National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books

> > > >
Color New!IIIF Color HighRes Gray HighRes PDF   Japanese English
0059 Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 / Page 59 (Grayscale High Resolution Image)

New!Citation Information

doi: 10.20676/00000262
Citation Format: Chicago | APA | Harvard | IEEE

OCR Text

in den sogenannten Eski-darja ausmünden soll. Dieser Eski-darja soll ein altes Bett sein,
welches von der Waldgegend Koschlasch in nordöstlicher Richtung die beiden Betten
vereinigt.

Die bedeutenden Eis- und Wassermassen, welche jetzt das Bett bei Katak füllten,
waren nach Versicherung der Hirten nur einige Wochen alt. Das Winterwasser mufs
nämlich zuerst die oberen Teile des Bettes füllen und gefrieren, bevor das Wasser, welches
immer unter dem Eis fortströmt, die untern Teile erreicht. Das Bett mit seiner Eisdecke
bildet sozusagen ein Rohr, durch welches das Wasser strömt; bei dem Austritte aus dem
Rohre gefriert das Wasser und dadurch schiebt sich das Rohr im Laufe des Winters wie ein
Tentakel weiter gegen Norden vor. Das Eis schützt auch das Wasser gegen Verdunstung und
trägt so dazu bei, dafs der Flufs sich in der kalten Jahreszeit so weit nach Norden fortsetzen
kann. Von Katak an und weiter nördlich gibt es eine Reihe von kleinen Seitenärmen, die
sich hin Ufersümpfen verlieren, so dafs der Flufs von hier aus schnell und definitiv abnimmt.
Das östliche, periodische Bett liegt jetzt vollkommen trocken, und die Hirten, die in den
dortigen Wäldern leben, erhalten Wasser von Brunnen, in denen es 1 oder 1½ m unter der
Oberfläche des Bodens steht. Nur am Ende dieses Bettes finden sich auch jetzt, wie ge-
sagt, kleine Seen mit salzigem Wasser. Hier soll die Entfernung zwischen den beiden
Betten anderthalb Tagereisen betragen. Am östlichen Bett soll auch Wald vorkommen, doch
lange nicht so dicht, wie am westlichen; von den Schwankungen abgesehen, gibt das östliche,
jetzt trockene, Bett einen neuen Beweis dafür, dafs der Flufs sich nach rechts bewegt, und
dieses Bett ist gewiß eine neuere Bildung als das westliche, obgleich es augenblicklich und
zufälligerweise trocken war. Mit der Zeit wird zweifelsohne die ganze Wassermasse hier
ständig bleiben, das ältere, westliche Bett wird dann versanden und der Wald allmählich
in „köttek" übergehen.

Der „tjatt" oder Streifen Landes, welcher zwischen den beiden Betten liegt, besteht
gröfstenteils aus Sandwüste; die Längsrichtung der Dünen ist parallel mit den Betten,
d. h. NNO—SSW; auch hier gibt es sogenannte „davane", und in den Einsenkungen zwischen ihnen
wachsen Kamisch und Tamarisken, aber keine Pappeln. An beiden Betten soll die Breite
des Waldgürtels selten eine halbe Tagereise übersteigen und wird gegen Norden allmählich
schmäler. Bei Katak strömt die Sommerflut ein oder anderthalb Monate; in das östliche
Bett dringt, wie gesagt, nur ein Teil des Überschufswassers im Hochsommer hinein, und
dieses Verhältnis dauert nur wenige Tage.

Von Katak nach Schirpang. Ich war zuerst ungewiß, ob ich dem östlichen
oder westlichen Bett des Flusses folgen sollte; nach Aussage der Hirten schien das öst-
liche sich weiter gegen NO zu erstrecken, aber da das Wasser in den letzten Jahren im
westlichen geströmt war, glaubte ich, dafs wir uns hier leichter vorwärts bewegen könnten,
denn wahrscheinlich hatte das Wasser hier eine Furche zwischen den Dünen ausgesäumt,
wogegen das östliche Bett in den letzten 6 bis 8 Jahren jedenfalls in einem gewissen
Grad versandet worden war. Zuerst folgten wir inzwischen dem kleinen, in der Nähe
von Katak anfangenden Bett von „taschkan-su", wo nur während der Hochwasserperiode
ein wenig Überschufswasser hineinströmt. Der erste Teil desselben war von dichtem
Wald umgeben, welcher jedoch allmählich lichter wird; die Pappeln hören endlich auf, nur
Tamarisken sind allgemein. Weiter unten scheint auch das Hochwasser nicht hinzureichen,
hier haben sich nämlich rudimentäre Dünen gebildet, deren steiler Abhang gegen NW
fällt. Zwischen diesem kleinen Bett und dem westlich davon gelegenen Hauptbett des
Flusses breiten sich Sanddünen mit abgestorbenem Wald aus. An den Seiten unseres
Bettes wurden bald die Tamarisken so dicht, dafs wir bisweilen mit der Axt einen Pfad
aushauen mufsten. In der Waldgegend Partja erreichten wir wieder den Hauptflufs, der
jetzt beträchtlich zusammengeschrumpft war und hier eine Breite von nur 15 m hatte.
Unter dem Eise strömten jedoch noch ein paar Kubikmeter Wasser. Nur eine kurze