National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books

> > > >
Color New!IIIF Color HighRes Gray HighRes PDF   Japanese English
0069 Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 / Page 69 (Grayscale High Resolution Image)

New!Citation Information

doi: 10.20676/00000262
Citation Format: Chicago | APA | Harvard | IEEE

OCR Text

Der Wald öffnet sich wieder oder geht stellenweise in „köttek" über. Kung-töj ist
ein kleiner Arm des Flusses, der sich bald wieder mit ihm vereinigt. Im Bette standen
eisbedeckte, isolierte Tümpel; eine Brücke führt über den Arm, in der Nähe war eine
Hütte, mit Weizenfeldern umgeben. Dann gelangen wir wieder auf offene Steppe; rechts
lassen wir eine Lagune Ak-köll. Weit in der Ferne ist jetzt Wald sichtbar; hier und da
kleine Sümpfe.

Bei dem ganz kleinen Dorf Teress kreuzen wir den Tarim oder Jarkent-darja; die
Eisscheibe war 156 m breit, aber an beiden Ufern, besonders am rechten, lagen große
Strecken des Sommerbettes trocken, in dem Treibholz im Thon und Schlamm zur Hälfte ein-
gebettet war. Jetzt sieht man fast nirgends Wald. Im NW, am linken Ufer des Flusses,
erheben sich einige isolierte Dünen, wo Sultan Mahmuds Masar gelegen sein soll. Auch
am linken Ufer breitete sich eine zugefrorene Lagune aus, und dann erreichen wir einen
„östäng" (Kanal), der zum Dorf Tjimen führt. Der Fluß soll drei Monate gefroren sein,
und bis jetzt geht Mitte März auf, worauf aber noch während ein paar Wochen Eisschollen
von oben mit dem Wasser herabtreiben. Das Schmelzen des Eises verursacht, wie in
Khotan- und Kerija-darja, eine Frühlingsflut, wonach das Wasser schnell immer niedriger
wird, so dafs der Fluß an mehreren Stellen und ohne die geringste Schwierigkeit zu Pferde
gekreuzt werden kann. Im Juni kommt die Sommerflut, die im Juli ihr Maximum er-
reicht; das mächtigste Hochwasser dauert 1½ Monat; dann fällt es wieder allmählich, bis
es gefriert. Ein Mann, der 66 Jahre alt war, versicherte, dafs, so weit er sich erinnern
konnte, der Fluß immer durch dieses Bett geflossen war; früher war jedoch der Atjik-
darjasi viel größer gewesen als jetzt. Der Fluß wird bei Tjimen Jarkent-darja genannt;
wenn das Eis verschwunden ist, tritt hier eine Fähre in Wirksamkeit, die aus zwei aus-
gehöhlten Pappelstämmen besteht und jedesmal ein Pferd und 10 Mann befördern kann.

Tjimen besteht aus etwa 100 Höfen, die sehr zerstreut liegen; es gibt einen Bek und
einen „jus-baschi". Einen Bazar braucht man nicht, weil Schah-jar so nahe gelegen ist.
Gebaut werden Weizen, Mais, Gerste, Melonen und in geringer Menge Reis. Die Burane
sind ziemlich selten, fangen Ende März oder Anfang April an; vorherrschend ist Nordwind,
Ostwind ist weniger allgemein, Westwind selten. In diesem Jahr war kein Schnee
gefallen, sonst bisweilen bis 20 cm. Im Frühling und Frühsommer beginnt die Regenzeit;
jedes Jahr regnet es wenigstens einige Tage, obgleich nicht viel.

In diesem Zusammenhange möchte ich die wichtigsten Waldgebiete am rechten Ufer des Jarkent-darja
vom Tjimen nach der Mündung des Khotan-darja erwähnen, es sind: Kongartjak-bel, Kobbusak, Mal-pischti,
Khanoki-dung, Taj-tyschti-köll, Pakkalik, Tjolluk, Kartjaga-djaj, Tura-tograk, Schakhlik, Ala-köjlek, Jigde-
tjöll, Khada-dung, Schum-uluk, Ak-jar, Kargadan-kotan, Kogunluk, Kajulasch, Jubuk, Tjong-koschlasch (wo
die beiden Flüsse sich vereinigen), Kara-dung und Sil.

Von Tjimen führt ein Weg in nördlicher Richtung nach Schah-jar, der drei kleine
Bewässerungskanäle auf Brücken kreuzt. Bei Seghislik ein Sumpf mit üppigen Weideplätzen,
einigen bewachsenen Sanddünen, sonst ebene Steppe, hier und da mit Gebüsch; Terek ist
ein Dorf, Jangi-bag ein ziemlich großes Dorf mit dem Masar von Gymysch Kösslik Attam
(„der Vater mit den Silberaugen"). Rechts verlassen wir das große Dorf Tjahr-tag und
links Buran, und dann erreichen wir Schah-jar selbst.

Schah-jar ist eine kleine Stadt von etwa 300 Häusern; es gibt hier einen Bek, zwei
„min-baschis" und einige „jus-baschis", einen „sia" oder chinesischen Steuereinnehmer mit
drei Gehilfen. Die Bauart ist dieselbe wie sonst überall in Ostturkestan, dieselben arm-
seligen Lehmhäuser mit flachen Holzdächern; ein „khaneka" und zwei „medressen" sind die
bedeutendsten Gebäude. Gebaut werden Reis, Weizen, Gerste, Mais, Aprikosen, Trauben,
Pfirsiche, Äpfel, Birnen, Melonen, Baumwolle, und in geringer Menge wird Seidenkultur
getrieben. Die Äcker werden im Frühling, nicht im Herbst besäet; in Kutjar säet man
dagegen sowohl im Frühling wie im Herbst. Die wichtigsten Exportprodukte sind Schafe,
Felle und Wolle, welche nach Ak-su ausgeführt werden; dieser Handel liegt in den