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0094 Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 / Page 94 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000262
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Wie alle Flüsse im unteren Stromgebiet des Tarim-Systems ist auch der Ilek tief in
den Boden eingeschnitten und ähnelt einem von Menschenhand gegrabenen Kanal. Es ist
höchst auffallend, dafs, je weiter wir gegen Osten und Südosten kommen, desto tiefer und
energischer die Flußbetten eingeschnitten sind, obgleich man erwarten sollte, dafs wegen
des kleineren Gefälles bzw. der geringeren Geschwindigkeit des Wassers das Gegenteil
eintreten müsse. 0,61 m über dem jetzigen Wasserstande wurde eine Wasserlinie eines
höheren Standes beobachtet. Vielleicht hatte der Flufs schon jetzt wegen der Bewässerung
in der Korla-Gegend zu sinken angefangen, oder es kommen auch Schwankungen im Ver-
hältnis der Delta-Arme zum Ilek vor; sie können z. B. durch mitgeschlepptes Schilf und
Treibholz verschlossen und dann mit einemmal wieder geöffnet werden, so dafs der Ilek,
wenn auch nur für eine sehr kurze Zeit, steigt. Wenn der Stand 0,61 m höher ist als jetzt,
mufs die Wassermenge bis 20 und 24 cbm steigen.
Der Ilek tritt aus dem Maltak-köll in einer Gegend aus, welche Baj-bulung genannt
wird und unbewohnt ist. Bei Ördek-jagutsch wohnen während des ganzen Jahres Hirten,
die auch Fischfang betreiben; jedoch wechseln sie von Zeit zu Zeit ihre Weideplätze.
Zwischen Ilek und Kurruk-tag breitet sich eine zwei Tagereisen breite sterile Wüste aus.
Während der zwei letzten Jahre soll nach Aussage der Hirten der Ilek nach und nach
gefallen sein. Im Mai und Juni wird das Wasser sehr niedrig, und erst im Oktober fängt
wieder lebhafter Zuflufs an, im November gefriert es, und das Eis bleibt drei Monate
liegen.
Am 2. April folgten wir dem linken Ufer des Ilek nach SO durch hohen, schweren
Sand; es war aber nicht die regelmäfsig gebaute Düne der offenen, freien Wüste, sondern
sehr unregelmäfsige Anhäufungen von Sanddünen. Nur wo die Pappeln etwas dichter
wachsen, ist der Sand niedriger und mehr eben; am rechten Ufer, d. h. zwischen Ilek
und Kuntjekkisch-tarim ist der Vegetationsgürtel viel breiter, der Wald dichter und die
Dünen niedriger, oft rudimentär. Von dem in den Boden tief eingeschnittenen Flufs,
welchen wir in der unmittelbaren Nähe rechts haben, sehen wir nicht viel; er wird durch
die Vegetation, vor allen Dingen vom hohen, dichten Kamisch versteckt. Der Flufs windet
sich in scharfen Krümmungen und Mäandern, behält aber im allgemeinen ungefähr dieselbe
Breite bei. Es wäre leichter und bequemer gewesen, am rechten Ufer zu wandern, aber
ich wollte eben in dieser Weise eine Kontrolle ausüben, dafs kein Tropfen Wasser nach
einem eventuell östlich gelegenen See unbemerkt entweichen könnte. Auf unserer Wande-
rung gegen SO und S hatten wir auch in der That immer alles Wasser rechts und allen
Sand links, obgleich wir bisweilen wegen der an den Ufern sich am höchsten erhebenden
Dünen kleine Abstecher in deren Gebiet machen mufsten.
In der Nacht zum 3. April wehte ein heftiger östlicher Wind, der so warm war, dafs
die Minimaltemperatur auf 9,9° stehen blieb, und der Wind setzte sich den ganzen folgenden
Tag fort. An einer Stelle hatte sich der Sand in so mächtigen Dünen angehäuft, dafs die
Kamele nur mit Schwierigkeit vorwärts kamen. Hier schien der Wald zurückgedrängt
oder fast im Sand begraben zu sein, aber später wurden wieder die Dünen immer niedriger
und der Wald dichter. Der Sand war hier härter und ebener und mit Gesträuch be-
wachsen. Bei einer von den schärfsten Krümmungen des Flusses, wo sich der Sand wieder
auftürmte, wurde die Gegend Turfan-köuruk, d. h. Turfan-Brücke genannt. Es gibt hier
weder Menschen, noch Spuren menschlicher Thätigkeit; der allein in der Einöde zurück-
gebliebene Name zeigt aber offenbar an, dafs hier einst ein Weg von Turfan her den Flufs
gekreuzt hat. Wie meiner Wegweiser, ein Loplik, der 50 Jahre lang sich in der Gegend
aufgehalten hatte, erzählte, soll ein Bek vor etwa 80 Jahren von Zeit zu Zeit aus Turfan
nach dieser Gegend sich begeben haben, um die Steuern ein zutreiben. Er kam immer
von Tograk-bulak und hatte auch über den Ilek eine Brücke gebaut. Diese Brücke und
der Weg waren aber schon längst verschwunden. Der Name Turfan-karaul am Kontje-darja