National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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groſse Waldgegend („tjong tokaj"), welche eine Tagereise im Durchschnitt hat. Hier sollen
14 Hirtenniederlassungen zerstreut liegen, von denen jede etwa 1000 Schafen besitzt;
nur drei sind von Bugur, die übrigen von Jangi-sar, einem Ort östlich von Bugur. Bugur
ist aber als Ort bedeutender, hat vier Beken und 20 Mongolen, die im chinesischen Dienste
stehen. Jangi-sar liegt halbwegs zwischen Korla und Kutjar, drei Tage von jeder Stadt,
hat einen Bek und etwa 500 Höfe. Da nur zufällige Gebirgsbäche die Felder berieseln,
kann Reis hier nicht gedeihen, wohl aber Weizen, Gerste &c.
Im Mai begeben sich die Hirten mit ihren Herden ins Gebirge nördlich von Bugur
und Jangi-sar, wo gut bewässerte, schöne Weideplätze zu finden sind, und wo sie sich drei
Monate aufhalten. In Tjong-tokaj hatte es diesen Winter nur einmal geschneit und zwar
wenig; sehr selten fällt der Schnee bis einen Fuſs hoch. Im Juni und Juli regnet es, die
Regenwolken kommen mit nördlichem Wind. Die Burane fangen Ende März oder Anfang
April an und sind fast immer östlich, nur selten nördlich; sie kommen jeden Frühling
nur ein oder zwei „kattik-burane" oder harte Stürme ein.
Unser Lager befand sich in der unmittelbaren Nähe vom Tja-jan, der jetzt eine Breite
von 14 m, eine mittlere Tiefe von 0,15 m und eine mittlere Geschwindigkeit von 0,2 m
hatte, also etwa 0,42 cbm Wasser in der Sekunde führte. Im Sommer wird der Fluſs so
bedeutend, daſs er nirgendes ohne Boot passiert werden kann; es gibt auch solche an
mehreren Stellen. Die Marken des Sommerwasserstandes waren auch 2 m höher als die
gegenwärtige Wasseroberfläche, die Breite des Flusses steigt wohl bis zu 30 m und die
Stromgeschwindigkeit, nach Beschreibung der Einheimischen, bis nicht weit von einem Meter;
vermutlich führt der Fluſs in der warmen Jahreszeit gegen 40 cbm Wasser. Die Hirten
bestätigten, daſs dieser Tja-jan mit dem Intjikke-darja identisch sei; auch unterhalb Tjong-tokaj
und in Korla wird er nur Intjikke genannt, also nur im mittleren Laufe heiſst er Tja-jan.
Auf der anderen Seite des Tja-jan gibt es in 1 km Entfernung von unserem Lager zwei
Seen: Bostang-köll und Nija-jan-köll, welche beide sehr reich an Kamisch sind. Nach
Süden werden folgende Fluſsarme gekreuzt: Tja-jan, Ugen, Atjik, Jumulag, Tunne-kiss
und Opgan. Gegenwärtig soll von diesen der Ugen-darja der mächtigste sein, der die
gröſste Menge von Jarkentwasser führt. Tunne-kiss führt noch etwas Wasser, Opgan da-
gegen, welcher in alten Zeiten der Hauptfluſs gewesen sein soll, ist ausgetrocknet, da das
Wasser, nachdem sein Bett allmählich mit Schlamm, Treibholz, Kamisch &c. sich verstopft
hatte, in den Ugen überging. Die hydrographischen Verhältnisse scheinen hier ebenso ver-
änderlich zu sein, wie sonst im ganzen Tarimbecken, und diese Veränderungen rufen wohl
auch die Verwirrung in der Nomenklatur hervor. Nach Jumalag-darja soll es 1½ Tage-
reise sein, wo ein Ort, Saldam, liegt. Unterhalb Dung-kotan liegt der Ort Kara-tjumak,
oberhalb desselben Mantjar und Kakti, und im Norden davon Khodjaning-köll. Nach Koria
braucht ein Reiter drei Tage, eine Karawane fünf Tage. Man kreuzt dabei nur den Fluſs-
arm Jangi-su, welcher, wie der Tja-jan, im April und Mai kein flieſsendes Wasser führt,
nur aus einer Reihe abgeschnürter Tümpel besteht, aber im Sommer ebenso mächtig wird,
wie der Tja-jan.
Am 6. März passierten wir die Gegend Ramasau in welcher der Wald allmählich
lichter, aber die Tamarisken zahlreicher werden. Aug-tjekke und Gumbes sind auch Gegenden,
wo Hirten wohnen, die sehr groſse Schafherden hüten. Bei Gumbes berühren wir wieder den
Tja-jan, von dem man einen „tulum" (Sack) Wasser mitnehmen muſs, und dann geht der
Weg nach NNO gegen die Wüste. Der Wald wird allmählich immer lichter und hört endlich
ganz auf; dann finden wir vereinzelte Tamarisken und „köttek" und darauf kleine Sand-
dünen, die bis zu 4 m Höhe wachsen und mit trockenem, hartem Anschwemmungsboden ab-
wechseln; auf einer trockenen, vollkommen ebenen Oberfläche soll Regenwasser zeitweise
stehen bleiben und schnell verdunsten. Saksaul tritt wieder auf; die Gegend wird immer
steriler, und bald haben wir zusammenhängenden Sand vor uns. Der Steilabfall der Dünen
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