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| 0128 |
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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vereinigen, und wo wir also lieber den Namen Koschlasch (Zusammenfluß) erwarten
möchten, wie beim Zusammenfluß vom Kara-kasch und Jurun-kasch oder vom Khotan-darja
und Jarkent-darja. Dafs aber indessen der Name wie ein Beweis einer früheren Bifurkation
noch an seinem Platze zurückgeblieben ist, darf keinem Wunder nehmen. So ist z. B.,
wie Pjewzow gezeigt hat, der Name Kara-koschun viel älter; ein mongolisches Fürstentum
Khara-khoschun lag nämlich vor etwa 400 Jahre SW des jetzigen Seebeckens, und „kho-
schun" bedeutet Fürstentum, hat also gar keinen Sinn für den neugebildeten See. Und
die Benennung Lop-nor ist noch älter und wurde auch von den Mongolen gegeben, die in
alten Zeiten am See lebten. Aber da, wie ich eben an zwei Beispielen, die hundert-
fach aus Ostturkestan wiederholt werden könnten, gezeigt habe, der einst zutreffende und
bezeichnende Name noch Hunderte von Jahren an demselben Punkte zurückgeblieben ist,
nachdem die physisch-geographischen Verhältnisse sich ganz und gar geändert haben, so
ist es auch höchst auffallend und einleuchtend, dafs der Name Lop-nor keineswegs dort an-
gewendet wird, wo jetzt der Kara-buran und der Kara-koschun liegen — denn hier ist
dieser Name vollständig unbekannt —, sondern vielmehr in der Gegend von Kok-ala-darja,
Tikkenlik und Kara-köll.
Als Prschewalskij das südliche Seebecken fand, glaubte er, dafs dieses mit dem Lop-
nor der chinesischen Karten identisch sei. Freiherr v. Richthofen hat diese Auffassung
bestritten. Die russischen Asienforscher verteidigen noch immer die Theorie von Prsche-
walskij. Sie behaupten mit anderen Worten, dafs der jetzige Kara-koschun nichts an-
deres ist, als der Rest des chinesischen Lop-nor, und dafs der See immer an dieser
Stelle lag. Wenn aber dies in der That richtig wäre, so fragt es sich: wie ist es mög-
lich, dafs der uralte Name Lop-nor hat verschwinden können? Wenn der See permanent
gewesen wäre, gewiß hätte dieser alte Name, der einem so ungemein wichtigen geographi-
schen Punkt bezeichnete, ein Name, der weit gegen W als das Endreservoir des Tarims
bekannt war, sich so fest eingebürgert, dafs er nicht ohne weiteres hätte vergessen werden
können.
Man könnte einwenden, dafs damals die Gegend von Mongolen bewohnt war, jetzt
aber von Mohammedanern, die ihre eigenen Bezeichnungen eingeführt hätten. Aber nein,
denn auch Kara-koschun ist rein mongolisch, ebenso eine Reihe von mongolischen geogra-
phischen Namen am Nordfufs des Kwen-lun-Gebirges, z. B. Dalai-kurgan, Lama-tjimin, die
immer in Anwendung blieben, obgleich die Mohammedaner an die Stelle der Mongolen
getreten sind.
Allein der Name Lop-nor ist keineswegs verschwunden; wir finden ihn aber, wie
wir nach analogen Beispielen erwarten sollten, gerade in der Gegend, wo einst der See
lag, von dem allerdings der allergrößte Teil verschwunden ist. Seitdem er vom Tarim
keinen Zuflufs mehr bekam, trocknete er, vielleicht in wenigen Jahren, vollständig aus,
worauf es für den Treibsand eine leichte Sache war, die Spuren das alten Beckens zu
verschütten. Ich habe oben gezeigt, dafs die nördlichen Seen, obgleich entstellt und
verschoben, die letzten Reste des alten Sees darstellen. Und hier finden wir noch den
Namen — selbst die Kaufleute von Kaschgar kennen Lop, d. h. Dural mit umliegender
Gegend —, obgleich der einst mit demselben bezeichnete See nicht mehr vorhanden ist.
Kuntjekkan Bek erzählte weiter, dafs gleichzeitig mit der Bildung des Ettek-tarim
das alte, nach Merdek gerichtete Bett austrocknete, ebenso bezeichnete an ihm gelegene Seen,
das Wasser strömte nun im Bett des Ettek gegen Süden, um den neuen Lop-nor von
Kara-koschun zu bilden. In einem Alter von 25 Jahren verließ deshalb Numet Bek mit
seiner ganzen Umgebung Kovna-Abdal („das alte") und begab sich nach dem heutigen Abdal,
dessen Gründer er wurde. Sein Vater, Mattias, und der Vater desselben, Yssym-kullu,
hatten beide in Kovna-Abdal gewohnt; weiter zurück an der Vergangenheit wußte Kun-
tjekkan Bek nichts zu berichten. Wir werden weiter unten finden, dafs Pjewzow 6 Jahre
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