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0225 Southern Tibet : vol.8
Southern Tibet : vol.8 / Page 225 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000263
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gemeinen zweifelhaft; eine Ausnahme machte wohl der Bezirk Shu, wo die großzügige
Kanalisierung der Ch'eng-tu-Ebene sicherlich die gleichzeitige Herstellung von Karten
oder Plänen veranlaßte.¹

d) Die Gegenden jenseits der Westgrenze. Der K'un-lun als höchster Berg-
gipfel. Die Ch'in-Dynastie war so sehr durch die Organisation des eben geschaffenen
Einheitsreiches beschäftigt, daß sie keine Gelegenheit dazu fand, die Politik in den ferneren
Westen hinauszutragen. Daher begann bald jenseits der Reichsgrenze die terra incognita.
Wenn die Ch'in-Karte auch hierüber Auskunft gegeben haben sollte, so dürfen wir dort
neben den Hsiung-nu (Hunnen) und Hu nur die Erbschaft aus älteren Darstellungen vermuten,
z. B. die Namen Weichwasser (Jo-shui) und Schwarzwasser (Hei-shui) sowie Ta-hsia und
Hsi-wang-mu; denn gerade diese finden wir später in der Han-Karte von neuem wieder.
Aber in einer wichtigen Angabe über den Westen unterschied sich die Ch'in-Karte
von ihren Vorgängern, nämlich in der Ansetzung der Huang-ho-Quelle. War man bisher
der Meinung, der Fluß entspringe irgendwo nördlich des Ordoslandes in der Erhebung des
K'un-lun, so hatten jetzt die dortigen Eroberungen erwiesen, daß er nicht von Norden her,
sondern aus dem unbekannten Westen kommen müsse, um dann beim heutigen Lan-chou
in das neue Grenzgebiet einzutreten. Die unausbleibliche Folge war, daß mit der Huang-ho-
Quelle auch der Name K'un-lun (Kun-lun) aus dem Norden in den noch weniger bekannten
Westen hinüberwanderte; und weil man hier vor einer geheimnisvollen Gebirgswelt stand,
sah man sich gezwungen, an dem ursprünglichen Volksnamen eine neue Verwandlung vor-
zunehmen; in dem nördlichen Steppenlande hatte der K'un-lun nur als Hügel seine Be-
rechtigung gehabt, in dem westlichen Gebirgslande erhob man ihn zum höchsten Berggipfel.²
Erst in diesem Zusammenhang wird uns jene merkwürdige Angabe verständlich,
wonach hundert Jahre später, als man glaubte, die Quelle des (Huang-)Ho südlich von
Khotan entdeckt zu haben, der Han-Kaiser aus alten Karten und Schriftstücken feststellte,
daß das Quellgebirge den Namen K'un-lun führe.³ Wenn wir beachten, wie spät man erst
den K'un-lun als ein Gebirge in den unbekannten Westen verlegt hat, so wird uns klar,
daß es eine Ch'in-Karte gewesen sein muß, welche dem Han-Kaiser vorgelegen hat.

2. DIE ÄLTESTE RELIEFKARTE.

Unter der Ch'in-Dynastie gewann das Reich eine solche Ausdehnung, daß sich die
Meinung bilden konnte, die Grenzen Chinas reichten fast bis an die vier Meere heran, die
Reichskarte sei sozusagen die Weltkarte. Dieser Gedanke wird in einer der merkwürdigsten
Karten zum Ausdruck gebracht, ohne daß man ihre Bedeutung bisher gewürdigt hätte.
Als nämlich der mächtigste Sohn des Himmels, der Kaiser Shih-huang, unter eben
so prunkvollen wie barbarisch-grotesken Formen beigesetzt wurde, so gab man dem Toten