National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
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| 0056 |
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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bei der ersten, Bauart, Material, Architektur, Malereien — alles stammte unzweideutig aus
derselben Epoche. Die Entfernung der ersten, westlich von Kotschkar-agil gelegenen Stadt
vom jetzigen Lauf des Kerija-darja beträgt 38 km, die der zweiten Stadt 17 km. Die
Entfernung zwischen den beiden Städten beträgt fast einen Breitengrad. Da man sich nun
die beiden Ruinenstädte auf einer Linie liegend denken kann, die mit dem jetzigen Laufe
des Kerija-darja parallel ist, so liegt die Vermutung nahe, dafs sich der Flufs seit der
Blütezeit der Städte resp. 38 und 17 km nach Osten bewegt hat. Bei den ersten Ruinen
fanden wir die Spuren eines alten Flufsbettes, bei dem zweiten konnte man sich freilich
vorstellen, dafs der Kitjik-darja die Stadt mit Wasser versehen hat. Dies ist aber weniger
wahrscheinlich, da der Kitjik-darja gewiſs viel jünger ist als die Stadt bei Kara-dung.
Eben die ähnliche Lage der beiden Städte bringt, meiner Meinung nach, einen guten
Beweis dafür, dafs der Flufs nach Osten wandert. Dafs diese Wanderung noch heute fort-
dauert, haben wir schon an mehreren Punkten des jetzigen Laufes gefunden. Die Ver-
änderlichkeit des Flufslaufes ist an und für sich auf diesen Ebenen und in diesem lockeren,
wenig widerstandsfähigen Material nichts Merkwürdiges; bemerkenswert ist aber die deut-
liche Bewegung nach Osten. Die Anhänger des von Baerschen Gesetzes würden in dieser
Thatsache einen Beweis für die Richtigkeit dieses Gesetzes finden.
Von Sisma-köll nach Arka-tjatt kehrten wir wieder nach dem Flufs zurück,
ziemlich hohen Sand, mit dem Steilabfall nach Westen gerichtet, kreuzend. Die Vege-
tation wird allmählich reichlicher, zuerst tauchen Tamarisken auf, dann kommen Pappeln.
Den Kerija-darja erreichten wir in der Gegend Lajdang. Erst hier zeigt der Flufs eine
Neigung zum Abnehmen. Die Uferlinien sind nicht markiert, wie bis jetzt, der Steppen-
boden sinkt unmerklich unter das Eis hinein. Der Eiskuchen war jetzt durch eine 2 m
breite offene Rinne unterbrochen, in der das trübe Wasser langsam dahin strömte. Mitten
im Bette stehen hin und wieder Pappeln und Tamarisken; der Flufs ist im allgemeinen
seicht, und man merkt, dafs man sich in einem Gebiet befindet, wo das Wasser nicht
mehr Kraft genug besitzt, um ein permanentes Bett auszugraben. Bisweilen trennen sich
vom Hauptbett kleine Arme, um an den Ufern Sümpfe zu bilden; dies trägt auch zu einer
beständigen Abnahme des Wassers bei. Dagegen finden wir den Wald und die Kamisch-
felder viel dichter als bis jetzt; besonders die Waldgegend Jaman-tokaj war fast undurch-
dringlich. In der Gegend Arka-tjatt, wo wir bei Hirten lagerten, sieht der Flufs wieder
recht ansehnlich aus und hatte eine Breite von 40 m mit kleineren, unterbrochenen, kamisch-
bewachsenen Sümpfen an den Ufern.
Die Hirten charakterisierten die Eigenschaften des Flusses auf dieser Breite haupt-
sächlich in folgender Weise. Das Eis bleibt ungefähr 3½ Monate liegen; wie bald es im
Frühling auftaut, beruht auf der Witterung. Wenn die Atmosphäre, wie jetzt, täglich mit
Staub gesättigt bleibt, so dafs die Sonne nicht direkt wirken kann, könnte das Eis bis tief
in den März hinein liegen bleiben. Bei klarer Luft schmilzt es aber schnell, und eine recht
bedeutende Frühlingsflut strömt hinab. Diese Flut dauert nicht viele Tage, und dann bleibt
das Bett zwei bis drei Monate trocken liegen; doch nicht ganz, denn in den tieferen Teilen,
wo die Strömung das Bett tiefer erodiert hat, bleiben auch während der trockenen Zeit
hier und da kleine Wasseransammlungen stehen, wohin sich, wie im Khotan-darja, die
Fische zurückziehen sollen. Wo keine solche Wasseransammlungen in der Nähe der
„agilen" und Weideplätze gelegen sind, müssen die Hirten Brunnen graben. Das Hoch-
wasser kommt im Juni und Juli; man kann jedoch immer zu Fufs passieren, wobei das
Wasser im schlimmsten Falle bis zu den Weichen reicht.
Von Arka-tjatt nach Tjugutmek. Zuerst gingen wir durch jungen Wald und
über Kamischfelder dem linken Ufer folgend. Der Flufs sah hier wieder ziemlich statt-
lich aus, weil die dünne Eisschicht sich weit und breit über fast ebenem Boden ausgebreitet
hatte, und doch war, wie wir erst am Ende des Tagemarsches erfuhren, dies nur ein
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