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0305 Southern Tibet : vol.9
Southern Tibet : vol.9 / Page 305 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000263
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Die Stötznersche Expedition, die eine Skizze der Stammeswohnsitze mitgebracht
hat, errechnet die Zahl 18 durch Einbeziehung der weit nördlich, zum Teil schon im Kansu-
Gebiet wohnenden Ngolok und Ngaba, sowie einiger chinesischer Verwaltungsbezirke, die
an sich mit der Stammeseinteilung nichts zu tun haben. Es mag eben die alte Zahl 18
gar nicht mehr vorhanden sein.

Wei Yüan spricht in seiner Eroberungsgeschichte des Landes von nur 9 Fürsten
bzw. Stämmen. Von diesen waren in der Eroberungszeit die beiden bedeutendsten die
Zanla am Kleinen und die Cucin am Großen Goldstrom. Die Zanla, von den Chinesen
mit den Zeichen 贊拉 tsan-la, oder auch 贊納 tsan-na nach der mundartlichen Aussprache
der aus Hupei stammenden Siedler, wiedergegeben, schreiben ihren Namen im Tibetischen,
nach den Steininschriften, btsan-lha mit der Bedeutung »Dämonen«. Der Name Cucin,
von Wei Yüan durch die Zeichen 促浸 ts'u-ch'in umschrieben, denen ebenfalls Hupei-
Mundart zugrunde liegt, ist nichts anderes als das tibetische Ts'u-ts'en (tschu-tschen),
»Großes Wasser«, die Bezeichnung für den Großen Goldstrom. Nach der chinesischen
Verwaltungseinteilung unterstehen die nördlichen und östlichen Teile des Gebietes den
Präfekturen Li-fan (Mao-chou) und Chiung-chou, die südlichen der Präfektur Ya-chou
der chinesischen Provinz Szetschuan; die westlichen leiten in das Hinterland der Provinz
über und werden von den Kolonialpräfekten in Tatsienlu verwaltet. Das eigentliche
Goldstromland dagegen wird eingenommen von der Kolonialpräfektur Mou-kung¹ 懋功,
in der Hupei-Aussprache des Ansiedler Mong-kung gesprochen, die wieder in die Unter-
präfekturen Fu-pien 撫邊, Ch'ung-hua und Sui-ching⁴, am Orte gesprochen Ts'ung-hua
und Hsü-ching, zerfällt. Dieser Name Hsü-ching wird wieder mit der tibetischen Be-
zeichnung des Gebietsteiles Ts'u-ts'en (s. o.) in Verbindung gebracht. In Rumi Dschanggu sitzt
ein chinesischer Beamter, der dem Präfekten in Tatsienlu untersteht. Die Verteilung der
Chinesen über das Land stellt sich folgendermaßen dar: An den Straßen und in den
Marktplätzen finden sich chinesische Siedler als Herbergswirte und Transportunternehmer,
meist Mohammedaner, sowie als Händler. Auch bei den großen Lamaklöstern gibt es oft
ganze Straßen mit chinesischen Händlern und Gewerbetreibenden, die die Klöster mit ihren
Bedürfnissen versorgen. Chinesische Ackerbauer sieht man nur sehr vereinzelt. Die
Viehzucht scheint ausschließlich in den Händen der Eingeborenen zu liegen. In den
Städten und Märkten überwiegen die Chinesen. Diese haben ihre chinesischen Häuser
gebaut und führen ihr chinesisches Leben. Die Städte weisen dann neben den Amts-
gebäuden auch chinesische Schulen und Tempel auf, etwa einen Kriegsgott-Tempel Kuan-ti
miao 關帝廟 und einen Tempel der Kuan-yin. Öfter findet man einen Tempel des
Wu-hou 武侯, des Kriegsherzogs, worunter der berühmte General Chu-ko Liang 諸葛亮
aus der Han-Zeit verstanden wird, dem die Geschichte große Kriegstaten gegen die Ein-
geborenen dieser Gebiete zuschreibt. Die Häuser der Eingeborenen, die entweder in Dörfern
zusammengeschlossen oder einzeln an den Bergen liegend erscheinen — im letztern Falle
werden sie von den Chinesen als chai-tse 寨子, »Blockhäuser oder Burgen«, bezeichnet —
unterscheiden sich von den chinesischen Gebäuden auf den ersten Blick durch ihre Fenster
und Balkone. Weitere Wahrzeichen des Landes sind die lamaistischen Baudenkmäler: Tempel,
Mönchsgräber, Gebetsmühlen, Hängebrücken und Fellboote und schließlich als besondere