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Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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bekannt, spricht Marco Polo nur von der Wüste Lop und der Stadt Lop, aber nicht von
einem See dieses Namens. Hätte er nur dies gethan, so wäre unser Problem viel ein-
facher gewesen, und wir hätten da für die letzten sechs Jahrhunderte wenigstens einen
sicheren Anhaltepunkt bekommen, denn vermutlich lag doch diese Stadt nicht weit vom
nördlichen Fuß des Astun-tag, wahrscheinlich eben dort, wo Prschewalskij die Ruinen einer
alten Stadt fand. Damals breitete sich im Norden die Wüste aus, welche vor etwa
170 Jahren von Tarim überschwemmt wurde, wodurch der neue Lop-nor gebildet wurde.
Wir haben gefunden, dafs der See sich auch im Laufe von nur 8 Jahren verkleinert. Hätte
er sich vor 620 Jahren an derselben Stelle befunden wie heutzutage, so könnten wir voraus-
setzen, dafs seine Dimensionen höchst beachtenswert gewesen wären. Die Stadt Lop hätte
dann zweifelsohne eben am Ufer dieses großen Sees gelegen, und Marco Polo hätte kaum
seine physisch-geographische Lage mit den folgenden Worten bezeichnet: „Lop ist eine
große Stadt am Rande der Wüste, welche die Wüste Lop heißt", wo es also besonders
hervorgehoben wird, dafs die Stadt am Rande einer Wüste und nicht eines Sees lag.
Über den Kara-koschun sagt Prschewalskij mit Recht (S. 292), dafs dieser See eigentlich
nur ein ausgedehnter Schilfssumpf ist. Die Breite schätzte er in der Mitte auf 20 Werst, und
dann sagt er: „Hier hört der Tarim auf, ein Flufs zu sein, aber bildet in nordöstlicher Rich-
tung eine ausgedehnte Überschwemmung sehr seichten Wassers, überall mit mächtigem Schilf
überwachsen. Durch Fragen erfuhren wir, dafs dieses Wasser stillstehend, von rötlicher
Farbe und sehr salzig ist. In seiner westlichen Hälfte, wo der Lob-nor beständig durch
den Tarim aufgefrischt wird, ist das Wasser vollkommen süfs."
Die Erscheinung, dafs nur ein Teil eines Sees süfs, sonst aber salzig ist, ist in Zentral-
Asien keine seltene. Es beruht dies natürlich immer auf derselben Ursache: nämlich das
Ausmünden eines oder mehrerer Flüsse oder Bäche irgendwo am Ufer. Ein großes Beispiel
bietet das Kaspische Meer dar, wo der Salzgehalt vom Wolgadelta nach Süden immer steigt.
So fand auch Prschewalskij auf seiner dritten Reise, dafs das Wasser am östlichen Ufer des
kleinen Sees Baga-syrtyn-nor im nördlichen Tsajdam süfs war, während die westliche Hälfte
salziges Wasser hatte und eine Kruste kristallisiertes Salz am Ufer zeigte. Vom Pangong-
See auf der Grenze zwischen Ladak und Tibet schreibt Oberst H. Trotter (J. R. G. S.,
Vol. XLVII, 1877, S. 91): „Es ist eine sonderbare Thatsache, dafs das Wasser am öst-
lichen Ende süfs und gut zum Trinken ist, während es am westlichen sehr salzig ist."
Von demselben See, welchen er Tsomognalari nennt, schreibt Hermann von Schlaginit-
weit („Reisen in Indien und Hochasien", Band III, S. 163): „Eigentümlich ist die Wahl
des Namens Tsomognalari, da derselbe als ‚Süfser (trinkbarer) See in den Bergen' mir
interpretiert wurde . . . . Für den unteren See, der sogar zu den salzreichsten unter den
größeren der tibetischen Seen gehört, trat mir diese Deutung zunächst als ein lucus a non
lucendo überraschend entgegen. Sie ist wohl als eine Übertragung der Bezeichnung des
oberen, trinkbaren Teiles auf den ganzen See zu verstehen."
Von der damaligen Niederlassung Kara-koschun aus wurde, sagt Prschewalskij, die
Wassermenge allmählich immer kleiner, um endlich etwa 40 Werst weiter vollständig auf-
zuhören. „Vor 8 bis 10 Jahren, als die Wassermenge des betreffenden Sees größer war,
erstreckte sich sein östliches Ende, nach Mitteilung der Einheimischen, in der Form eines
schmalen (5 bis 7 Werst im Durchmesser) Keiles bedeutend weiter nach NO (nach dem
Meridian des Baches Dschaskan-saj). Jetzt gibt es hier kein Wasser, das Schilf ist ver-
trocknet und von den Stürmen niedergeschlagen." Die größte Tiefe gibt Prschewalskij jetzt
zu 15 Fufs an. Dann heifst es: „Im allgemeinen war die Wassermenge des Lob-nor bei
unserem gegenwärtigen Besuch des Sees beträchtlich geringer, als vor 8 Jahren. Dieses
Fallen fing, nach Aussage der Einheimischen, etwa 5 Jahre, nachdem wir den See verlassen
hatten, an und beruht natürlich auf der Abnahme der Wassermenge, welche vom Tarim
mitgebracht wird. Und diese letzte Erscheinung erklären dieselben Einheimischen durch
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