National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0185 |
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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links ausbreiten; sonst ist der Boden licht mit Steppenpflanzen und Kamisch bewachsen.
Nur an einem Punkt kreuzt der Weg quer über einen spitzen, gegen NO vorspringenden
Ausläufer des Sandes; die steilen Seiten der Dünen sind nach W gerichtet. Von dem
Kulminationspunkt des Dünenausläufers haben wir eine ausgedehnte Aussicht nach allen
Richtungen: im N breitet sich der Wald aus, nur hier und da von kleineren Dünen unter-
brochen; im S haben wir das sterile Wüstenmeer; der Sand ist hier grobkörniger als
in den inneren Teilen der Wüste, die Dünen flacher und nicht so regelmäßig gebaut.
Durch Kleinwald und Tamariskenkegel erreichten wir den „örtäng" Tjapan-kalldi, dessen
verhältnismäßig gutes Stationshaus von den Chinesen vor Jakub Beks Zeit erbaut sein soll.
In den drei dort befindlichen Brunnen steht das Wasser 70 cm unterhalb der Oberfläche
des Bodens. Sämtliche Karawansereien auf diesem Wege waren jetzt unbewohnt.
Von hier aus geht der Weg nach dem Tjertjen-darja in nordwestlicher Richtung und
führt zuerst durch Tamariskenkegel, niedrigen Sand, hier und da steht eine Pappel. Im
S jenseits des Sandes sehen wir deutlich die Umrisse des Astun-tag. Tjingelik ist eine
isolierte Pappelgruppe, Jakka-tograk eine Pappel an der Seite eines Brunnens. Über einen
schmalen mit Kamisch bewachsenen Steppengürtel erreichen wir wieder den fast vegetations-
losen Sand. Die Dünen werden allmählich höher und haben hier eine regelmäßige Form,
mit den steilen Abhängen nach SW gerichtet. Der Sand ist hier nicht zusammenhängend,
sondern von kleineren Steppenpartien unterbrochen. Von der Höhe der letzten Düne wurde
der Tjertjen-darja mit seinem Vegetationsgürtel sichtbar, und jenseits desselben die große
Wüste, die sich bis zum Ugen-darja erstreckt. Von hier aus breitet sich nun bis zum
Fluß eine mit Tamarisken und Kamisch bewachsene Steppe aus. Der Punkt, an dem wir den
Tjertjen-darja erreichen, heißt Leschkär-sattma. Am linken Ufer breiteten sich hier üppige
Kamischfelder aus, wo Hirsche weideten; auch Wildschweine sollen allgemein sein, wogegen
der Tiger nicht vorkommt. Jedes Ufer wird von einem kleinen Waldgürtel gefolgt; Jumulag-
tokaj ist eine hier verlassene „sattma".
Nachdem wir eine halbe Stunde dem rechten Ufer stromaufwärts gefolgt waren,
kreuzten wir das Bett. Der Fluß hatte hier eine Breite von 17 m, eine Maximaltiefe von
81 cm, eine größte Geschwindigkeit von 1 m und eine Wassermenge von 13,8 cbm; die
große Geschwindigkeit war hier auf dem doch ebenen Lande auffallend. Das Wasser war
sehr trübe und hatte eine Temperatur von 19,4°. Die Wassermenge war also schon jetzt
nicht unbeträchtlich; an der Mündung teilt sich der Fluß, wie Roborowskij gezeigt hat,
in eine Menge Deltaarme, die sich in den Kara-buran ergießen und wohl in hohem Grad
zur Existenz dieses Sees beitragen. Anfang Juni wird der Fluß sehr groß und wasser-
reich, wenn das Schmelzen des Schnees im Gebirge anfängt; die Hochwasserperiode dauert
bis Ende August, worauf der Fluß von Tag zu Tag kleiner wird; jedoch strömt den ganzen
Winter etwas Wasser unter dem Eise, das 3 Monate liegen bleibt; weiter unten soll der
Fluß streckenweise nicht gefrieren, weil dort Quellen zu Tage treten. Lop ist im Delta
der einzige bewohnte Ort. Dorthin führt am rechten Ufer ein Pfad „maltji-joll" (Hirten-
Weg), der sehr selten benutzt wird und welcher von Roborowskij aufgenommen worden
ist. Von Jumulag-tokaj erstreckt sich der Pappelwald vier Tagereisen nach unten, um dies-
seits des Deltas aufzuhören.
Inzwischen windet sich der Fluß in scharfen Schlingen mit den gewöhnlichen Wei-
tungen, kleinen Inseln, Sand- und Schlammbänken; das Bett ist breit und markiert, und
oft steht am Ufer ein „jar", d. h. der vom Hochwasser abgesetzte, senkrechte, bis 2 m
hohe Uferwall; in den Vegetationsgürteln an beiden Ufern herrschen wie immer an diesen
Flüssen Pappeln, Kamisch und Tamariske vor, die letztern sind jedoch hier weniger zahl-
reich. Tus-agil ist der Name einer „sattma". Eine Strecke weit wanderten wir im jetzt
trockenen Bette eines kleinen Seitenarmes am linken Ufer des Flusses; er wird wahr-
scheinlich nur beim Hochwasser gefüllt, jetzt waren im Bette nur ein paar kleine Tümpel
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