National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books

> > > >
Color New!IIIF Color HighRes Gray HighRes PDF   Japanese English
0084 Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 / Page 84 (Grayscale High Resolution Image)

New!Citation Information

doi: 10.20676/00000262
Citation Format: Chicago | APA | Harvard | IEEE

OCR Text

Tjinalga ist ein Dorf von 48 Höfen, Familien, und liegt am Endpunkt eines „arik".
Der Frühjahrsweizen war schon gesäet, übrigens wird Mais, Gerste, etwas Reis, Melonen
und andere Gartenprodukte gebaut. Im Winter fällt Schnee in sehr geringer Menge
und bleibt nicht lange liegen. Die Regenzeit fällt in den Frühling und Sommer, ob-
gleich auch da der Niederschlag sehr unbedeutend ist, aber um so mehr willkommen; nur
wird dadurch das Arikwasser etwas salzig gemacht. Von März bis Anfang Mai treten oft
heftige Stürme aus NNW ein, seltener von S und SW. Auch im Frühsommer weht es,
obgleich schwächer.

Am 22. März verließen wir Tjinalga und ritten über schwach gewellte Steppe mit
spärlicher Vegetation nach Süden. In einer Stunde Entfernung vom Dorfe passierten wir
Bulak („die Quelle"), eine kleine offene Wasseransammlung, wo einige Weiden wachsen.
Dann wird das Gelände ebener; der Boden ist hin und wieder von trockenen Furchen
kleinerer Regenbäche durchschnitten. Links sieht man schwach das Gebirge, rechts
ist die Steppe dichter. Der Boden besteht teils aus feinem Staub, teils aus grobem Sand
und Kies, stellenweise wachsen Tamarisken. Bei Jar-karaul treten sterile, harte Alluvial-
terrassen auf. Bisweilen ist der Thonboden völlig eben wie ein Wasserspiegel und leuchtet
graugelb, vollkommen steril. Gerilghan ist ein kleiner, klarer und tiefer Ufersee am linken
Ufer des Kontje-darja, an dem wir lagerten; hier tritt wieder Vegetation auf, besonders
Pappeln und Tamarisken. Die große Straße Weg nach Dural verläuft westlich von unserem
Wege; sie läuft von Tjinalga nach der Gegend Tjeggelik, wo der Kontje-darja auf einer
Fähre passiert wird, dann nach Intjikke-darja, welcher in der Nähe seiner Mündung auf
einer Brücke gekreuzt wird. Meine Wegweiser behaupteten, dieser Fluß münde nicht in
den Tarim, sondern in einen See, Tjong-köll, ungefähr gegenüber Gerilghan; dann geht
der Weg durch die Gegend Jollbars-baschi nach Karaul, einem Dorfe von 20 Familien, an
der scharfen Krümmung des Tarims nach Süden, und zwischen seinen zwei Armen, von
denen der nördliche Eski-darja, die südliche Tjong-tarim genannt wird. Während der
Hochwasserperiode soll der Eski-darja ungefähr dieselbe Größe haben, wie der Kontje-darja
und eine Fähre ist nötig; während des niedrigen Wasserstandes kann man zu Pferd den
Fluß kreuzen. Unterhalb Karaul vereinigen sich Eski-darja und Tjong-tarim. In der Nähe
von Karaul liegt ein kleiner See, Kökmet-köll, der sehr fischreich sein soll.

Am 23. März ritten wir weiter durch den Wald am Fluß entlang, dessen reines,
klares Wasser lautlos durch das tief eingeschnittene Bett dahinströmt. Der Fluß ähnelt,
wie Intjikke-darja und Tjajan, einem schmalen, tief eingeschnittenen Kanal, und auch hier
sind die Ufer mit Schilf bewachsen. Der Pappelwald folgt in einem schmalen Gürtel den
Ufern; wir verlassen ihn rechter Hand und gelangen wieder auf Tamariskensteppe. Nur in
der Gegend Dung-utak passieren wir wieder einen schmalen Waldgürtel; links verschwindet
Kurruk-tag in der staubgemengten Luft. Bei Saj-tjekke erreichten wir wieder den Fluß,
der hier so reich an Schilf ist, daß nur in der Mitte eine schmale Rinne offenen Wassers
sichtbar ist. Die Luft war still, und wegen des Staubnebels stieg die Insolation um 1 Uhr
nachmittags nur auf 35,5° C.; das Flußwasser hatte gleichzeitig 4,9° bei einer Lufttemperatur
von 13,4°; im kleinen Ufersee von Gerilghan hatte das stillstehende Wasser 6,6° um
dieselbe Zeit des vorhergehenden Tages (14,5° Lufttemperatur). Eis gab es nirgends; das
letzte war vor ungefähr einer Woche aufgegangen. Bemerkenswert ist, daß das Flußwasser
in dieser Jahreszeit ein wenig kälter ist, als in Korla, was wahrscheinlich darauf be-
ruht, daß es bei der Stadt direkter vom Bagrasch-köll kommt, wo das Eis, wegen seiner
für die Stürme mehr bloßgelegten Lage, früher aufgeht, wogegen das Wasser unterhalb
Korla in tiefen, geschützten Flußbette noch hier und da Eisschollen passieren muß und
dadurch abgekühlt wird.

Ende April soll das Wasser ganz beträchtlich sinken, aber auch soll der Fluß
wegen der tiefen, schmalen Form des Bettes nicht passierbar sein. Im August und Sep-