthaus Tichik und die Sommerweiden von Kucha und Aksu.

Ein Vergleich mit Sven HEDINS 1:1 000 000-Karte⁵ zeigt, daß die osttürkische Dar-
stellung in der Lagebestimmung allerdings sehr ungenau, aber im Detail ungemein reich-
haltig ist; ebenso ergänzt sie in manchen Dingen die selber an Einzelheiten reiche Mandschu-
Karte (vgl. Pl. XXV).⁶ Unübertrefflich ist sie in der richtigen Schreibung der Ortsnamen.
Da sich die drei Karten in ihren Vorzügen und Mängeln gegenseitig ergänzen, läßt sich
hier am ersten das S. 406 gezeichnete Ideal verwirklichen, nämlich aus diesen drei Mate-
rialien eine neue Karte kritisch herauszuarbeiten⁷; dieser Versuch ist auf Pl. XXVI ge-
macht worden.