National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
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Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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schnell zusammengeschrumpft ist, dafs er den etwaigen Wald in weiter Ferne von den
jetzigen Ufern verlassen hat, aber nein, irgendwo hätte wohl der Wald nachkommen können;
allein, soweit das Auge reicht — nicht ein Baum neu oder alt!
Pjewzow erzählt (S. 306), dafs in einer gewissen Entfernung vom NW- und SO-
Ufer sich Sanddünen ausbreiten und dafs die Grenzen dieser Sandgürtel mit den jetzigen
Ufern parallel sind; der Zwischenraum wird von Salzmorästen angefüllt; beide Erscheinungen
beweisen, dafs der See zusammenschrumpft.
Kara-buran wird von Pjewzow Kara-boën („Schwarze Landenge") genannt. Alle
anderen Reisenden, von Prschewalskij an, kennen nur den Namen Kara-buran; da aber
gewöhnlich das r nicht hörbar ist, hat Pjewzow „buan" als „boën" verstanden, wie er
auch Tjakalik anstatt Tjarkhlik und Akka-tag anstatt Arka-tag schreibt. So habe ich viel-
leicht ein ähnliches Mifsverständnis begangen, wenn ich die Gegend SSW von Abdal Miau
nenne; Pjewzow schreibt nämlich Muran, und beide Namen bezeichnen offenbar denselben
Punkt am Bache Dschakhan-saj (Djahan-saj). In diesem Falle ist es schwer zu bestimmen,
welcher Name richtig ist, denn beide sind fremd: „mian", persisch, bedeutet zwischen oder
in der Mitte, z. B. Mian-du-ab (eine Gegend zwischen zwei Gebirgsbächen im Elburz)
und „muran", mongolisch, bedeutet Flufs. Hier ist also Muran wahrscheinlich der richtige
Name.
Pjewzow berechnet im Herbst 1890 den Umkreis des Kara-buran zu etwa 60 Werst.
Er begeht den Irrtum (S. 307), die Hochwasserperiode des unteren Jarkent-darja in den
Mai zu verlegen. In der That tritt dieselbe im Oktober ein, eben um die Zeit, als die
Expedition sich hier aufhielt. Im Juni kommt das Hochwasser in den Raskan-darja, sowie
auch in den Ak-su- und Khotan-darja, welche zusammen den unteren Tarim bilden; dafs
dieses Hochwasser erst im Mai nach dem Lop-nor gelangen sollte, ist offenbar unmöglich.
Im Mai habe ich die erwähnten Flüsse erst anfangend energischer zu werden, obgleich ich
noch Ende Mai 1896 den Jurun-kasch ganz unbedeutend fand. Es ist schon viel, dafs das
Hochwasser des Raskan-darja 4 bis 5 Monate unterwegs ist, um bis nach dem Lop-nor zu
gelangen. Eine ganz rohe Berechnung sollte eine ungleich kürzere Zeit ergeben. Wenn
wir die Entfernung zwischen Abdal und Jarkent zu 1280 km rechnen, und eine mittlere
Geschwindigkeit des Stromes im ganzen Lauf zu 1 m annehmen, müfste das Wasser nur
15 Tage brauchen, um von Jarkent nach Abdal zu gelangen. Aber in der fast zehnmal
größeren Verzögerung spielen mehrere andere Faktoren mit. Nachdem die Frühlingsflut,
welche durch das Schmelzen des Eises veranlasst wird, herabgekommen ist, wird die Wasser-
menge im ganzen Flufsbett minimal. Es gehört also erstens eine ungeheure Wassermenge
dazu, das ganze Bett wieder zu füllen, und dieser Vorgang nimmt vielleicht ein paar Monate
in Anspruch. Hierzu kommt, dafs der Flufs eine Menge Krümmungen und Windungen
macht, welche in der Zahl 1280 km aufser Acht gelassen sind; schliefslich müssen eine
unzähliche Reihe von Lagunen, Sümpfen und Uferseen gefüllt werden, bevor die übrige
Wassermenge ihren Weg ungehindert zum Endziel fortsetzen kann. Bei großen Strecken,
wo das Bett sehr breit ist, wird auch die Strömungsgeschwindigkeit viel geringer. Kein
Wunder also, dafs das Hochwasser so lange unterwegs ist.
Freilich fällt das Wasser bei Abdal nicht beträchtlich im Laufe des Winters, aber
vom April an schnell. Zwischen dem Kara-buran und dem Kara-koschun mafs Pjewzow
die Stromschnelligkeit zu 4 Fufs in der Sekunde, Roborowskij beim Austritt des Flusses
aus dem Kara-buran zu 5 Fufs, ich aber fand sie bei Abdal nie mehr als 1 Fufs. Im Ok-
tober mufs nämlich, eben wegen des Hochwassers, die Stromgeschwindigkeit bedeutend gröfser
sein als im April; wahrscheinlich bezeichnen jedoch nicht die 4 Fufs von Pjewzow das
Mittel, sondern die Geschwindigkeit der Strömung; so fand ich im April bei Abdal die
mittlere Geschwindigkeit von 0,36 m, aber in der Strömung 0,62 m in der Sekunde.
Dann sagt Pjewzow ferner (S. 307): „In der fernen Zeit, als der Jarkent-darja
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