National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books

> > > >
Color New!IIIF Color HighRes Gray HighRes PDF   Japanese English
0238 Southern Tibet : vol.9
Southern Tibet : vol.9 / Page 238 (Color Image)

New!Citation Information

doi: 10.20676/00000263
Citation Format: Chicago | APA | Harvard | IEEE

OCR Text

Ortsnamen nicht ohne weiteres den Lautwert der nord-chinesischen Aussprache, des so-
genannten Kwan-hua, voraussetzen und sich dann etwa bei der Umschrift in lateinische
Schrift einfach einer modernen Transkription bedienen. Diese ist natürlich besonders un-
angebracht bei den Fremdwörtern, die zu einer Zeit ins Chinesische umschrieben wurden,
als die der betr. Romanisation zugrunde gelegten heutigen Lautwerte auch für das Nord-
chinesische noch nicht zutrafen. Aber auch bei den Umschreibungen der Neuzeit sieht
man nicht ein, warum ein Wort wie »die Pagode«, das im Tibetischen k'yung geschrieben
und ebenso gesprochen wird, nun bei der Wiederherstellung aus dem Chinesischen in der
Form ch'iung erscheinen soll, nur aus dem Grunde, weil das chinesische Transkriptions-
zeichen heute in Peking so und nicht k'iung gesprochen wird wie in andern chinesischen
Mundarten. Es erhellt, daß die Zugrundelegung einer so verwischten und abgeschliffenen
Mundart wie des Pekinesischen, in dem die Laute ki und tsi in dji zusammenfallen, und
einer Transkription, die in diesem Falle z. B., mit chi, noch dazu weder die deutsche noch
die englische Aussprache, vielmehr einen besonderen technischen Wert darstellt, die Ab-
leitung der Namen aus der Ursprache stark erschweren muß. Wenn Rockhill in seiner
erwähnten, höchst verdienstvollen Arbeit selbst die Wadesche Umschreibung anwendet,
mit der Begründung, die Peking-Mundart sei die einzige ihm vertraute¹, so wird dieser
Mangel dadurch wettgemacht, daß er die tibetischen Namen unmittelbar erklärt mit Hilfe
seiner Sprachkenntnisse und eines ihm zur Verfügung stehenden geographischen Wörter-
buches² 西 藏 圖 文 志. Nicht ohne Grund wird an dieser Stelle auf die Frage der Namen-
schreibung in der tibetischen Geographie eingegangen. Verworrene und uneinheitliche
Schreibung der Ortsnamen hatte uns die Karte von Tibet recht unleserlich und unverständlich
gemacht.³ Das ist nicht verwunderlich, denn die Namengebung geht auf drei verschiedene
Quellen zurück: auf die alten europäischen Karten, auf die einheimischen tibetischen und chine-
sischen Karten und Geographiewerke und schließlich auf die Aufzeichnungen neuzeitlicher
Reisender. Die ersteren sind hinsichtlich ihrer Schreibung oft schwer nachzuprüfen. Von der
zweiten Art sind die tibetischen Karten in ihrer Originalschrift nicht immer geeignet, wegen
der vielen vorkommenden Konsonantenhäufungen, die heute nicht mehr gesprochen werden.
Bei den chinesischen Karten müßte man den Quellen nachgehen und dann im Einzelfalle der
Frage nach der Mundart des chinesischen Gewährsmannes, die bei der Bewertung der chine-
sischen Zeichen berücksichtigt werden muß. Zur richtigen Beurteilung der Namenangaben bei