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0053 Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 / Page 53 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000262
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nach Norden sich erstreckende Streifen von totem Wald, wie wir sie in der Nähe der
alten Stadt gefunden hatten. Gleichzeitig wird junger Wald am neuen Lauf aufwachsen,
wo heutzutage nur nackte Dünen sich ausbreiten.

Zwischen Kijak-tjakkma und Ak-katt folgten wir dem linken Ufer des
Jangi-darja. Die Steppe ist hier streckenweise durch Ausläufer der Sanddünen unter-
brochen. Einer dieser Ausläufer zwang sogar den Fluß, eine weite Krümmung gerade
gegen Osten zu machen. Die Dünen, die hier am Ufer stehen, bleiben im besten Falle
stationär oder werden vom Wasser allmählich unterminiert und weggeführt. Wenn aber
der Fluß in die Lage kommt, sein Bett verändern zu müssen, werden die im Wege stehenden
Dünen ohne Schwierigkeit vom Wasser weggeräumt. Das neue Bett, in dem sich das Eis
in breiten Kuchen ausbreitet, liegt wie zwischen Sanddünen eingebettet. Wir finden hier
einen deutlichen Beweis für die Tendenz des Flusses, nach Osten hin zu drängen; doch
darf man sich diese Wanderung nicht als eine allmähliche, immer vor sich gehende Be-
wegung nach rechts vorstellen. Sie geschieht vielmehr ruckweise. Daß der Zwischenraum
zwischen dem Kovna-darja und Jangi-darja niemals vom Fluß überschwemmt war, erhellt
daraus, daß die westliche Hälfte noch von mehr oder weniger sterilen Sanddünen ein-
genommen wird, welche sonst vom Wasser hätten weggeschwemmt werden müssen. Diese
Dünen bildeten einst die Grenze des Flusses nach rechts. Wenn das Flußbett wegen des
mitgeführten Schlammes oder aus irgend einer anderen Ursache zu hoch wird, wirft sich
die Wassermasse in das neue Bett hinüber. Dieses Bett wird freilich ohne Zweifel
allmählich ausgearbeitet, indem der Fluß zuerst einen Arm nach der Seite aussendet,
welcher mit der Zeit wächst, um endlich die ganze Wassermenge aufzunehmen. Die
Breite des neuen Bettes war jetzt sehr verschieden. Oft breitet es sich seeähnlich aus,
oft ist es in mehrere Kanäle geteilt, von denen gewöhnlich einer oder zwei besonders breit
sind. Stellenweise ritten wir über Teile des Bettes, die während des Hochwassers über-
schwemmt werden; Treibholz und Pappelstämme lagen teilweise im Sand eingebettet. Der
höchste Stand des Hochwassers wird durch eine scharfe Linie bezeichnet, an der die Steppe
mit einemmal aufhört. Hier und da stehen im Bett selbst einzelne Pappeln, überall von
Eis umgeben. Sie waren früher die äußersten Vorposten des Waldes gegen Osten und
wurden dann vom neuen Flußlauf überschwemmt.

Von Ak-katt nach Molla-gadaj folgten wir eine Strecke dem linken Ufer, ver-
ließen dann den Fluß und kreuzten eine Gegend, in der niedrige, sporadisch bewachsene
Sanddünen mit Steppen abwechselten. Endlich erreichten wir den Punkt, wo der Kovna-darja
und der Jangi-darja sich vereinigen. Der erstere ist hier breit, mit Kamisch überwachsen,
stellenweise mit Sümpfen angefüllt, welche zeigen, daß das Hochwasser zum Teil in dieses
Bett hineingeht und stehen bleibt. Die Gegend wird Misalej genannt. Unterhalb dieses
Punktes ist der Fluß in Pappelwald und dichten Kamisch eingebettet. Er hat hier eine
mittlere Breite von 100 m, bisweilen 150 m; wo wir Wasser holten, hatte das Eis 36 cm
Mächtigkeit, war von langen Spalten durchsetzt und zeigte im Profil abwechselnd klare und
poröse Schichten, welche verrieten, daß neues Wasser über schon gefrorene Schichten hin-
weggeströmt und gefroren war.

Der Kerija-darja sieht hier wie ein majestätischer, mächtiger Fluß aus. Die beiden Ufer
sind wieder einander ziemlich ähnlich, obgleich am rechten die nächsten Sanddünen hier
und da zwischen den Bäumen hervortreten. Der Kamisch gedeiht ungemein dicht, nicht
selten von Wildschwein-Pfaden durchkreuzt. Die Pappeln sind stattlich, alt und mächtig;
hier scheint also der Fluß schon längere Zeit dieselbe Lage beibehalten zu haben. Bis-
weilen behält der Fluß dieselbe Breite für eine längere Strecke und strömt ziemlich gerade
gegen Norden, ohne scharfe Krümmungen zu machen. Von den Sandhügeln am linken Ufer,
auf denen wir gingen, hat man deshalb eine weite Aussicht gegen Süden und Norden. Die
Dünen, die hier vorkommen, sind unregelmäßig, niedrig und mit Vegetation bedeckt. Der Pfad,