National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0111 |
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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dem trüben, graubraunen Tarim; der spitze Winkel, in welchem die Wasserzüge zusammen-
fließen, verwandelt sich aber am Austritt zu einem rechten. Die Mündungen der beiden
kleinen Arme sind vom Hauptwege aus, der am rechten Ufer des Tjong-tarim läuft, nicht
sichtbar, und aus diesem Grunde haben die Reisenden, die hier vorbeikamen, diesen wichtigen
hydrographischen Zug nicht erwähnen können. Der Fluß hat fast überall dieselbe Breite,
sein Bett ist jedenfalls sehr regelmäßig gebaut, aber sein Lauf macht die abenteuerlichsten
Windungen, in denen oft nur ein Bruchteil zum Kreise fehlt. Wir rudern daher nach
allen Himmelsrichtungen: N, O, S und W. Auf der Strecke von Schirge-tjappgan nach
Tjeggelik-uj wurden nacheinander folgende Beobachtungen gemacht:
Zuerst begleitet uns auf beiden Ufern schöner Pappelwald, jedoch niemals dicht, viel-
mehr oft unterbrochen und jetzt im vollen Frühlingsgrün prangend. Es war offenbar junger
Wald, denn nirgends waren die mächtigen, dickstämmigen Pappeln zu sehen, wie wir sie
am Ilek und an den nördlichen Seen gefunden hatten; nirgends abgestorbener Wald oder
alte, trockene Bäume und Zweige, die uns früher die älteren Wälder oft fast undurchdringlich
gemacht hatten. Besonders am rechten Ufer sahen wir dagegen hier und da Tamarisken-
kegel, deren äußere Hälften vom Wasser weggespült waren, so dafs man den Bau der Kegel
mit ihrem Skelett von Wurzeln schön blofsgelegt beobachten konnte. Wenn man an beiden
Ufern solche Kegel sieht, mufs man voraussetzen, dafs sie älter sind als der Flufs. Der
Kamisch kommt selten und nur sehr licht vor, im allgemeinen ist das nackte Thonufer
überall sichtbar mit seiner scharf ausgegrabeuen Uferlinie. Je weiter wir nach Süden vor-
rücken, desto lichter und jünger wird der Wald; er kommt jetzt nur in kleinen Gruppen
dicht an den Ufern vor, ist aber oft durch öde Gegenden unterbrochen; die Stämme sind
schlank und dünn, der Baum selbst mit regelmäßig abgerundeter Laubkrone, und wir
suchen vergebens die von Wind und Zeit übel zugerichteten Pappeln des Urwaldes. Vom
linken Ufer sollen nur wenige Kilometer bis zum großen Sand sein, dessen Entfernung
am rechten Ufer dagegen sich auf anderthalb Tagereisen belaufen soll.
Kettmen-kalldi ist eine Gegend, in der wir am linken Ufer eine tief gegen Süden ein-
geschnittene Bucht finden; seine Fortsetzung ist ein altes Flußbett, das sich aber
bald mit dem jetzigen Laufe wieder vereinigt. Der Flufs hat sich, mit anderen
Worten, auf dieser Strecke ein wenig nach Westen bewegt. Dieses Phänomen
ist interessant, besonders wenn es verglichen wird mit der Tendenz der gegen
Norden strömenden Flüsse, nach Osten vorzurücken, denn es spricht für die
Richtigkeit des sogenannten Baerschen Gesetzes. Wir werden jedoch später
Ausnahmen von dieser Regel kennen lernen. Unterhalb dieser Stelle werden die
waldlosen Strecken immer größer, der Kamisch dagegen allgemeiner; Tama-
riskenkegel kommen überall vor.
An anderen Stellen sehen wir sehr eigentümliche und deutliche Umge-
staltungen des Flußbettes. So macht z. B. der Flufs einen fast vollständigen
Kreis oder weiten Bogen und kehrt beinahe auf denselben Punkt
zurück; die Landenge wird aber durch einen kleinen Wasserarm
durchschnitten; dieser Arm hatte in seiner Mitte einen ganz
kleinen See gebildet, Ak-köll genannt. Der Arm war so schmal,
dafs nur ein Kanoe hätte passieren können. Wahrscheinlich
wird der weite Bogen mit der Zeit vom Flufs verlassen und
abgeschnitten werden. Der Höhenunterschied zwischen den beiden
Punkten a und b ist jedenfalls unbedeutend, jedoch ist die Ge-
schwindigkeit des Stromes in dem kleinen Kanal bedeutend größer
als im Flufs. Beweise dafür, dafs in der That solche unnötige
weite Bogen, die natürlich durch die große Ebenheit des Bodens
hervorgerufen werden, wenn der Flufs wie unentschlossen und schüchtern seinen Weg nach
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