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Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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Weg, welcher oberhalb der alten Stadt durch einen an Sand ärmeren Teil der Wüste
führte. Roborowskij scheint die Höhe der Sanddünen zu übertreiben, die sich an beiden
Seiten des Flusses erheben. Er sagt, dafs sie bis 360 Fufs (110 m) über die Oberfläche
des Flusses reichen. Auch in der Mitte der Takla-makan-Wüste sind die höchsten Dünen nur
200 Fufs (60 m).
„Von der Gegend Kijn-lajka (S. 70) wendet sich der Tjertjen-darja fast gerade nach
Osten und der Charakter seines Thales verändert sich beträchtlich. Die flachen Ufer des
Flusses erheben sich wie Erdwälle, welche ihn in der Hochwasserperiode zu überschwemmen
hindern. Die Wäldchen und Gruppen von Pappeln in dem Thale werden in je weiterer
Entfernung von der erwähnten Gegend nach Osten allmählich immer seltener und ver-
schwinden 30 Werst davon, um dichten Kamischbeständen Raum zu machen. Zum Ver-
schwinden des Waldes im Thale des unteren Tjertjen-darja tragen die Lob-nor-Hirten viel
bei, indem sie im Sommer ihre Schafherden hierher hineintreiben, um dieselben teilweise
auch mit den Blättern der Pappeln zu füttern, welche sie deshalb schonungslos fällen."
Die hier mitgeteilte Thatsache ist von hohem Interesse, die Erklärung aber unwahr-
scheinlich. Die wenigen Lop-nor-Hirten mit ihren kleinen Herden können um so weniger
den Wald ausrotten, als die Schafe hauptsächlich von Kamisch leben. Und wenn die Auf-
fassung Roborowskijs auch richtig wäre, so fragt es sich, warum sind nicht die Wälder
des Ugen-darja und anderer Gegenden des Tarim-Systems schon längst ausgerottet, wo doch
die Bevölkerung fast ausschließslich von Schafzucht lebt.
Nein, die Erklärung ist viel einfacher und natürlicher. Vom Oberlauf nach dem Unterlaufe
(wobei wir natürlich nur den Gürtel betrachten, wo überhaupt Wald vorkommen k a n n) nimmt
der Waldreichtum am verhältnismäfsig neugebildeten Flusse ab, weil der Wald sich in der
Richtung des Stromes entwickelt und verbreitet hat, in derselben Weise, wie wir es schon
am unteren Tarim fanden. Es ist gewifs nicht blos ein Zufall, sondern vielmehr ein auf-
fallendes Faktum, dafs der Punkt Kijn-lajka (eigentlich Keng-lajka = „breiter Alluvial-
boden"*), von wo aus nach Roborowskij der Wald allmählich aufhört, in fast genau der-
selben Entfernung von der Mündung des Tjertjen-darja in den Kara-buran liegt, wie der
Punkt am Tarim, Ajrilgan, von wo aus der Wald auch unten abnimmt
und verschwindet, von seiner Mündung in denselben See sich befindet — oder etwa 70 Werst.
Auch die Strecken des Unterlaufes der beiden Flüsse, die gänzlich waldlos sind, sind un-
gefähr von derselben Länge. Wir finden, mit einem Worte, an beiden Flüssen genau
analoge pflanzengeographische Verhältnisse. Diese Thatsache redet eine sehr deutliche
Sprache für die Richtigkeit meiner hier oben entwickelten Theorie, dafs die gegenwärtigen
Unterläufe des Tjertjen-darja und des Tarim (von Kara-buran an), die sich auf einer fast
geraden von SW nach NO erstreckenden Linie befinden, gleichzeitig und zwar durch
Niveauveränderungen am nördlichen Fuße des Astun-tag gebildet worden sind. Dafs dies
für den unteren Tarim der Fall war, bewies schon die Überlieferung. Die Beschreibung
Roborowskijs zeigt, dafs am unteren Tjertjen-darja die Verhältnisse genau dieselben sind.
Seite 72 gibt Roborowskij noch folgende wichtige Nachricht: „Die Niederlassung Lob
besteht aus 12 Kamischhütten, auf dem emporstiegenden, trocknen Ufer des Kanals zer-
streut liegend, welchen die Einwohner als ein altes Bett des Tjertjen-darja betrachten.
Nach ihrer Aussage mündete früher in dieses Bett 6 Werst westlich von der Niederlassung
Lob der Flufs Tarim ein, welcher heutzutage nördlich von dieser Niederlassung strömt.
Das alte Bett des unteren (meridionalen) Tarim, Ketek-tarim genannt, ist auf der Strecke
von der Gegend Ajrilgan bis zum selben Sumpfe (Kara-buran) noch heutzutage klar und
deutlich, und in seinen oberen Teilen wachsen noch heute Pappeln, welche auf unter-
irdisches Durchsickern von Wasser hindeuten, und in den unteren Teilen desselben Bettes
finden sich Stümpfe von solchen Bäumen."
Die Existenz dieses Flufsbettes ist nach den von Pjewzow, Roborowskij, Bogdanowitsch
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