National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 |
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zurückgeblieben. Bakhtemet-sattmasi ist auch eine verlassene Hütte. Hier hatte sich an
einer scharfen Biegung des Flusses ein kleiner Ufersee gebildet, dessen Wasser offenbar
wie am unteren Tarim vom Wind hineingetrieben worden ist; es war ganz klar und von
reichen Kamischfeldern umgeben. Rechter Hand haben wir oft die Sandwüste ganz in
der Nähe.
Das „Lenger" oder Stationshaus von Ak-ilek ist im guten Stande; es ist erst vor drei
Jahren auf Befehl des Ambans von Kerija aufgebaut worden — wie auch mehrere andere
Stationen am südlichen Wege. Es liegt dicht am Ufer des Flusses, der hier sehr breit
und seicht ist. Der Wald ist nirgends so dicht und mächtig, wie am Kerija-darja, Khotan-
darja oder Ugen-darja, doch gibt es hier und da wieder ziemlich mächtige und alte Bäume;
„köttek" kommt vor, ist aber nicht allgemein. Der jetzige Lauf des Tjertjen-darja ist
jedenfalls älter als der meridionale Lauf des unteren Tarim, wo wir nur dreißigjährige
Pappeln gesehen hatten. In der Zeit von Jakub Bek sollen hier im Walde Schafhirten
gewohnt haben, jetzt gibt es aber keine; nur die verlassenen „sattmas" verraten ihre
frühere Existenz. Im unteren Teile des Laufes halten sich nur die Hirten auf, welche
von Tjarkblik kommen, und weiter oben, in der Nähe von Tatran, solche, die in Tjertjen
wohnen, sonst gibt es am ganzen Laufe keine.
Der Weg läuft dann bis nach Tjertjen am linken Ufer, wenn man es überhaupt einen
Weg nennen will — er verschwindet lange Strecken im Sande. Der Wald ist oft sehr
dünn und sporadisch und wechselt mit Kamischfeldern und Tamariskenkegeln ab; auf der
ersten Strecke von Ak-ilek nach Südwesten reicht sogar die Sandwüste bis an den Fluß,
nach welchem die Dünen steil abfallen. Doch haben die verschiedenen Gebiete ihre be-
sondere Namen, so nacheinander: Basch-utak, Buguluk-atts, Ajak-kum-tjakkma, Kara-
dung, Köuruk-tokaj und Kallasste; hier verlieren wir für eine Weile den Fluß aus dem Auge
und reiten über lauter Sanddünen mit schwacher Vegetation. Bei Devin-tokaj erreichen
wir wieder den Fluß; die Dünen haben hier 12 m Höhe. Auch am rechten Ufer ist der
Sand hoch. Hier und da haben sich kleine Inseln im Flußbette gebildet. Ungeachtet des
andringenden Sandes ist das Flußbett jedoch immer breit und ausgeprägt. Dafs wir am
linken, nördlichen Ufer hohen Sand haben müssen, ist natürlich, denn hier breitet sich die
große Wüste aus, deren Dünen von den östlichen und nordöstlichen Winden bis in die
unmittelbare Nähe des Flusses getrieben werden; merkwürdiger ist aber, dafs auch am
rechten, südlichen Ufer die Dünen ebenso hoch und nahe stehen. Die Frage liegt da nahe
auf der Hand: ist es möglich, dafs der Treibsand über den Fluß mit seinem Vegetations-
gürtel getrieben sein konnte? Dies ist nicht wahrscheinlich, denn der Fluß und der Wald
müssen dem Sande und dem Vorwärtsrücken der Dünen ein mächtiges Hindernis in den
Weg gesetzt haben. In meinem Tagebuche stellte ich (4. Mai) die Frage auf, ob es also
möglich sei, dafs die Wüste älter sein könne als der Fluß, aber gab sogleich die Antwort,
dafs eine solche Voraussetzung haltlos wäre, und dafs die einzige Erklärung die ist, dafs der
Flufs in einer Zeit, als schon längst die Wüste da war und sich bis in die Nähe des
Astun-tag ausbreitete, sein Bett geändert haben mufs. Eine Bestätigung der Richtigkeit
dieser Voraussetzung erhielt ich nach Rückkehr von meiner Reise und zwar durch die
Karte Roborowskijs; schon oben habe ich erwähnt, dafs also der Tjertjen-darja sich wie
der Lop-nor gegen Süden geschoben haben. Das Flußbett mit seinem Vegetationsgürtel
hat nicht weniger als 2 km Breite, aber im allgemeinen 5 bis 6 km, und wäre die südliche
Wüste nicht schon da gewesen, als der Flufs seinen Lauf geändert hat, so hätten sich gewiß
der Wald mit seiner bindenden Kraft und das fließende Wasser mit seiner wegspülenden
Fähigkeit zusammengetan, um eine weitere Verbreitung des Sandes zu verhindern.
Die Gegenden von Tusluk-dung und Tjevval-agil sind sehr reich an Dünen und Kegeln,
die dem Vorwärtskommen sehr hinderlich sind; dann zieht der Sand zurück, und der
Wald wird recht dicht; hier liegt ein „örtäng", Sarik-buja genannt. Am rechten Ufer
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