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0145 Southern Tibet : vol.8
南チベット : vol.8
Southern Tibet : vol.8 / 145 ページ(カラー画像)

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doi: 10.20676/00000263
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115

Schwarzwasser in Wirklichkeit nicht in ein Meer, sondern in den östlich fließenden Yangtsé
mündet. Folglich ist die irrtümliche Verbindung des Schwarzwassers mit jenem theoretischen Südmeer nur aus einer Übersichtskarte von Altchina zu erklären.¹

b) Die Beschaffenheit der Karten. Damit werden uns auch die Grundzüge einer
solchen Karte gegeben. Als chinesische Karte muß sie quadratisch oder rechteckig gewesen
sein, wobei die vier Seiten zugleich die Ufer der vier Meere bedeutet haben. Während
sich das Ostmeer direkt an Altchina anschließt — ob etwa schon mit Einbuchtungen, ist
ungewiß —, scheinen sich vor dem Nord-, Süd- und Westmeer breitere Grenzzonen einzuschieben. Vor dem Westmeere dürfte es, wie aus dem fünften Teil des Yü-kung hervorgeht, das Liu-sha, der »Fließende Sand«, sein, der das Weichwasser (Jo-shui) aufnimmt,
sonst aber durch das erwähnte Schwarzwasser abgegrenzt wird. In China selbst dürfen
wir eine rohe Darstellung und Beschriftung der Berge und Flüsse annehmen, wobei die
Berge zu den im Yü-kung wiedergegebenen neun Gebirgszügen zusammengefaßt sind.
Die gegenseitige Lage mag im großen und ganzen schon richtig erfaßt sein, während
man auf die entsprechenden Entfernungen wohl noch nicht Rücksicht genommen hat.
Wegen des weiten Umfanges dieser uralten Karte kann als ihr Träger wohl nur eine
Stein- oder Bronzeplatte in Frage kommen.

Wie schon oben angedeutet, ist die Entstehung einer über so ungeheure Räume sich
ausdehnenden Übersichtskarte nur aus der Vereinigung von Spezialkarten verständlich.
Diese Karten können wir im ersten Teile des Yü-kung wiedererkennen, der den neun
Provinzen gewidmet ist. Denn wie eng die beiden Teile des Textes zusammengehören,
geht schon aus der Tatsache hervor, daß sich die meisten Berg- und Flußnamen in beiden
Teilen und zwar an den genau entsprechenden Stellen wiederfinden. Aber ebenso bezeichnend
ist, daß sich eine gewisse Zahl von solchen Namen wohl in dem einen, aber nicht in dem
andern Teil findet und umgekehrt. Daraus geht klar hervor, daß der eine Teil des Textes
nicht direkt aus dem andern abgeleitet ist, sondern daß dieses Verhältnis nur auf ihre
Vorlagen zutrifft. Wenn also die andere Übersichtskarte von ganz Altchina
war, dann müssen die andern notwendigerweise Provinzkarten gewesen sein.

Wegen des kleineren Umfanges dürften für die neun Provinzkarten Holztafeln genügt
haben. Sie scheinen nach dem überlieferten Text nicht nur die Grenzen, die Berge und
Flüsse zur Darstellung gebracht zu haben, sondern auch Seen, Gaue und andere Örtlichkeiten; aber Städte werden nirgends genannt, offenbar weil sich die Bevölkerung vorwiegend der Viehzucht und dem Ackerbau widmete, abgesehen von besonderen Gewerben
wie der Seidenzucht, die es nur in einigen Distrikten gab. Der Text zeigt uns auch, auf
welchem Wege solche Karten entstanden sein dürften. Wenn wir beachten, daß die einzelnen Provinzen nach ganz bestimmten Gesichtspunkten einheitlich beschrieben sind, so
ist es ziemlich ausgeschlossen, daß die ersten Aufzeichnungen von Provinzialbeamten herrühren. Vielmehr mag es eine besondere Abordnung des Herrschers gewesen sein, welche
nacheinander die einzelnen Provinzen bereiste und für ihre Mission eigens vorgebildet war.
Sonst wäre es unbegreiflich, wie bei dem ungeheuren Umfange eine so einheitliche, wahrheitsgetreue Reichsgeographie hätte entstehen können.