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0085 Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 / Page 85 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000262
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tember steigt es wieder schnell, bis es im Spätherbst und Anfang des Winters seinen
höchsten Stand erreicht, welcher ungefähr 1 m höher als der jetzige ist. Dann gefriert
es, wobei das Eis fast in demselben Niveau wie der Boden liegen soll, so dafs die
„arabas", welche Brennholz holen, ohne Schwierigkeit passieren können. Das Eis bleibt
3½ bis 4 Monate liegen. Dafs der Flufs also hier Hochwasser- und Niedrigwasserperioden
hat, kann zuerst eigentümlich erscheinen, da der Zufluss unterhalb der Brücke von Korla
immer derselbe ist, aber das Verhältnis beruht, wie meine Führer mit Recht hervorhoben,
darauf, dafs der Flufs, der ja an und für sich nicht sehr grofs ist, eines höchst beträcht-
lichen Teiles seiner Wassermenge während gewisser Jahreszeiten für die Bewässerung der
Felder um Korla beraubt wird. Die Bewässerung übt demnach einen sehr bedeutenden
Einflufs auf den Charakter dieses Flusses aus, und die Hochwassermöglichkeit ist nicht ausgeschlossen,
dafs der Aufschwung im Ackerbau, welcher unter dem Schutze der chinesischen Verwaltung
in vielen Teilen von Ostturkestan während der letzten 20 Jahre stattgefunden hat, im
großen und ganzen zur schnellen Abnahme der Wassermenge des Lop-nor beigetragen
hat. Beim Kontje-darja herrscht dagegen das eigentümliche Verhältnis, dafs die Hochwasser-
periode im Winter eintritt, wenn die ganze Wassermenge durch das Bett hinunterströmt,
während das Niedrigwasser im Frühling und Vorsommer eintrifft, wenn der Flufs für die
Bewässerung der Äcker gebrandschatzt wird —, also der Gegensatz des gewöhnlichen Ver-
hältnisses.
Von Saj-tjekke aus, wo wir jetzt den Flufs rechter Hand verlassen mußten, gibt es
stromab immer Wald. Die uns am meisten benachbarten Punkte auf dem großen Lop-
wege sind der Gasthof Jallgus-tograk und das Dorf Ak-tarma. Am ganzen Flusse und be-
sonders an den kleinen Uferlagunen sind Gänse und Enten sehr allgemein. Sie bringen
hier und am Bagrasch-köll den Frühling und Sommer zu und kommen vom Lop-nor.
Nach Saj-tjekke begeben sich keine Lop-Fischer, wohl aber nach den Seen von Dung-utak.
Am 24. März. Wir verlassen also den Flufs mit seinem Waldgürtel und reiten den
ganzen Tag über Wüstenboden und Steppe, welche teils eben, teils mehr oder weniger ge-
wellt sind. Die Beschaffenheit des Bodens wechselt übrigens immer; bald ist es harter,
ebener Sandboden, bald reiten wir über harten, in Spalten zersprungenen graugelben Thon,
der sich im Wasser abgesetzt hat, was durch temporäre Regenbäche aus Kurruk-tag herbei-
geführt wird. Solche Furchen kreuzen wir von Zeit zu Zeit, und ihre unbedeutenden
Dimensionen zeigen, dafs sie in der That die äufserten Verzweigungen der Regenbäche
sind und dafs sie den Flufs nicht erreichen; die gröfste war nur 2 m breit und 0,5 m tief.
Eine Strecke lang zeigte der Sand eine Tendenz zu rudimentärer Dünenbildung, dann wird
über wieder der Boden harte, ebene, sporadisch mit Schutt bedeckte Wüste. Tamarisken
kommen selten vor, immer auf den hohen, charakteristischen Kegeln thronend. Endlich er-
reichen wir den Wald wieder, wo Pappeln licht zwischen zackigen Sträuchern und Kamisch
wachsen.
Die Gegend, in der wir diesen Abend lagerten, wird Kalta genannt und bietet ein ge-
wisses Interesse dar. Hier breitet sich nämlich von W nach O eine bittersalzige Wasser-
ansammlung aus; an den Ufern stand dichtes Schilfrohr, wo Enten in Menge vorkamen.
Dieses sumpfahnliche Bassin befand sich in einer ziemlich tiefen und markierten Einsenkung
im Boden, welche übrigens einem Flufsbett ähnelte. Sie erstreckt sich wie ein schmaler,
mäandrischer Arm nach beiden Richtungen, um sich allmählich in der nebeligen Luft zu
verlieren. Nur bei Kalta enthält das Bett Wasser. Meine beiden Wegweiser versicherten,
dies sei das alte Bett des Kontje-darja, und sie hatten ohne Zweifel recht — es konnte
kaum etwas anderes sein. Kalta befindet sich in einer Entfernung von ein paar „potaj"
vom Ufer des Kontje-darja, aber den ganzen Weg bis zum Flufs sei das alte Bett sehr
deutlich, obgleich trocken; nach unten, d. h. nach Osten soll es sich allmählich wenigstens
streckenweise verlieren. Bei Kalta traten mehrere Süfswasserquellen aus dem Boden zu Tage,