National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0060 |
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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Strecke konnten wir dem Flusse folgen; der hier freilich schmale Waldgürtel wurde un-
durchdringlich, und wir mußten außerhalb desselben gehen. Der versiegende Fluß streckt
sich im verzweifelten Kampfe gegen den Sand wie ein Fühler in wilden Mäandern ängstlich
und schüchtern gegen NNO aus. Wir kamen aber bald wieder in ein trockenes Bett
hinein, wo Kamisch und Tamarisken sehr allgemein waren, und wo ein paar gefrorene
Tümpel standen. Der Wald folgt jetzt nur dem wasserführenden Bett, nur hier und da
stehen vereinzelte Pappeln an den Seiten desselben. Die Gegend am trockenen Bett wird
Asis-Akhun-tallik genannt. In der Gegend Schirpang erreichten wir wieder den Fluß,
dessen enges Bett hier tief eingeschnitten war; sein rechtes Ufer bildete eine senkrechte,
3 m hohe Stufe, das linke fiel sanft zu der tieferen Rinne hinab. Es ist eigentümlich, daß
der Fluß in seinem unteren Teil ein schärfer ausgeprägtes Bett haben kann, als weiter
oben, wo doch die Stromschnelligkeit, die Wassermenge und damit auch die Erosionskraft
größer sein müssen. Ich kann dieses Phänomen nicht erklären, fand es aber später wieder-
holt, so beim Intjike-darja, Kontje-darja, Ilek und Tarim.
Am Lagerplatz hatte der Fluß eine Breite von 5 m, wechselte aber sehr; die größte
Tiefe des Wassers war 0,3 m, die Stromgeschwindigkeit kaum 1 m, und die Wassermenge
betrug weniger als 1 cbm in der Sekunde. Dieses kleine Rinnsal stellte auf dieser Breite
den ganzen Rest des Kerija-darja dar; das Wasser war nicht gefroren, nur an den
Ufern hatten sich ganz kleine Eisschollen gebildet. Die Thatsache, daß sich bei der doch
immer herrschenden Kälte noch keine Eisdecke hier gebildet hatte, schien für die Richtig-
keit der Behauptung der Hirten von Katak zu sprechen, wenn sie sagten, die bei Katak
vorhandene bedeutende Wassermenge sei erst vor kurzer Zeit von oben hergeströmt; hier
bei Schirpang war es vielleicht nur wenige Tage alt, und eine dicke, allmählich wachsende
Eisdecke hatte sich deshalb im Bett noch nicht bilden können. Der Wald bildete hier einen
schmalen Gürtel an jedem Ufer, das Terrain bestand aus schwach bewachsenen niedrigen
Dünen, zwischen welchen der Fluß sich in kurzen, scharfen Krümmungen windet. Nach
Osten war die Landschaft offen und öde; der hohe, jedoch noch immer schwach bewachsene
Sand erhöhte sich in der Nähe; nach dieser Richtung waren noch besonders Tamarisken
allgemein.
Von Schirpang nach Koschlasch. Während der Nacht wurde das Wasser
mit einer dünnen Eisschicht bedeckt, unter welcher das Rinnsal immer fort sich bewegt.
Der Wald in der Gegend Pitganlik ist licht und sporadisch. Die Tamarisken sind allge-
mein, sonst wird die Landschaft immer mehr und mehr öde. Hier sahen wir die ersten
wilden Kamele, und ihre Spuren wurden nach ein paar Tagereisen unglaublich zahlreich.
An einem Punkt, wo die Sanddünen steil gegen das Bett abfallen, kreuzten wir den
Fluß, und wenig weiter nördlich erreichten wir sein Ende. Die Eisscheibe erstreckt
sich hier wie eine immer schmäler werdende Zunge, endlich dünn wie Papier, durch das
Bett und ruht unmittelbar auf dem Sande des Bodens, der das letzte Wasser verbraucht
hat. Das Bett war auch eine Strecke weiter feucht, und es gehören nur einige klare
Sonnenscheintage dazu, um das Eis zu schmelzen, worauf der versiegende Fluß sich gewiß
eine nicht unbedeutende Strecke weiter nördlich bewegen kann.
Wir hatten jetzt den Vorteil, im Bett selbst fortgehen zu können, wo der Boden
eben und hart war. Hier und da waren aber die Krümmungen so scharf, daß wir lieber
halbinselförmige Waldstrecken kreuzten. Wie im Bette des Khotan-darja finden wir auch
hier an beiden Ufern von Wasserwirbeln ausgehöhlte Vertiefungen, an denen das Sommer-
hochwasser vorbeigströmt ist; hier liegen Treibholz und Pappelstämme zur Hälfte im
Sand eingebettet. Zurückgebliebene Wasseransammlungen gab es aber nirgends, obgleich
die Tiefe des Bettes unter der Oberfläche des Bodens oft 4 m betrug.
Das Sommerbett hatte noch eine Breite von 40 m. Jetzt wird wieder der Wald mit
einemmal dichter und steht wie dunkle Wände an beiden Ufern. Es sind prachtvolle alte
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