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0192 Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 / Page 192 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000262
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joll" genannt. Dieser letztere wird zu 8 Tagereisen gerechnet, wogegen der Gebirgs-
weg 3 Tagereisen länger ist. Im Sommer benutzt man nur den Gebirgsweg, wo gutes
Wasser überall zu haben ist; Menschen, Weideplätze, Dörfer, alles ist vorhanden, und man
entgeht der Plage der Moskitos. Der Wüstenweg, auf welchem auf dieser Breite der Sand
niedrig ist, wird wegen seiner Kürze im Winter verwendet. Der Bek von Tjertjen über-
nachtete auf seinen Reisen gewöhnlich an folgenden Lagerplätzen: Ketme (mit Brunnen),
Ak-baj (mit Brunnen), Tjingelik (Brunnen), Schudan, wenig östlich des Möllдja-Flusses ge-
legen, Kamagas-bulak. Andere am Bostan-tograk-Fluß, welcher von hier aus ziemlich
weit gegen Norden sich fortsetzen soll; eine Tagereise unterhalb des Weges wohnen Hirten;
Hedeli-schah mit Brunnen; Jar-tongus am Tollan-khodja, wo auch Hirten wohnen, Baliklik
und Nija. Bei dieser Jahreszeit (erste Hälfte von Mai) ist schon dieser Weg, wenn nicht
unmöglich, so doch höchst unangenehm, und zwar wegen der Hitze, Sandstürme und
Moskitos und besonders wegen des bei dieser Jahreszeit salzigen Wasser der Brunnen.
Am 8. Mai raste in der Tjertjen-Gegend ein äufserst heftiger ONO-Buran, der um
2 Uhr nachmittags anfing und mit solchen Massen von Staub und Sand beladen war, dafs
es ganz dunkel wurde und man Licht anzünden mufste. Sogar in die Zimmer der Häuser
regnete der feine graugelbe Staub förmlich hinein, um alle Gegenstände zu bedecken.
Gleichzeitig wuchs der Flufs höchst beträchtlich, so dafs die Irrigationskanäle zum Teil
geschlossen werden mufsten. Dieses Steigen des Flusses hatte jedoch offenbar nichts mit
dem Sturme zu thun, sondern beruhte wohl auf der warmen, klaren Luft der letzten Tage.
Es ist eine lange, einförmige Tagereise nach Att-lasch. Im Gebiet von Tjertjen ist
der Weg noch deutlich und kreuzt Arme und Zweige der „ariken". Lange folgen wir
dem „arik" von Tjörul-meja und passieren das Dorf Dung-mähälle und einen Masar, und
dann haben wir links die „ariken" von Tjörul-meja und Otter, rechts Jangi-arik und dann
endlich den öden, sterilen Stein- und Schutt-„saj" vor uns. Der Weg entfernt sich jetzt
allmählich von den „ariken", die deutliche Spuren von der letzten Überschwemmung aufweisen,
und in denen das Wasser noch so reichlich war, dafs die Bauern hier und da beschäftigt waren,
Dämme aufzuführen oder beschädigte Stellen zu reparieren. Nachdem wir ein breites „sil"-
oder Regenüberschwemmungsgebiet passiert hatten, kamen wir wieder in Sandwüste hinein,
welcher die Dünen zuerst isoliert standen, um aber bald zusammenhängend, steril und immer
mächtiger zu werden. Die steilen Abhänge sind nach Westen gerichtet, obgleich diese
Dünen keinen besonders regelmäfsigen Bau haben, als ob sie von verschiedenen Windrich-
tungen abhängig wären. Es ist natürlich, dafs hier keine Spur von einem Pfad sichtbar
sein kann.
Dann erreichen wir Ajag-tar mit seinem trüben Bach und folgen diesem mehrere
Stunden aufwärts. Es ist, ungeachtet des Namens („tar" = eng) ein 200 bis 600 m
breites Bett, dessen Boden teils aus Schutt, teils aus Thon und feuchtem Schlamm besteht;
es wird von niedrigen Konglomeratterrassen eingeschlossen, durch welche der Bach seine
Furche gegraben hat. Er stammt aus dem Thal Isängän, östlich von Atjan gelegen. Je
höher wir stiegen, desto geringer wurde die Wassermenge, wahrscheinlich weil der Bach
von einem vorübergehenden Regen im Gebirge gespeist war. Die Konglomeratterrassen an
beiden Seiten sind von Sanddünen bedeckt. Tjäsch-diva ist der Name eines kegelförmigen
Hügels im Thal; der Pfad kreuzt oft den Bach; nach oben wird das Thal breiter und
flacher und geht endlich in einen „saj" über. Wir verlassen den Bach zur linken Hand
und kommen wieder in offene Gegend, soweit man wegen des dichten, vom Winde auf-
getriebenen Staubes sehen kann. Jetzt treten sporadische Steppenpflanzen auf.
Att-lasch ist eine öde, sterile Gegend am Fufse einer Konglomeratterrasse, wo die
Karawanen auf dem Wege zwischen Tjertjen und Kopa gewöhnlich rasten. Nur selten
strömt hier Wasser vom Gebirge, und um den Karawanen einen Dienst zu leisten, war
der Amban von Khotan auf die unglückliche Idee verfallen, hier durch das Konglomerat