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0238 Southern Tibet : vol.8
Southern Tibet : vol.8 / Page 238 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000263
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VII. KAPITEL.

SPEZIALKARTEN AUS DER ZEIT DER HAN-DYNASTIE.

1. DER BEGRIFF HSI-YÜ.

a) Hsi-yü als kartographischer Begriff. Wir pflegen den unter der Han-Dynastie fest geprägten Namen Hsi-yü 西 域 durch Westländer, Westlande oder Westgebiet zu übersetzen, indem wir ihn auf die ungeheuren Länderräume beziehen, die den Chinesen im Westen ihres Reiches bis zum Mittelländischen Meere bekannt geworden sind. Gehen wir aber nach einigen anderen Beispielen dem Begriff yü auf den Grund, so zeigt sich, daß er eigentlich nicht durch Gebiet, sondern durch Grenze zu übersetzen ist. Wie jene Be-griffsveränderung vor sich gegangen ist, läßt sich am besten mit Hilfe der altchinesischen Kartographie darlegen.

Zum ersten Male ist das Zeichen yü im Shih-ching nachzuweisen, und zwar in jener Ode, welche, wie wir oben sahen (S. 144), höchst wahrscheinlich den letzten Herrscher der Shang-Dynastie feiert, indem sie an eine Darstellung seines Reiches auf einer quadratischen Erdkarte anknüpft. Der betreffende Vers lautet wörtlich:

Wo die Grenzen ihren Anfang nehmen, das sind die vier Meere.¹

Schon diese Angabe aus hochklassischer Zeit weist uns darauf hin, daß unter yü hier nicht eine Grenzlinie, sondern eher eine Grenzzone zu verstehen ist, die an einer der vier hypothetischen Meere entlang geht. Sie ist, wie weiterhin aus derselben Ode hervorgeht, das Gebiet der fernsten Tributvölker und scheint daher bis dahin zu reichen, wo die Außen-grenzen der neun Provinzen liegen. Da der bei weitem größte Teil des chinesischen Erd-quadrats durch die Provinzen Chinas eingenommen wird, so bleiben für die vier yü nur schmale Randzonen übrig.

Damit haben wir einen wichtigen Anhaltspunkt gewonnen, daß bereits im 2. Jahr-tausend v. Chr. der Begriff Hsi-yü in der Bedeutung »westliche Randzone des Erdquadrats« bekannt war. Schon damals mag es auf der Karte ein Gebiet gewesen sein, das sich in seiner Breite jenseits der jeweiligen Reichsgrenze bis zum Westmeere erstreckte. Im Laufe der Zeit mußte dann diese Randzone mit dem Westmeere immer weiter zurückweichen, je mehr sich China in derselben Richtung ausdehnte, bis sie unter der Han-Dynastie sogar hinter die Wüste bei Tun-huang (Sha-chou) zurücktrat.

b) Hsi-yü als historisch-geographischer Begriff. Wenn wir nunmehr versuchen, den kartographischen Begriff Hsi-yü auf das Gebiet der historischen Geographie zu über-tragen, was logischerweise nur in seiner jeweiligen Begrenzung durch China möglich ist,