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0205 Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 / Page 205 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000262
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Das Gebirge zieht sich jetzt mehr zurück und ist nur undeutlich wie eine grau-
blaue Mauer sichtbar. Endlich wird jedoch das Terrain mehr uneben und hügelig, und an
unserem Weg erhebt sich eine Gebirgspartie. Wenn wir näher kommen, finden wir, dafs
hier der Tollan-khodja wie aus einem Gebirgsthor heraustritt. Es ist ein tiefes, ziemlich
breites Bett, jedoch ohne die senkrechten, imposanten Uferwände und die pittoresken Motive,
die wir bei dem Bostan-tograk gesehen hatten. Die Wassermenge war jetzt sehr gering,
trübe und von 10,9° Temperatur; aber wenn „sil-su" kommt,
so ist der Flufs zeitweise unpassierbar. Nach dem oberen
Teil des Laufes gibt es keinen Weg, das Bett ist mit Blöcken
und Geröll versperrt. Nach unten, NW, führt ein Weg
nach Nija.

Am 20. Juli (also auf der Rückreise nach Kapa) um 1 Uhr
hatte der Tollan-khodja eine Breite von 16 m, eine mittlere
Tiefe von 0,4 m, eine mittlere Geschwindigkeit von 1,3 m und
eine Wassermenge von 8,3 cbm in der Sekunde. Im Laufe
des Abends wuchs aber der Flufs schnell und bedeutend und
hatte noch um 8 Uhr des folgenden Morgens etwa 24 cbm
bei einer Temperatur von 11,2°.

Die Gegend, durch welche unser Weg führt, ist, wie wir
schon jetzt gesehen haben, äufserst einförmig, und jedes be-
liebige Profil durch die Gebirgskette im S nach der Wüste
im N sollte immer, oder jedenfalls mit unbedeutenden Ab-
weichungen folgendes Aussehen haben: zuerst der Hauptkamm
des Kwen-lun-Gebirges mit Gipfeln und ewigem Schnee,
dann die steilen, nackten, schneefreien Klippen und Ausläufer,
dann Schuttkegel und Detritusmassen mit spärlicher Vegetation,
darauf folgt ein jedoch oft unterbrochener Gürtel von „jejj-
laus", d. h. grasbewachsene weiche Erdschichten, dann kommen
die Löfsablagerungen und Konglomerate mit den von unserem
Weg gekreuzten „tjappe" und die Steppe, darauf steriler,
harter „saj", der sehr langsam nach N abfällt und endlich
von Sanddünen bedeckt wird; weiter nördlich der untere Weg
mit seinen Brunnen und wenigen Oasen, unterhalb desselben
ein Gürtel von Wald, in dem Pappeln und Tamarisken vor-
herrschen, und endlich die grofse Wüste, welche fast den
ganzen inneren Raum des Tarim-Beckens erfüllt. An der
anderen, nördlichen Seite des Beckens finden wir wieder in
umgekehrter Ordnung und mehr oder weniger deutlich ausge-
sprochen dieselben Gürtel. Nur im Inneren der Wüste bildet
der Tarim-Flufs mit seinen Wäldern, seinen „köttek"-Gürteln
und „schor"-Ebenen eine Unterbrechung.

Aber auch am Südrande des Beckens treffen wir natür-
lich mehrere Abweichungen, indem z. B. der eine oder der
andere Gürtel fehlt oder im Verhältnis zu den anderen verschwindend klein wird; an Breite
wechseln sie selbstverständlich sehr stark. Jenseits des tief eingeschnittenen Tjong-tjapp,
auch Tjukkur-tjapp genannt, folgt eine Gegend, Jetti-tjapp, wo sieben („jetti") jetzt vom
Wasser längst verlassene Furchen die Abhänge durchschneiden; sie werden allmählich
nivelliert, um mit der Zeit zu verschwinden. Der Boden ist hier überall lockerer Löfs,
der Weg ist gut, stellenweise sehr weich und staubig. Der nächste grofse „tjapp" heifst