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0215 Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1
Die Geographische-Wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Reisen in Zentralasien, 1894-1897 : vol.1 / Page 215 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000262
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ader gekreuzt, welche nach Hanguja Wasser führt; dieses Dorf soll noch von zwei andern
„ariken" Wasser bekommen.

Dann haben wir links Gapa, am Wege Dimija und so den zweiten „arik" nach Hanguja; dann Tjahr-bag,
Tjullak-terek, Djidja, Tjahr-bag-basar, Djaj-tograk, Ajmak, Bamija und Oktji; jenseits des letztern fließt der
dritte Kanal nach Hanguja, Hanguja-östäng genannt; an seinem linken, westlichen Ufer ist ein flacher Stein auf-
gerichtet, welcher die Grenze zwischen dem „tabun" oder Distrikt von Khotan und Kerija angibt. Dann folgt der
Kanal Igis-östäng, darauf die Dörfer Jakari-tjalma-uja, Buja und Altulla, wo der Pulur-Weg nach SO abbimnmt,
und endlich Jurun-kasch mit seinem großen Bazar. Das breite Bett des Juran-kasch führte jetzt (27. Mai
1896) kaum 7 cbm Wasser in der Sekunde. Dann gehen wir über Aral (=die Insel«, d. h. das Land zwischen
Jurun-kasch und Iltji-östäng), Iltji-östäng, die Dörfer Schamal-bag und Kontje-tegermen und gelangen zu den
zentralen Teilen der Stadt Khotan.

Von Khotan über Pulur nach Kerija und Nija.

Mit einer neuen Karawane von frischen Pferden und Eseln verließ ich am 29. Juni
1896 Khotan wieder, um mich nach Pulur zu begeben, wo ich die Kwen-lun-Kette zu
kreuzen die Absicht hatte, was sich jedoch später wegen der großen Wassermenge des
Kerija-darja als unmöglich erwies. Wir kreuzten also den Jurun-kasch, der, wie oben be-
schrieben worden ist, jetzt sehr wasserreich war, und dann in umgekehrter Ordnung die-
selben „ariken" wie auf dem Wege von Lop nach Khotan. Hanguja-östäng führte jetzt
zwischen 4 und 5 cbm Wasser in der Sekunde. Da dieses Wasser, wie auch in den
übrigen Kanälen, dem Fluß entzogen wird, so kann man sich vorstellen, daß die Bewässe-
rung eine nicht unbedeutende Rolle spielt in Bezug auf die Zufuhr von Wasser nach dem
Lop-nor. Wir finden also auch hier, wie bei Korla, dafs ein Aufschwung im Wohlstand
der Bevölkerung resp. im Ackerbau in der That eine Verminderung der Zufuhr von Wasser
nach dem Lop-nor bedeutet. Ich habe schon oben diese Frage berührt und gezeigt, wie
schwierig die Bestimmung ist, inwieweit diese Brandschatzung gegenüber dem Hochwasser
und im großen und ganzen eine so wichtige Rolle spielt, dafs nur daraus die Verkleine-
rung des Sees erklärt werden könnte.

Die Vegetation stand jetzt in voller Pracht; in den Alleen, die meistens aus Weiden
und Pappelbäumen bestehen, herrschte tiefer Schatten, und der Weizen war, wie auch die
anderen Getreidearten, dicht und üppig, und in ein paar Wochen sollte er geerntet werden.
Sampulla ist ein wohlhabender „kischlak" mit wasserreichem Kanal. Es sollen hier etwa
200 Familien wohnen, unter einem Bek und 6 „jus-baschia". Reis wird nicht gebaut.
Auf der nächsten Tagereise kreuzen wir noch im Gebiet des Dorfes den „arik"-Arm
Tjakmak-östäng; vom Lenger-östäng geht ein direkter Weg nach Tjira (16 „jotaj"); dieser
Kanal ist in dieser Richtung die letzte Wasserader, welche vom Jurun-kasch ausgeht, und
hier liegt der kleine Gasthof Kutas-lenger. Hier, wo die belebende Bewässerung aufhört,
verschwindet auch mit einemmal jede Spur von Vegetation, man steht wie an einer Küste
und hat ein ödes Meer vor sich. Über die Grenze des „arika" geht nicht so viel wie ein
vertrockneter Grashalm; die Vegetation ist wie mit heißem Wasser weggespült.

Der Pfad kreuzt jetzt harten, gelben Sandboden — es ist dies der traurige, tote, ein-
förmige, langsam zum Fuß des Gebirges ansteigende „saj", den wir aus den Wegen zwischen
Tjertjen und Kapa und zwischen Sourgak und Jas-julgun kennen. Hier ist er aber, wenn
möglich, noch öder als die Sandwüste, in der man wenigstens in einigen Gegenden vereinzelt
Tamarisken findet und die Reliefformen der Dünen etwas Abwechselung in die Land-
schaft bringen. Hier aber gibt es gar nichts für das Auge. Zwischen diesem „saj"-Gürtel
und der großen Sandwüste haben wir die Oasen an der Karawanenstraße, und von diesen
aus wird der „saj" nur hier und da von kleinen Pfaden gekreuzt, die nach den Mündungen
der Gebirgsthäler, in denen auch Oasen liegen, führen. Im großen und ganzen können wir also
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