National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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Auf der Oberfläche der letzten Terrasse, die wir jetzt passierten, findet man die Ruinen
einer alten Festungsmauer, sehr verfallen, aber doch deutlich; durch die Pforte derselben
führt der Weg. Dieser ist kürzlich eine kleine Strecke gegen Norden verlegt worden, und
zwar wegen des tiefen Staubes des weichen Lößsmaterials auf dem alten Wege; wo der
Weg jetzt läuft, ist der Boden verhältnismäßig hart oder jedenfalls noch nicht durch den
Verkehr gelockert. Während der ganzen Tagereise waren weder Gebirge noch Sanddünen
sichtbar; der Weg soll im Mittel nur 3 „potaj" vom Rande der Sandwüste entfernt sein.
Das Gebirge ist hier überall unter dem Namen Dua-tag bekannt.
Über den kleinen „kent" Tatran führt der Weg nach Sang-ujas Bazar; es war
eben der Bazartag (Mittwoch, 1. Januar 1896), aber der Verkehr schien nicht besonders
lebhaft zu sein; doch begeben sich an diesem Tage nach Sang-uja Kaufleute von Guma,
Khotan, Mudji und Pialma. Sang-uja besteht aus 150 Häusern; jedes mit fünf bis zehn
Einwohnern. Es gibt hier keine „kents"; Sang-uja ist der einzige Name der Gegend. Der
Waldgürtel soll 2 „potaj" gegen Norden entfernt sein, und man behauptet, wie ich auch
in anderen Orten bestätigt fand, dafs dieser Wald sich von Jarkent bis Kara-kasch erstreckt,
und die Breite des Gürtels soll von ein paar „potaj" bis ein paar Tagereisen betragen;
doch ist er auch stellenweise unterbrochen. Die „bakschis" oder Falkeniere betreiben hier
eine einträgliche Jagd auf Antilopen. Zu diesem Zweck werden auch die großen schönen
Adler („kara-kusch" oder „burgut") vom Dua-tag verwendet; im Walde sind auch Wild-
schweine und Panther allgemein; letztere werden wegen des Pelzes gejagt; ein Pantherfell
erzielt im Bazar einen Preis von nur 2 „tenge".
Die am meisten gebauten Getreidearten sind Gerste und Weizen; Mais wird nur in
geringer Menge gebaut. Unter den Gartenprodukten sind Melonen und Aprikosen die
wichtigsten; Trauben, Pflaumen, Äpfel, Maulbeeren kommen auch vor. Der Weizen wird
Ende August oder später gesäet, im Juli geerntet; die Äcker werden also hier für eine
Saat das ganze Jahr in Anspruch genommen. Die folgenden zwei Jahre wird der Acker
gar nicht verwendet, und jedes Feld wird also nur alle drei Jahre besäet. In der Zwischen-
zeit bebaut man andere Felder. Fast alle Äcker sind oberhalb des Dorfes an den Seiten
des Bewässerungskanals gelegen, die Fruchtgärten aber in der unmittelbaren Nähe des Dorfes.
Die Ernte genügt fast immer zum Bedarf der Ortabevölkerung, und in guten Jahren kann
man sogar einen Überschuß nach Khotan ausführen. Einfuhr von Getreide ist sehr selten
notwendig.
Zwei „potaj" nördlich vom Dorfe liegt der einzige Masar der Gegend: Sultan Boghrul
Ali. Zwischen Dua-tag und Sang-uja sollen sich öde Steppen ausbreiten; nördlich des Wald-
gürtels breitet sich hoher, steriler Sand aus; die Wüste wird einfach „kum" (Sand) ge-
nannt; der Name Takla-makan ist hier nicht im Gebrauch. Vieh- und Schafzucht wird nur
für den Bedarf des Ortes getrieben; zum Transport werden nur Pferde und Esel, aber nicht
Kamele verwendet.
Im März fangen die Burane an und dauern mit unregelmäßigen Unterbrechungen fünf
Monate; die schwarzen harten Stürme kommen immer aus WNW; von den gelben, schwachen
Buranen sagt man, dafs, wenn sechs aus WNW stammen, der siebente östlich ist und immer
schwächer als die westlichen. Die gelben Stürme beginnen zu sehr verschiedenen Zeiten,
sogar in der Nacht oder vormittags. Die „kara-burans" brechen los wie ein Blitz aus
heiterem Himmel, dauern gewöhnlich nur eine halbe, höchstens ein paar Stunden, führen
Massen von Sand und Staub mit, so dafs es auch mittags pechduukel wird. Aus März
1894 erinnerte man sich eines äußerst heftigen Sturmes, der von Sonnenuntergang bis
Sonnenaufgang dauerte; die Bewohner des Dorfes, die auf den Straßen sich aufhielten,
konnten ihre eigenen Häuser nicht wiederfinden, sondern mußten die ganze Nacht draußen
sitzen bleiben. Im Winter ist die Atmosphäre sehr ruhig, doch zieht es bisweilen aus ver-
schiedenen Himmelsrichtungen. Die Regenzeit tritt im Juli ein; die „kara-bulut" oder
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