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0073 Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 / Page 73 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000262
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in ein paar Arme, welche Alluvialinseln umfließen. Der Wald wird wieder allmählich
dichter, aber sehr verwickelt, weil die Hirten im Frühling schonungslos die jungen Pappeln
für die Schafe abhauen, wobei die trockenen Zweige liegen bleiben. Der Wald heißt
hier Hadschi-nam und es gibt hier einen Masar desselben Namens. Einige Häuser waren
hier von mehreren Hirtenfamilien bewohnt. Die „kotans" oder Schafbürden bestanden aus
1½ m hohen, vertikal in den Boden eingetriebenen Pfählen. Links verlassen wir den Masar
Busrugvar Khodjam. In der Gegend Tuppe-teschdi waren unbewohnte „sattmas" allgemein.
Am Ufer eines jetzt trockenen Armes des Flusses lagerten wir. Der Hauptfluß war durch
Wald und Kamischfelder verborgen.

Von Tuppe-teschdi nach Sarik-buja. Ein Hirte erzählte, dafs auch am
rechten Ufer in einer Gegend Kök-köll Hirten wohnten, dafs der Atjik-darja zwei Tage-
reisen entfernt sei, der Intjikke-darja nur einen halben Tag. Die ersten Waldgebiete des
Tagesmarsches hießen Pakka-tam und Tjong-tam. Der Weg führte jetzt eine lange Strecke
durch außerordentlich mächtigen Kamisch, bis 3 m hoch. Kellälik ist ein sehr ausgedehntes
Waldgebiet, wo wir die ersten Kutjar-Hirten trafen. Eine Gegend mit „sattmas" wurde
Terem genannt; das Wort bedeutet „bebaute Stelle, Ackerbau" und ist nicht dasselbe
Wort wie Tarim, welches im Lop-nor-Dialekt „fließendes Wasser" oder Fluß bedeutet; hier
ist aber das Wort Tarim für den Fluß ganz unbekannt; er wird entweder Ugen- oder
Jarkent-darja genannt. Streckenweise führt wieder der Weg dicht am Ufer entlang.

Im allgemeinen ist das linke Ufer viel mehr ausgeprägt — 1½ bis 2 m hoch und
senkrecht — als das rechte, wo der Boden sehr langsam steigt, aus Alluvionen besteht,
und reich an kleinen Inseln und Sandbänken ist. Der Fluß ist sehr mäandrisch und
macht große, scharfe Schlingen. An einigen Stellen hat das Wasser so kräftig das linke
Ufer ausgewaschen, dafs hier die Tamariskenkegel im Durchschnitt entblößt sind, und man
hier gute Gelegenheit bekommt, wahrzunehmen, dafs die Wurzeln der Pflanzen wie ein
Skelett den ganzen Kegel durchsetzen.

Jeden Tag wird jetzt das Eis mehr und mehr porös; im Laufe des Tages bilden
sich an den Ufern meterbreite, offene Rinnen, die jedoch noch während der Nacht zu-
frieren, und bei Terem strömte sogar das Wasser einige Meter vom linken Ufer in einer
von Eis ganz und gar befreiten Rinne. Es knackt und knallt im Eise, wo sich schon
große Spalten gebildet haben, infolge des von oben andringenden Schmelzwassers. Hier
und da kreuzen wir Betten und Alluvionen, die vom Hochwasser überschwemmt werden;
im Bett sind höchstens einige dünne Eisschollen zurückgeblieben und Treibholz im Schlamme
stecken geblieben. Tamariskenkegel sind jetzt sehr allgemein.

Bei Sarik-buja lagerten Kutjar-Hirten mit einigen hundert Schafen; die Wolle wird
im April und August geschoren; die Hirten bekommen ihre Lebensbedürfnisse und anderes
von Kaufleuten, die von Zeit zu Zeit die Reise durch die Waldgebiete machen. Nur über
die allernächsten Umgebungen konnten diese Hirten einige Auskünfte liefern; der Name
Atjik-darja wird hier niemals angewendet; doch wußten sie, dafs zwei kleine Tagereisen
südlich von Ugen-darja ein Fluß, Jarkent-darja, strömte, welcher viel kleiner sei, und an
dessen Ufern auch Hirten wohnten; im Süden davon breite sich das große Sandmeer aus.
Es ist offenbar, dafs hier der Jarkent-darja mit dem Atjik-darja identisch ist. Nur der
Weg nach Kutjar war ihnen bekannt; die Stadt soll 2½ Tagereisen entfernt sein; man
passiert dabei Wald, Steppe und Wüste, bevor man das Stadtgebiet erreicht.

Der Weg geht über Kongaltjak-tam, Atjal, Dumbol-darja und Tim, das erste Dorf von Kutjar. Von
Sarik-buja nach dem Dumbol-darja ist eine Tagesreise. Dieser Dumbol-darja soll teils von Kutjar, teils von
Baj stammen und wird im Winter bei Langschema, im Sommer bei Kongaltjak-tam, wo eine Fähre gehalten
wird, passiert. Im Sommer soll er sich teilweise mit dem Intjikke-darja vereinigen. Langschema ist wenig
oberhalb Kongaltjak-tam gelegen; beides sind einfach die Namen von Waldgegenden. Am Dumbol-darja sollen
viele Hirten leben. Auch das südliche Ufer des Ugen-darja ist bewohnt; südlich von Kellälik finden wir die
Gegend Khadi-dung, oberhalb Sarik-buja den Wald Ugos, unterhalb Sarik-buja Jagde-tegisch, Kosch-kotan,
Ghne-assti und Gudije-keildi.