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0306 Southern Tibet : vol.9
Southern Tibet : vol.9 / Page 306 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000263
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Eigentümlichkeit der Gegend die großen Kampftürme, *de'o* genannt, chinesisch durch *tiao* 碉,
»steinernes Haus«, wiedergegeben, mandschurisch *yerutu*, die im Landschaftsbilde etwa die
chinesische Pagode vertreten.¹ Bei Kriegszustand gaben die Einwohner ihre Häuser und
Dörfer auf und verteidigten sich in diesen Türmen², die stets an wichtigen Geländepunkten
errichtet waren, manchmal einzeln wie der berühmte Turm bei *Marbang* (vgl. eine Aufnahme
des Verfassers in Tafels Buch, Bd. II, Taf. LV) oder in ganzen Reihen, wie auf dem ersten
Bilde³ dieses Aufsatzes zu sehen. Es dürfte bekannt sein, daß der chinesische Kaiser seinerzeit
zur Einübung seiner Sturmtruppen Modelltürme bei Peking errichten ließ, die noch heute
stehen, und daß bei den nicht viel späteren Kämpfen mit den Ureinwohnern in *Hunan* und
*Kweitschou* die Chinesen ihrerseits solche Türme erbauten, um sich in den eroberten Gebieten
zu halten. Man findet daher in den Präfekturen *Fêng-huang* 鳳凰 und *Ch'ien-chou* 乾州⁴
in West-*Hunan* heute noch eine große Menge von diesen Gebäuden. Und gerade diese
Kriegstürme waren es, die die Eroberung des Landes so außerordentlich schwierig gestalteten.

Die beiden mächtigsten Stämme *Cucin* und *Zanla* hatten um die Mitte des 18. Jahr-
hunderts durch ihre Widerspenstigkeit den chinesischen Kaiser zum Eingreifen gezwungen
und damit schließlich die Unterwerfung des ganzen Goldstromlandes herbeigeführt. Eine
genauere Beschreibung dieses Feldzuges, dessen siegreiche Beendigung als besonderes
Ruhmesblatt in der chinesischen Kriegsgeschichte gilt, der auch überhaupt eine eigene
Würdigung verdient, soll vom Verfasser dieses Aufsatzes an anderer Stelle geboten werden.
Hierunter sei nur eine Zusammenfassung der Ereignisse gegeben:

Seit dem fünften Jahre der Regierung KANGHI, d. i. 1666, stand das Land dem Namen
nach unter chinesischer Oberhoheit. Kriegerische Verwicklungen unter den einzelnen
Stämmen veranlaßten die Provinzialregierung von *Szetschuan* im Jahre 1730 zu einer Straf-
expedition gegen die allem gütlichen Zureden unzugänglichen Fürsten, die nach vierjährigem
Kampfe sich dem chinesischen Machtwillen beugen mußten. Aber schon nach wenigen
Jahren war die Lehre vergessen. Neue Unruhen im Lande forderten eine um so entschie-
denere Unterdrückung, als der Kaiser die widerspenstigen Fürsten vordem mit Milde
behandelt und ihnen keine andere Strafe als die Anerkennung der chinesischen Ober-
hoheit und das Gelöbnis der Urfehde auferlegt hatte. Eine neue Expedition in großem
Stile wurde eingeleitet. Der Einmarsch der chinesischen Heere im Anfange des Jahres 1772
geschah wie vordem von Osten her über *Wen-ch'uan*⁵ und den *Banlan*-Paß, von Süden
her über *Tatsienlu* und den *Dabo*-Paß. Vom *Banlan* kämpfte man sich langsam vor über
*Damba zung*, *Ziri*, den Berg *Rabcuk*, *Meimei k'a*, den Tempel *Dungma*, *Serkioi*, *Biyesman*,
den Berg *Gunggar*, *Luding zung*, *Deo u* und den Berg *Kamser*. Alle festen Punkte, eine
Unmenge von Pässen, Sperren, Burgen und Tempeln wurden genommen werden, bevor man
zum Angriff auf *Meino* schreiten konnte, den Hauptsitz der Feinde in Klein-Goldstromland.